Kunst und Künstler: illustrierte Monatsschrift für bildende Kunst und Kunstgewerbe — 2.1904

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BÜCHERBESPRECHUNGEN

Maler-Aesthetik von Dr. Hermann Popp. Strassburg.
J. H. Ed. Heitz (Heitz & Mündel). 1902.

Maler-Aesthetik in vielfacher Beziehung. Einmal
sind es die Maler, die Künstler selbst, die zu Worte
kommen. „Meine Aufgabe bestand darin, die Aeusse-
rungen der Künstler über ihre Kunst, im gegebenen Falle
über die Malerei, soweit sie in Biographien, Brief-
wechseln und von Künstlern selbst verfassten Schriften
u. s.w. vorhanden sind, zu einem systematisch geord-
neten Ganzen zusammenzufassen." Zum Teil ist es eine
Aesthetik für Maler in der ausführlichen Behandlung
rein technischer Probleme. (Firniss u. Malmittel etc.).
Und mit besonderer Wertschätzung des Malers, der
künstlerischen Persönlichkeit. Das Kapitel „die psycho-
logischen Bedingungen des künstlerischen Schaffens"
nimmt etwa den fünffachen Raum ein von dem Ab-
schnitt über „die psychologischen Bedingungen des
ästhetischen Gefallens." Diese Hochachtung vor der
künstlerischen Arbeit, dieses Ausgehen vom Standpunkte
der Maler verführt den Verfasser zu der bedenklichen
und vielleicht kunstfeindlichen Ansicht von dem „Grund-
irrtum, der das Kunstwesen im Kunstprodukt und nicht
im. Kunstproduzierenden erblickt. Wenn wir nicht ver-
mögen mit seinen Augen zu sehen, d. h. (?!) ihn selber
im Kunstwerk erblicken, dann wird uns die Kunst über-
haupt wenig bedeuten können." Im engeren Sinne ist
dieseMaler-Aesthetik eine Aesthetik des reinMalerischen,
eine Ablehnung alles Stofflich-Anekdotisch-Poetischen
gegenüber den rein optischen Werten, dem was die
Künstler wollen und die Malerei allein zu leisten ver-

mag. Und innerhalb der Malerei wiederum die Bevor-
zugung des Malerischen gegenüber dem Zeichnerischen.
In diesen beiden letzten Gesichtspunkten wiederholt

"Verfasser die in letzter Zeit so vielfach von Malern
und Bildhauern ausgesprochenen Grundsätze und steht
T-H^T dem Banne des Impressionismus. Von den
beiden Möglichkeiten eine Aesthetik zu schreiben, indem
zur £ er entweder eine eigene persönliche Stellung

ns den Lesern aufzunötigen vermag oder durch
eine kunstvolle Systematik durch scharfe Einteilung und

egrenzung vorhandener Anschauungen und durch Ab-
wägung und geschickte Gegenüberstellung eine ge-
schlossene wissenschaftliche Ueberzeugung zu geben, ist

opp keine gelungen. Aus dem Prinzip heraus, mög-

lässT V^tändIg alle Maler zu Worte kommen zu lassen,
er Widersprüche nebeneinander stehen und wieder-
holt sich mehr als nötig. Das Buch will benutzt aber
nie t gelesen sein. Eine in Anmerkungen niedergelegte
reiche Kunstlitteratur und ein Register der zitierten
Kunstler machen das Buch brauchbar.

Richard Hamann.

AUS ZEITSCHRIFTEN

In den Rbeinlanden setzt Adolf Frey seine Böcklin-
studien fort. Er berührt das Verhältnis, das sich zwischen
Böcklin und Gottfried Keller entspann. Es war zuerst,
erzählt er, nur von Seiten Böcklins eine unbedingte
Verehrung vorhanden. Keller hingegen „steckte noch

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