Die Kunst für alle: Malerei, Plastik, Graphik, Architektur — 15.1899/​1900

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-sr-S^> PERSONAL- UND ATELIER-NACHRICHTEN

PERSONAL- UND

ATELIER-NACHRICHTEN

lz. DÜSSELDORF. Ausgangs Mai feierten Ed.
von Gebhardt und Eugen Dücker das fünfund-
zwanzig- resp. zwanzigjährige Jubiläum ihrer Ernen-
nung zum Professor an der hiesigen Kunstakademie.
Beiden Künstlern wurden seitens der akademischen
Jugend begeisterte Ovationen, Fackelzug u. s. w. zu
teil, an denen die ganze Düsseldorfer Künstlerschaft
den lebhaftesten Anteil nahm. — Ein vorzügliches
Werk hat der junge Bildhauer F. Courbillier, ein
Schüler des Prof. Carl Janssen, der Düsseldorfer
Kunstakademie angehörend, in dem monumentalen
Brunnen mit dem Standbilde des Grafen Adolf I. von
Berg geschaffen. Diesen Brunnen für das wieder-
hergestellte Schloss Burg an der Wupper, dem
Stammsitze des bergischen Dynastengeschlechtes,
hat der Kunstmäcen Baron August von der Heydt
in Elberfeld als Erinnerungszeichen des kaiserlichen
Besuches vom 12. August 1899 gestiftet. Auf dem
Brunnensockel, der in den strengen Formen des
romanischen Stiles der Umgebung entsprechend
gehalten ist, erhebt sich die imposante Figur des
Grafen Adolf I. von Berg. Die Auffassung des
bergischen Fürsten in schlicht vornehmer, ruhiger
Haltung entspricht der geschichtlichen Ueberliefe-
rung. Seine Linke hängt an dem stehenden Schilde
fern. khnopff del. herab; in der ausgestreckten Rechten hält er das

Schwert. Die mächtige Gestalt bedeckt ein Schuppen-
panzer. Das Werk ist eine bedeutende Arbeit des
begabten jungen Bildhauers, der sein Talent schon
APHORISMEN m der Schaffung der grossen Tritonen-Gruppe an

der Königsallee in Düsseldorf, die er im Auftrage
Die Welt nimmt ein Talent immer mit offenen des Verschönerungs-Vereins ausführte, erwiesen hat.
Armen auf. Sehr oft weiss sie nicht, was sie mit = BRESLAU. Dem Kunsthändler Bruno

einem Genie anfangen soll. Das Talent ist ein ge- Richter wurde das Prädikat eines -Königl. Hof-
lehriges Geschöpf; demütig beugt es seinen Nacken, kunsthändlers- verliehen. ;pwj
während die Welt ihm das Halsband anlegt. Es
lässt sich wie ein Lamm vor den Wagen spannen,

:itiit fröhlich seine Last und ist geduldig gegen : ~. 7 :^HRBH^i'

Zaum und Peitsche. Aber ein Genie erträgt das
Zuggeschirr unwillig, sein wildes Blut macht es
schwer zu zähmen. a ^ Wo/mfs

STIL GOTTES

Sie reden so viel von Form und Stil,
Ich kann es nicht alles lernen;

Ich richte mich in meinem Gefühl .aS^^H

Nach den Blumen oder den Sternen.
-

Denn was sich wirklich formen will,
Das wird schon etwas werden,

So wenigstens weben die Dinge still ^"t
Am Himmel und auf Erden.

Und was als Blume nicht duften will.
Das mag als Sternlein flimmern,

Ob's gotisch oder romanisch ist, '.'^S'»
Das soll mich dabei nicht kümmern.

Max Btnvcr

Durch das Herz Gottes ausstrahlend, erschien ; . t''-K'iß- '

die Welt; durch das Herz des Künstlers einstrahlend
vergöttliche sie sich wieder! Max Bnrcr

Aus „Xenien, Sprüche und Gedanken von Einem"

(Dresden, Druckerei Glöss. I'ä M.) fern. khnopff del.

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