Die Kunst für alle: Malerei, Plastik, Graphik, Architektur — 15.1899/​1900

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-^4=ö> PERSONAL- UND ATELIER-NACHRICHTEN <ö3-»~

= Aus Worpswede wird uns die Mitteilung, dass Kunst, er wurde Schüler

die Herren Otto Modersohn, Fritz Overbeck des Steinzeichners

und Heinrich Vogeler aus der 'Künstlerver- Albert Remy, später

einigung Worpswede- seit dem 25. Juli d. J. aus- dann auch Schüler der

geschieden sind, an der seitherigen Stätte ihres Berliner Kunstakademie.

Schaffens aber auch ferner wohnen werden. [115] Selbständiger Lithograph

LZ. BERLIN. Professor Hugo Vogel hat für wurde er erst 1845.
die Galerie Ravene hierselbst ein Doppelbildnis der Feckert's ersteArbeiten
Professoren Carl Becker und H. Ende, des Ehren- gefielen, er fand Gönner,
Präsidenten und des Präsidenten der Akademie, ge- den förderndsten in Louis
schaffen. Die beiden Künstler sind im lebhaften Ge- Ravene. Es folgten Jahre
spräch auf einer reich geschnitzten Bank sitzend in des Glücks, d. h. solche,
ihrer malerischen Amtstracht, angethan mit den Ab- die mit emsiger und
zeichen ihrer akademischen Würden, dargestellt und lohnender Arbeit gefüllt
ungemein charakteristisch wiedergegeben. — Die waren, in denen die Auf-
Bildhauer Martin Wolff, Louis Tuaillon, Max träge sich rasch folgten.
Kruse, Hugo Lederer und Hermann Hahn Feckert war als Stein- GUSTAvfECKERT
sind vom Kultusministerium zu einem Wettbewerb Zeichner reproduzieren- lT 3' ok,ober)
um ein Seitenstück zu der in der Nationalgalerie der Künstler und Porträ-

aufgestellten Gruppe Dionysos und Eros« von tist. Man hat ihn früh schon mit Mouilleron ver-

Albert Wolff eingeladen worden. glichen. Es gebührt ihm auch in der That in der Ge-

J. S. BERLIN. Der Lithograph Prof. Gustav schichte der deutschen Lithographie eine ähnliche

Feckert ist am 5. Oktober neunundsiebzigjährig ge- Stelle, wie Mouilleron in der der französischen. Nur

storben. Die Nachricht seines Todes fand kaum als muss man sich Feckert's Kunst in das damalige

kleine Notiz den Weg in die Zeitungen und als von Berlinische übertragen denken. Er geht weniger auf

seiner Beerdigung zu berichten war, die denn das Malerische aus, er ist doch allein Zeichner, da aber

doch mit einigem akademischen Pompe vor sich verlässlich und solide. Mit der heutigen verglichen

ging, passierte es angesehenen Berliner Blättern, ist seine Technik von anspruchsloser Einfachheit,

dass sie nicht aber sie hat persönlichen Charakter, ist voll lebendiger
einmal den Kraft. In seinem Werk bilden die Bildnisse, be-
Namen dieses sonders die nach der Natur, den künstlerisch wert-
verstorbenen vollsten Teil. Vielleicht wurde er nur durch den
Mitgliedes Zufall der Aufträge Porträtist. Aber er wurde es,
der Königlich ein guter zudem. Das ganze Berlin der vierziger
Preussischen und fünfziger Jahre wurde von Feckert auf Stein
Akademie der gezeichnet. Männliche Bildnisse gelingen ihm besser
Künste richtig als weibliche, unter den Herrenporträts am besten
zu schreiben wieder die bürgerlicher Personen, Kaufleute, Pastoren
wussten. Der und die Unbekannten, heute Vergessenen. Denn
Künstleraber Feckert's Kunst hat etwas Kleinbürgerliches. Als
hat einen lau- die Photographie, die, wie man damals meinte, das
ten Nachruf Leben buchstabengetreuer wiedergab, die Lithographie
verdient. Un- verdrängte, begannen für Feckert trüb.e Jahre. Auch
terMühen ver- als reproduzierende Kunst für die Bücherillustration
ging das lange war die Lithographie entwertet. Mit seiner Kunst
Leben, das wurde auch Feckert vergessen. Ein Lichtblick nach
jetzt seinen langer harter Zeit war die Ausstellung seiner Litho-
Abschlussge- graphien in der Berliner Akademie im Jahre 1892.
fundenhat,am Einige Jahre später wurde dem greisen Künstler
Anfang und sein gesamtes Werk in besten Abdrücken, das er
Ende war es noch besass, vom Staat abgekauft. Dieses vorzüg-
durch harte liehe Feckertwerk ging in den Besitz des Berliner
Not getrübt. Kupferstichkabinetts über. Durch diesen Ankauf
G. Feckert wurden wenigstens die letzten Jahre des freundlichen
wurde am alten Herrn von Sorge befreit. Der einmal unser bester
3. März 1820 Steinzeichner war, verdiente den ruhigen Feierabend,
in Cottbus als Mindestens doch muss ihm unvergessen bleiben, dass
Sohn eines er während der Zeit ihrer ersten Blüte die Litho-

Schneider- graphie in Berlin auf künstlerischer Höhe hielt,
meisters ge- PRAG. Die böhmische Kunst hat einen
boren. Er kam herben Verlust durch den am 10. Oktober erfolgten
als vierjähri- Tod des Landschafters Professors Julius Marak,
ges Kind mit derzeitigen Rektors der k. k. Prager Kunstakademie
den Eltern erlitten. Am 29. März 1835 zu Leitomischl geboren,
nach Berlin bildete der jetzt Verewigte sich in Prag und München
undsolltenach aus, Hess sich 1858 in Wien nieder und kam 1878
seiner Schul- nach Prag, wo er bis zu seinem Tode der Land-
zeit das Hand- schaftsschule der Akademie vorstand, und mit
werk d. Vaters einem Worte die ganze böhmische Landschaftsmalerei
lernen. Mühe- eigentlich selbst schuf. Die hervorragendste Bedeu-
voll genug tung Marak's lag in seiner einzigen Lehrfähigkeit
Georg busch Charitas bahnte er sich und seinem Lehrerglücke. Mit Hynais,. Pirner und
Freie Vereinigung Darmstädter Künstler den Weg zur Schikaneder bildete er die günstige Vorsehung der

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