Die Kunst für alle: Malerei, Plastik, Graphik, Architektur — 15.1899/​1900

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^-fis2> DIE GESELLSCHAFT

MATTH. SCHIESTL ST. VC'OLFGANG

Ausstellung der Gesellschaft Für christliche Kunst

Empfinden zu fremd sein. — Aber die emi-
nente Modellierung des Körpers, der intensive
Ausdruck in der ganzen Gestalt verbinden
sich mit dem charakterischen Ausdruck des
tiefen Leidens zu einer geradezu elementaren
Wirkung. Unser verweichlichtes Geschlecht
kann recht wohl einen solchen Meditations-
stoff brauchen!

Schmitt's Marienaltar für die Schwabinger-
kirche ist eine sehr glückliche Nachempfindung
des Lucca della Robia, in dessen Terrakotta-
manier das Original ausgeführt wurde. —
Was Schiestl unter den Malern, ist Taschner
unter den Bildhauern: eine vielversprechende
Kraft, von reicher Ursprünglichkeit und be-
deutendem technischen Können. Wie sicher,
ja kühn und wirksam ist in der Gruppe des
hl. Martinus der magere Bettler neben das
beleibte Pferd des stattlichen Ritters gestellt;
ein packender Ausdruck der Scene! Mehr
lieblich und graziös ist Buscher, so z. B.
in seiner anmutigen Madonna in der Nische.
Bradl's „zwei Apostel" sind sehr gut studiert;
Scheel's „hl. Familie" im Zopfstil hat einen
genrehaften frischen Zug. Ernste Arbeiten
sind die Apostel von Schädler, die Werke
von Beyrer jr., Fugel und Hiddingg.

Die Architektur ist durch Schmitz, Anger-
maier und Bachmann würdig vertreten. Die
Kleinkunst durch zwei gute Monstranzen von
Harrach.

Wir konnten nur einzelne Werke dieser
Ausstellung herausgreifen, haben aber damit
wohl den Beweis erbracht, dass die christ-
liche Kunst in modernem Gewände erstehen

R CHRISTLICHE KUNST

will. München ist ihre Geburtsstätte und
ihr bester Wirkungskreis. Möchten Klerus
und Volk die eifrige Künstlerschar mehr be-
achten als die handelsbeflissenen Kunst-
anstalten und deren Agenten; damit nicht
das verheissungsvolle Werk an der Teilnahms-
losigkeit jener ersterbe, welche ihre Früchte
geniessen sollen. Die Gesellschaft aber möge
fortfahren, den künstlerischen Sinn in den
katholischen Kreisen Deutschlands aufs neue
zu wecken, beharrlich zu nähren und selbst
sich zu vertiefen, damit das Gute besser und
vollkommen werde! Josef Popp

AUS MEINEM LEBEN

Von A. Fitger
(Schluss von Seite 111)

Eine andere, mittelbar ebenfalls durch die
Hexe herbeigeführte Bekanntschaft mit
einem Manne, der, wenn nicht zu den Souve-
ränen, so doch zu den Geistesfürsten Deutsch-
lands gehört, darf ich nicht unerwähnt lassen.
Seit zwanzig Jahren rühme ich mich der
Freundschaft Martin Hallers, des Hamburger
Baumeisters, des geistigen Oberhauptes jener

MATTH. SCHIESTL BETENDER BAUER

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