Kunst und Künstler: illustrierte Monatsschrift für bildende Kunst und Kunstgewerbe — 2.1904

Page: 199
DOI article: DOI Page: Citation link: 
https://digi.ub.uni-heidelberg.de/diglit/kk1904/0205
License: Free access  - all rights reserved Use / Order
0.5
1 cm
facsimile
CHRONIK

NACHRICHTEN, AUSSTELLUNGEN ETC.

Das dem Reichstage gegenüber errichtete Haus des
Reichstagspräsidenten, das lange die Neugier der Vor-
überwandelnden erregte, wurde den Mitgliedern des
Architektenvereins und der freien Vereinigung an einem
dieser Tage vorgeführt.

Nichts Besonderes über die im ersten und zweiten
Stock gelegene Wohnung des Präsidenten zu sagen. Nur
eines fällt auf. Wallot hat in einem der Säle gleich den
Bildhauern der mittelalterlichen Kirchen gegenüber der
Majestät alles übrigen einem launigen Einfall Raum ge-
geben. Der grosse Festsaal dient zugleich alsTanzsaal; hier
stellte Wallot sich vor, wie die Herren unbewegt stehen
bleiben, während die Töchter der Reichsboten gern ein
Tänzchen machen möchten. Er trug dafür Sorge, dass
die Damen mit einem Blick an die Decke die Herren
an ihre Pflicht mahnen können. Denn er Hess an ein
Band, das rund um das Mittelfeld läuft, die Worte unseres
alten Kaisers setzen: ich habe keine Zeit müde zu sein.

Im düsseldorfer General-Anzeiger veröffentlicht
Anton v. Werner eine Zuschrift; er beklagt in ihr, dass
in dem neuen deutschen Künstlerbund auch Nicht-

Künstler wären, während aus dem neuen Künstlerbund
heraus gegen die alte deutsche Kunstgenossenschaft der
Vorwurf geschleudert worden sei, viele ihrer Mitglieder
wären Nicht-Künstler und Dilettanten. Das ist jedoch
ein Streit um Worte. Die Nicht-Künstler, die die alte
Genossenschaft beschweren, sind Dilettanten, welche
keine Anregungen gaben. Die Nicht-Künstler, welche
dem neuen deutschen Künstlerbund beigetreten sind,
wollen nicht als gute oder schlechte Maler mitgezählt
werden, vielmehr bieten sie ihre Erfahrungen, ihre
Reisen, den weiten Kreis ihrer Kenntnisse dar.

Der Grossherzog von Weimar erzählte seinen Gästen
aus dem neuen deutschen Künstlerbund, dass er zum
preussischen Kultusminister gesagt habe: je mehr Fehler
in Berlin gemacht werden, desto besser ist es für Weimar.
In der norddeutschen allgemeinen Zeitung wird der Ver-
such gemacht, zu bestreiten, dass der Grossherzog mit
dem Minister sich über Kunst unterhalten hätte! Weh
dem, der lügt.



Dem Prof. Dettmann an der königsberger Akademie
ist nahegelegt worden, sein Amt oder seine „seces-

10p
loading ...