Kunst und Künstler: illustrierte Monatsschrift für bildende Kunst und Kunstgewerbe — 2.1904

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DER DEUTSCHE KÜNSTLERBUND

VON

HARRY GRAF KESSLER

sind

JIE öffentliche Meinung hat sich jetzt
erklärt. Der Künstlerbund ist über-
all fast widerspruchslos begrüsst
worden. Von den hunderten von

______ Pressstimmen, die mir zugegangen

, waren drei, genau drei, ungünstig. Man
empfindet offenbar, dass es Aufgaben giebt, die
erfüllt werden müssen, und vertraut, dass der
Künstlerbund, so wie er ist, sie erfüllen kann.

Was sind diese Aufgaben? Im Grunde nur ver-
schiedene Formen einer einzigen: dem Künstler seine
Freiheit sichern.

Die Reichsregierung und der preussische Kultus-
minister haben der Kunst den Dienst geleistet, dass
sie die Aufmerksamkeit gewaltsam auf die immer
gefährdete Stellung persönlich eigenartiger Künstler
gelenkt haben.

Denn die bekannte Gruppe, die der Regierung

in Berlin die Hand führt, bekämpft nicht, wie sie
gerne vorgiebt, irgend eine bestimmte Richtung,
sondern im Gegenteil die Künstler, die keiner
Richtung sich beugen wollen. Was diese Gruppe
verfolgt, ist überall Nichts als die Eigenart, und
was sie verlangt, die Unterwerfung unter die Jurys
und Begutachtungen der bei der grossen Masse der
Künstler gerade herrschenden Richtung, die sich
immer gern die alte nennt, als ob sie die alten
Meister verträte, während sie wirklich nur die alten
Rezepte bewahrt, die der künstlerische Mittelstand
in seiner Studienzeit auf Akademie gelernt hat.

Dass die Freiheit, und nicht eine Richtung in
Frage steht, beweist diese Gruppe, indem sie ganz
entgegengesetzte Kunstweisen gleichermassen ab-
lehnt, Thoma und Liebermann, Klinger und Uhde,
Kampf und Stuck. Denn diese Künstler haben
nichts gemein, als dass sie Persönlichkeiten sind
und ihrer Eigenart treu bleiben, statt irgend einem
Dogma oder Befehl zu gehorchen.

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