Kunst und Künstler: illustrierte Monatsschrift für bildende Kunst und Kunstgewerbe — 2.1904

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CHRONIK

NACHRICHTEN, AUSSTELLUNGEN ETC.

Die Wahlen für die nächstjährige grosse Kunstausstel-
lung haben stattgefunden. Die Genossenschaft der könig-
lichen Akademie wählte die Maler Woldemar Friedrich,
Paul Meyerheim und Anton von Werner, die Bildhauer
Max Baumbach und Gerhard Janensch, den Architekten
Geh. Oberbaurat Eggert; als Ersatzmänner die Maler
Friese und Albert Hertel, den Bildhauer Fritz Schaper
und den Gfaphiker Hans Meyer. Der Verein Berliner
Künstler wählte die Maler Werner Schuch, Ernst Körner,
Franz Bombach, die Bildhauer Dr. Hartzer und Otto
Petri, den Graphiker HeinrichKohnert; als Ersatzmänner
die Maler Hermann Clementz und Wilhelm Beckmann,
den Bildhauer Wilhelm Wandschneider und den Archi-
tekten Georg Rönsch. Es standen sich zwei, nahezu
gleich starke Parteien gegenüber: die von Holtzbecher
geführte Gruppe der „Reformpartei" brachte sechs
Kandidaten durch, die Gegenpartei vier (Körner, Hartzer,
Wandschneider, Rönsch); Holtzbecher selbst unterlag
einer Mehrheit von einer Stimme. Man nimmt an, dass
Anton v. Werner, der unter den Delegierten der Aka-
demie sich befindet, Vorsitzender der Ausstellung von
1904 werden wird. Arthur Kampf, der Präsident der
letztjährigen Ausstellungen, ist nicht wiedergewählt.

Leutnant Bilse hat beim Prozess erklärt, er habe die

Absicht umzusatteln und als Schüler in die berliner
Akademie einzutreten.

Es heisst, er beabsichtigt, in eine Naturklasse der
berliner Akademie einzutreten, um sich das Beobachten
abzugewöhnen.

Er war beim Train; in einer Grenzprovinz. Er wird
noch immer beim Train, noch immer in einer Grenz-
provinz bleiben, wenn er sich der Kunst hingiebt, sie
aber in der Unterrichtsanstalt von Berlin erlernt. Er wird
das freilich erst einsehen, nachdem er einige Jahre in
der Akademie zugebracht hat.

#

In der Akademie findet zum Gedächtnis des ver-
storbenen Landschaftsmalers Gude eine Ausstellung
seiner nachgelassenen Gemälde, Farbenskizzen und Na-
turstudien statt.

*

Ludwig Passini und Camille Pissarro sind gestorben.

Ludwig Passini ist einundsiebzig Jahre alt geworden.
Er war in Wien als Sohn eines Kupferstechers geboren.
Ein Schüler und Genosse des Aquarellisten Carl Werner
unternahm er Studienfahrten und kam im Jahre 1864
nach Berlin. Sein Gebiet war das venezianische Genre.
Seine Komposition war sehr sorgfältig und sehr liebens-
würdig sind viele seiner Mädchenköpfe.

Pissarro war auf St. Thomas geboren, ein Däne, und
kam gegen 185-0 nach Paris, wo er zuerst bei Corot

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