Kunst und Künstler: illustrierte Monatsschrift für bildende Kunst und Kunstgewerbe — 2.1904

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CHRONIK

berliner T3 EI Schulte stellt Ferdinand Hart-

AUSSTELLUNGEN 13 Nibbrig neben zu belanglosen
Landschaften ein Arbeiterpaar, „Phi-
lemon und Baucis" in einem Bauern-
garten vor ihrer Hausthüre sitzend in einem Naturalis-
mus' dar, der voller Schweigen und fast, so möchte
man sagen, voll Mystik ist. Der Künstler hat sich selbst
daneben gemalt; man sieht den Kopf eines sehr jugend-
lichen Mannes: etwas Nazarenertypus. Der Ausdruck
und die Formen dieses Kopfes sind charakteristisch für
des Künstlers auf Bescheidenheit und Intensität ge-
richtete Bestrebungen.

George Desvallieres gab in die Ausstellung einen
Orpheus, der unter der Einwirkung von Gustave Moreaus
Symbolismus entstanden ist.

Der Manes-Bund, eine Künstlergesellschaft aus Prag,
lässt uns einige neue Maler kennen lernen. Da ist
Anton Slavicek mit der Ansicht eines Quais, die in
malerischer Perspektive aufgefasst und tieftönig ge-
malt ist, sowie mit einem anderen Bilde vom Wasser mit
roten Dächern und blauer Luft und zerrissenen weissen
olken — man kennzeichnet das Kolorit dieses Bildes
am besten, indem man es mit einem Aquarell vergleicht.
Dann sieht man Bilder von Jdza Uprka mit Tieren in
der Landschaft; Uprka scheint milde, ins Graue gehende

Stimmungen zu bevorzugen. Anton Hudecek versucht
su» in Abendstimmungen. Max Svabinsky ist Por-
trait, hr glebt unter anderm das Porträt des be-
kannte» prager Dichters Hugo Salus: ein Kopf, so zer-

ZlTm m man Üb6r einen Lyrfker «Haus, mehr an
einen Musiker - etwa Paderewsky - denkt. Die

In t? l J!alerS Siebt hier das Zerflossene wieder,
ner n 1 ? Blldmssen ist Svabinsky ein strengerer Zeich-
nend d^Verfahre» einer älteren Schule - eigent-
ist w ••' diCSe BiIdnisse aus der Masse hervorhebt,

aZ l ^ S)\trotzdem man gezeichnete Strichlagen sieht,
doch auch farbig wirken.

ents h* K?mtlerhaas> das unter der neuen Leitung einen
n sc ledenenAufschwung genommen hat, ist vonneuem
me Menzel-Ausstellung veranstaltet. Wieder bewun-
dern wir, w;e schon bei den beiden vorIgen Menzel-
Ausstellungen, eine Fülle Menzelscher Zeichnungen.
aist eine Rückenansicht eines Bauernhauses zu er-
wähnen, bei dem man vorn ein Staket und einen Baum
sieht; der Hof liegt in der Sonne. Mit einigen gezeich-
neten und gewischten Strichen ist ein fabelhaftes Ganze
hervorgebracht. Das Blatt ist von 1868.

Dann ist ein Blatt merkwürdig, auf dem Menzel die
Virtuosität zeigt, mit der er — in Bleistiftstrichen —
aufgeschichtetes Brennholz wiedergiebt.

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