Die Kunst für alle: Malerei, Plastik, Graphik, Architektur — 15.1899/​1900

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DER DE WEY-TRIUMPH BOGEN IN NEW YORK

Seesoldaten, voll Spannung nach dem gleichen Ziele
blickend. Die Heimkehr der Sieger- von Niehaus
ist eine realistische Begrüssungsscene, bei welcher
auch der breitlippige Negersoldat nicht vergessen wird.
Und endlich Friede- von French, eine Familie bei
der Arbeit, über welcher eine liebliche Frauenge-
stalt mit Engelsflügeln einen Oelzweig schwingt.
Diese vier Gruppen, zu welchen noch zwei trefflich
komponierte Reliefs, -Schutz des Vaterlandes« von
Cooper und »Vormarsch der Civilisationc von
Johannes Gelert, sowie »Atlantischer und Paci-
fischer Ocean- von Perry und »Hudson und East-
River« von Konti kommen, fallen wohlthuend und
durch ihren Realismus, durch ungezwungene Grup-
pierung und treffliche Modellierung der Figuren auf.
Ob auch die vier grossen Gruppen, welche die
Kolonnade schmücken, in Marmor auferstehen sollen,
ist bis jetzt nicht bekannt geworden, doch wäre es
kein grosser Verlust, wenn es nicht geschähe.
Konventionell gedacht und ausgeführt ist >Die
Armee von Ruckstuhl mit so viel Fahnen,
Kränzen und Siegeszeichen, dass die drei steifen
Männchen, welche das Heer repräsentieren, von den-
selben vollständig erdrückt werden. Die »Marine
von Bissel, Ost- und Westindien von Lopez und
Konti wirken wenigstens dekorativ. Das Gesims
unter der Quadriga weist acht Kolossalfiguren von
amerikanischen Seehelden auf, unter welchen »Far-
ragut von Partridge, Decatur: von Brewstber
und Paul Jones von Potter mir am wertvollsten
scheinen. Vor jeder Doppelsäule, die zum Bogen
führt, steht eine Viktoria, dem einziehenden Helden
einen Kranz darreichend, von Herbert Adams
entworfen. p. Hann

/^\hne das opferwillige und uneigennützige Vor-
V*' gehen der Künstler New Yorks hätte sich der
Einzug des Seehelden Dewey in der für solche Fälle
zum Ueberdruss wiederholten Manier abspielen
müssen. Das Eintreten der Künstlerschaft aber
erhob die Festlichkeiten mit einem Schlage auf eine
Höhe, die an die Zeiten des Lorenzo Magnifico in
Florenz erinnerte, nur dass Mäcene und ausübende
Künstler diesmal in denselben Persönlichkeiten ver-
körpert waren. Allerdings scheint diesmal auch der
Lohn der guten That auf dem Fusse zu folgen. Der
Eindruck des Bogens und der Doppel- und Tripel-
Säulenkolonnade, die ihn von Nord und Süd eröffnet
und abschliesst, ist so überwältigend in seiner Schön-
heit und Harmonie, dass eine opferwillige Bürger-
schaft in ihren Privat-Säckel greifen und eine halbe
Million Dollars spenden will, um den prächtigen Ent-
wurf in Marmor ausführen zu lassen und der an künst-
lerischem Schmuck armen Stadt diese Zierde zu ver-
schaffen. Architekt La.mb führte Kolonnade und
Triumphbogen aus. Derselbe wird von einer heftig
bewegten Quadriga, dem Werke des Präsidenten der
Bildhauer-Liga, John Q.Ward, gekrönt. Die grossen
Flächen zu beiden Seiten des Bogens sind von vier
imposanten Gruppen ausgefüllt. »Der Ruf zu den
Waffen von Philipp Martini zeigt begeisterte vier
Männer, welche die verschiedenen Typen der Be-
völkerung darstellen, überragt von einer lächelnden
Pallas. Die ernste, gerüstete Kriegsgöttin steht über
der zweiten, wohl der lebensvollsten Gruppe »dem
Kampf, von dem Wiener Karl Bitter; ein halb-
nackter Kanonier hat eben sein Geschütz abgefeuert
und beschattet die Augen mit der Hand, um die Wir-
kung zu sehen; um ihn drängen sich Matrosen und

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