Kunst und Künstler: illustrierte Monatsschrift für bildende Kunst und Kunstgewerbe — 2.1904

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CONSTANTIN SOMOFF



!~AAS Erste, was in Somoffs Arbeiten auffällt, ist, dass ,
■\_J sie aus einer idealen glücklichen Welt stammen,
man möchte sagen: das Wohlhabende fällt auf. Er gehört
der Gruppe des grossen Aubrey Beardsley und Thomas
Theodor Heines an: Aubrey Beardsley ist jenseits von
Klassengegensätzen, dieser grosse Genius weilt in Sphären,
in denen Unterschiede von Arm und Reich nichts
bedeuten; Thomas Theod. Heine ist ein Aufrührer —
SomofF aber ist ein glücklicher Mann, etwas Zu-
friedenes ist in seinen Bildern sowohl aus der Welt des
Rokoko und des Biedermeierstils wie in seinen Land-
schaften. Wir haben bei den Landschaften anderer moderner
Künstler oft das Gefühl, dass sie um der Erscheinung
wegen gemacht sind: so bei Monet. Monet malt eine
Landschaft, weil sie seinen auf das Malerische gewandten
Blick anzieht. Man denkt bei ihm nicht, es macht ihn glück-
lich, in dieser Landschaft zu promenieren — man denkt
bei ihm, es macht ihn glücklich, sie zu malen. SomofF
jedoch promeniert in seiner Landschaft gern. Er malt sie,
weil ihm der Aufenthalt in ihr angenehm dünkt; um
den Aufenthalt in ihr zu verewigen; sein Land-
schaftsbild hat etwas von dem Albumblatt


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