Die Kunst für alle: Malerei, Plastik, Graphik, Architektur — 15.1899/​1900

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«a-Sö> VON AUSSTELLUNGEN UND SAMMLUNGEN <ö£**-

Zu „Französische Bilder in Berlin". f. de gout-gerard. sonnenaufgang

übrigen sah es auf den Wänden und in den diversen
Winkeln recht intim aus, man präsentierte sich sehr
sorgsam ausgewählt und mit der Eignung für kunst-
gewohnte Augen. A. Hynais hat ein wunderbares,
der Oeffentlichkeit noch unbekanntes i Bildnis meiner
Mutter aus einer früheren Zeit ausgestellt — und
durch eine Reihe entzückender kleinerer Bilder und
Zeichnungen gefesselt, wovon ein paar landschaftliche
Motive in einer echt Hynais'schen Auffassung und
ein packend brillanter Akt im Grünen aufzuführen
wären. Prof. V. von Brozik hat zwei in dem
farbigen Entwürfe freilich äusserst gut gemalte
historische Lunetten, für das Museum bestimmt,
ausgestellt und Prof. Pirner hatte seine Ausstel-
lungssynkrasie dem Vereine zuliebe geopfert und ein
paar nicht genug zu schätzende Bilder und poetisch
duftige Kompositionen eingeschickt, von welchen im
besonderen das Titelblatt zu Jonathan Swifts ^Pan
and Psyche und eine tiefgedachte Kreuzabnahme
zu nennen sind. Von Prof. Fr. Zenisek, dem
Porträtisten der vornehmen und vornehmsten Welt,
sah man eine Auslese seiner berühmten Porträts,
u. a. auch eine Studie zum Bildnisse S. M. des
Kaisers Franz Joseph [. nach dem Leben. H.
Schwaiger sandte von seiner neuen Wirkungsstätte
am neugegründeten böhmischen Technikum in Brünn
packende und verwirrende koloristische Phantaste-

reien, deren bizarre Wirkung und naiv holländische
Komik weit mehr für sich einnehmen als das modern
Verschwommene der Aquarellen von L. Kuba.
Fr. Ondrusek ist in München dem Altmeister Len-
bach zu nahe zugeflogen, so dass er sich die Flügel
recht empfindlich verbrannt hatte, auch der solide
Porträtist F. Hercik hat durch die Pariser Verfeine-
rung an seiner männlichen Auffassung gelitten, der
andere Pariser, Rud. Vacha, welcher in Paris
eigentlich alles gewonnen, dokumentierte seine Be-
liebtheit in der militärischen Aristokratie dagegen
durch ein neues kerniges Bildnis eines geharnischten
Vicomten. Da eigentlich nichts von dem Gebotenen
auf das Niveau des Mittelmässigen gesunken, müsste
hier eigentlich das ganze Namensverzeichnis auf-
geführt werden, indes seien nur noch die Ver-
dientesten genannt; in der Landschaft wurden be-
vorzugt V.Jansa (Waldinterieurs, Rivieraaquarelle),
EngelmCller (recht nette Stimmungen in Pastell),
K. Tuma (eine tüchtige Abendlandschaft), Trsek,
Slaby (sehr fleissige und luftige Terrainschilde-
rungen mit Staffage), angenehm wurde man berührt
durch das mystische Kolorit des religiösen F. Urban,
durch die verfeinerte Sinnlichkeit der Panels von
Masek, den Humor der Technik und der Auffassung
des Bildes von L. Novak und recht viele andere.
In der Plastik behauptete sich neben dem wuchtigen

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