Kunst und Künstler: illustrierte Monatsschrift für bildende Kunst und Kunstgewerbe — 2.1904

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CHRONIK.

NACHRICHTEN, AUSSTELLUNGEN ETC.

Die Denkmalswut, die alle Länder erfasst hat, giebt
immer wieder Anlass zu Erwägungen und Ausfällen.
In Settignano ist in diesen Tagen ein Denkmal des be-
rühmten Bildners Desiderio da Settignano enthüllt wor-
den. Es ist keins von den schlechtesten, wenn man nach
der Abbildung urteilen darf; formgewandt; nur nichtig.
Die Frage stellt sich ein, ob die Bürger von Settignano
nicht durch die Betrachtung von Werken Desiderios —
selbst wenn sie sie nur in Gips sehen, wenn sie sie nur
im Abguss haben — mehr von dem Bildhauer erleben
und geniessen — und ihn mehr feiern — als durch den
Anblick eines Denkmals, das irgend ein Anonymus er-
richtete, der als ein Kollege des alten Künstlers nur im
Handwerk bezeichnet werden kann. Sie ehren den
Desiderio durch die Betrachtung seiner Werke mehr als
ihn ein Standbild des modernen Prof. X. oder Y. ehren
kann. Man denke an die Ehrung, die unserm Peter
Cornelius zugedacht war, als unter der früheren Direk-
tion der Nationalgalerie dem Prof. Janssen der Schmuck
der Corneliussäle in Auftrag gegeben wurde! Schauder-
haft erscheinen uns jetzt die Honigseimfarben der

Bilder von Peter Janssen in jenen Sälen, die allein der
Eindruck der Cartons von Peter Cornelius füllen sollte.

Über das Goethedenkmal von Eberlein schweigt sich
die italienische Presse aus. In einer der Zeitungen
finden wir, dass der Figur „gewisse anatomische Unvoll-
kommenheiten" nachgesagt werden; im übrigen wird
der Leser darauf hingewiesen, „dass die Stunde der
Kritik noch nicht gekommen" sei.

Indessen ist von Eberlein der berliner Stadtgemeinde
ein neues Denkmal angeboten worden, das der Fürsorge
für die Hülfsbedürftigen gewidmet ist. Die städtische
Kunstdeputation ist sich über den Erwerb oder die Ab-
lehnung noch nicht schlüssig geworden.

Eine in der Zeit der Denkmalsbanalitäten höchst
erfreuliche Nachricht kam aus Leipzig: das dortige

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