Kunst und Künstler: illustrierte Monatsschrift für bildende Kunst und Kunstgewerbe — 2.1904

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ANSELM

FEUERBACH UND MORITZ VON SCHWIND

DREI BRIEFE FEUERBACHS

HERAUSGEGEBEN VON

CARL NEUMANN

1FICHT ist man geneigt,
Feuerbach und semer
Kunst Entfremdung vom

vaterländischen Boden
vorzuwerfen und man
bedenkt dabei nicht,
dass er ««Ar "**
Wunsch aus Deutscht
fortgegangen «t. W*

____________ die folSende^ird X

erstenmal veröffentlichten Briefe ^^ und
Zusammenstellung des >£°™erS, t nicht so auf-
Schwinds,des Mannes der Heima°£ ' kcn scheint.
fällig finden, wie es bel™ erj|!\ Ugeyersche neue,
In kürzester Frist so ^e^|Jhbiographie,
auf zwei Bände angewachsene[tc* hen, er-

aus seinem Nachlass ^»**^liographie
scheinen. Die frühere, i»5>4 «^ , öllig veraltet,
erwies sich in dem Aug^hcka ^p^
als die originalen Briefe ^fpiese kostbaren
bachs Allgeyer zugäng ich ^rde^chen in die neue
Quellen sind nun in allem Wesentlicß ^ ^

Ausgabe aufgenommen worden. *>« Neben

Bild des Künstlers in ?&*"**% Hand der
das poetische Bild Feuerbachs, W»« jetzt

Mutter im „Vermächtnis" .^^baren Er-
der wirkliche Feuerbach in den unmi

güssen der wechselnden Stunde, rücksichtslos, männ-
lich, heroisch. Die weicheren Züge des „Vermächt-
nisses" sind nicht unwahr; sie haben ihre Zeit —
die folgenden Briefe entstammen bangen Tagen des
Zweifels —, aber sie werden von den ungeheuer
mächtigen Antrieben einer in allen Hauptpunkten
ihrer selbst sicheren Kunst und eines starken Lebens-
instinktes beherrscht.

Zum besondern Verständnis der drei hier mit-
geteilten Briefe vom Jahr 1860 ist einiges zu sagen

nötig.

Feuerbach war tief erschüttert durch die Not
und Sorgen seiner ersten römischen Jahre nach
Deutschland herausgekommen, um seine Mutter zu
sprechen. Hatte er 18 5 6, da man in Baden die Hand
von ihm abzog, wider Willen sein Schiff nach Rom
gesteuert, so war Rom alles eher als ein Hafen für
ihn geworden. Es galt nun, von neuem Umschau
nach den Möglichkeiten in Deutschland zu halten.
Es lagen deren zunächst drei vor, Karlsruhe, Frank-
furt, Weimar.

In Karlsruhe hatte Lessing, der Maler des Ezze-
lin und Huss (heute schreibt man: „Widersacher
von Schlag des Herrn Karl Friedrich Lessing, Kunst-
malers und Galeriedirektors in Karlsruhe"), ange-
sichts des Feuerbachschen Dantebildes erklärt, dieses
Bild sei unwürdig, in der Galerie aufgestellt zu

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