Die Kunst für alle: Malerei, Plastik, Graphik, Architektur — 15.1899/​1900

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EUGEN KIRCHNER MALERINNEN AUF DEM LANDE

Des Künstlers erste grössere Arbeit für die „Fliegenden Blätter"
Hier reproduziert'mit frdl. Genehmigung der Herren Braun & Sehneider in Münehen

EUGEN KIRCHNER

(Nachdruck verboten)

kie Bedeutung der Münchener „Fliegenden
Blätter" in der Kunstgeschichte des neun-
zehnten Jahrhunderts ist bekannt. Sie haben
sich von jeher in zwar vorsichtigem, aber ver-
hältnismässig nahem Anschluss an die jeweils
herrschende Kunstrichtung gehalten, und so
giebt die lange Reihe der Bände der „Fliegenden
Blätter" ein höchst wertvolles Material zur
Erkenntnis der Entwickelung unserer Kunst
im allgemeinen, aber natürlich besonders der
Zeichnung. Wenn man nun die alten Jahr-
gänge mit den neuen vergleicht, so kommt
man zu einem scheinbar paradoxen Resultat,
das eigentlich aber sehr einfach ist. Jene alten
Zeiten haben so grossen Wert auf Korrektheit
gelegt, die Gemälde und Zeichnungen wurden
damals von den sogenannten Kunstrichtern
sehr kritisch nach etwaigen Zeichenfehlern
abgesucht, während man heutzutage nur wenig
mehr von solchen Dingen spricht. Jedoch
sieht die Sache in der Praxis ganz anders
j^^^^;^ aus. Wenn man früher die Richtigkeit mit

.'.'f^fcs^vLJ^; der Reinlichkeit und der laienhaften Deutlich-

—keit verwechselte, so hatte das die Folge, dass

die Künstler und das Publikum herzlich wenig
l^BM^^MHB^BHI^^B|^B(^^Hi^BEI Rücksicht auf positive Wahrheit nahmen. Der

mode 1895 nach einer radierung Hum0T UIld dl'e P°eS'e Ware" d'e Hauptsache.

von eugen Kirchner Heute hat sich das alles gründlich geändert.

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