Die Kunst für alle: Malerei, Plastik, Graphik, Architektur — 15.1899/​1900

Page: 173
DOI article: DOI Page: Citation link: 
https://digi.ub.uni-heidelberg.de/diglit/kfa1899_1900/0186
License: Free access  - all rights reserved Use / Order
0.5
1 cm
facsimile
MARTIN SCHAUSS PLAKETTE ZUR EINWEIHUNG DES

„PALAZZO CAFFARELLI" ZU ROM

HERMANN PRELL'S WANDGEMÄLDE IM PALAZZO
CAFFARELLI ZU ROM

(Nachdruck verboten)

"YY^eshalb reden jetzt die Künstler so viel noch höherem Grade zu Tage, als er seine
„ von ihren Werken? Ihre Werke sollen Bilder für Worms, für Hildesheim schuf,
reden." Diesem Worte Arnold Böcklins hat Während die Gestaltenwelt der alten Bischofs-
Her.mann Prell von jeher mit seinem ganzen Stadt seine Werkstatt füllte, trat der deutsche
Schaffen beigepflichtet, er gehört nicht zu Kaiser des öfteren vor jene grossen Kartons
jenen Malern, die sich damit begnügen, ihre und auch ihm wurde der Eindruck, dass er
Prinzipien und Theorien in Worten zu ent- hier einem Künstler gegenüber stünde, der,
wickeln; bei all seinem Thun und der alles Technische durchaus beherrschend, aus
jetzt in voller Manneskraft stehende sieht dem Vollen schöpfend, ganz in jener Zeit lebte,
schon auf ein reiches Lebenswerk zurück - deren Menschen er neu erschuf. Dann, nach-
bewies er allein durch die That seine Kraft, dem Prelis farbenfrohe Fresken Hildesheims
Prell hat nie ein Programm aufgestellt, er Bewohner von heute in einer Weise begeistert
hielt daran fest, dass alle Kunst, so unendlich hatten, welche die oft unterschätzte gewaltige
vielseitig und kompliziert auch ihr Wesen ist, Wirkung der Geschichtsmalerei von neuem
im letzten Ende selbstverständlich sein muss. bekräftigte, bewies der Künstler in den Ge-
Weniger der Vorgang reizt ihn bei seinem mälden des Breslauer Treppenhauses, dass er
Schaffen, als die künstlerische Stimmung; er just ebenso glaubhaft die Poesie der antiken
hat nie ein Künstler mit sogenannten „natio- Weltanschauung zu verkörpern wisse, wie
nalen" Qualitäten sein wollen, wie ihm dies Jahrhunderte deutscher Kämpfe und Siege,
unzählige Male nachgerühmt wurde, solche Hier wuchtiger Ernst und reale Ausdrucks-
Einseitigkeit widerstrebt seiner gesunden kraft- weise, dort sonnige Luft des Südens und
strotzenden Begabung durchaus. Idealgestalten als Träger einer tiefpoetischen
Dass er den Geist der Zeiten und Völker Gedankenwelt. Die Naturstimmung stark
verstand, dass er den Lebensodem der ver- empfinden und sie dominieren lassen, die
schiedensten Kulturperioden wie Wenige Figuren einfach und absichtslos, aber dabei
spürte, bewies er schon in seinem Erstlings- so wahr und lebendig wie möglich im Räume
werk, den Wand- und Deckengemälden des stehend; schliesslich diese Bilder so er-
Berliner Architektenhauses. Und diese Kraft scheinen lassen, dass sie mit der umgebenden
des Neubelebens vergangener Zeiten trat in Architektur wie zusammengewachsen sind —

Die Kunst für Alle XV.

173

23
loading ...