Kunst und Künstler: illustrierte Monatsschrift für bildende Kunst und Kunstgewerbe — 2.1904

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BUCHERBESPRECHUNGEN

Monographien des Kunstgewerbes. Heraus-
gegeben vonJeanLouis Sponsei.Verlag vonHermann
Seemann Nachfolger in Leipzig.

Die Popularisierung der Kunstgeschichte steht an-
scheinend in höchster Blüte. Wo wir hinhören ist von
der Erziehung des Volkes zur Kunst die Rede und ge-
schäftig wird künstlerischer BildungsstofF verbreitet.
Keine Zeit ist reicher als die unsere gewesen in mono-
graphischer Vorführung der Künste und Künstler. Der
Erfolg der Velhagen & Klasingschen Künstlermono-
graphien hat unter verlockenden Titeln eine Menge ähn-
licher Sammlungen von Einzeldarstellungen in den ver-
schiedensten Preislagen erscheinen lassen. Das Publikum
hat nur die Qual der Wahl, denn im Grunde bringt die
eine Monographienfolge so viel Gutes wie die andere —
und so viel Minderwertiges auch. Mit der Verbreitung
dieses neuartigen Genres belehrender Kunstschreibung
ist bei den neuesten derartigen Sammlungen einige Dis-
ziplinlosigkeit eingetreten. Denn die Autoren schreiben
jeder nach seiner Fa^on und kümmern sich meist recht
wenig um den fein ausgeklügelten Plan und die Tendenz
der wohlredenden Prospekte. Der eine nimmt seine Auf-
gabe als strenger Historiker, der andere plaudert mit
geistreicher Nonchalance, und wo der eine übet die
„moderne Richtung" greint, gerät der andere ob des
Neuen in Verzückung.

Die neueste Monographien-Sammlung, die Jean
Louis Sponsel im Verlage von Hermann Seemann
Nachfolger in Leipzig herausgiebt, tritt mit den Allüren
einer Enzyklopädie der Kunst und des Gewerbes auf,
alles will sie in monographischer Form behandeln. Fünf
Bände liegen bis jetzt vor. Sie sind aber verschieden in
der Anlage und Durchführung, sie sind reich aber nicht
eben geschmackvoll illustriert. Nicht dass die Ab-
bildungen als solche geringwertig wären, nein, aber sie
sind etwas schematisch verteilt, liebloser als man es bei
Kunstbüchern in unserer Zeit buchkünstlerischer Weis-
heit und erwachender Bücherfreude erwarten sollte.
Der junge Verlag, der mit ungewöhnlich grossem litte-
rarischen Gepäck auf den Büchermarkt getreten ist,
wird sich nicht übernehmen, wenn er der Illustration
dieser enzyklopädischen Unternehmung in Zukunft
etwas mehr Sorgfalt zuwendet. Aber das Missvergnügen
über die Schale, in der uns die „Monographien des
Kunstgewerbes" entgegentreten, soll uns die Freude an
ihrem Kern, an der Gediegenheit ihres Inhaltes nicht
verkümmern!

Der Vortritt gebührt der Studie von Wilhelm Bo de
über vorderasiatische Knüpfteppiche aus älterer Zeit.
Sie bildet in der That die beste und bequemste Ein-
führung in die Teppichkunde, in ein Gebiet, dessen Litte-
ratur so jung und so spärlich ist. Erst seit der grossen

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