Kunst und Künstler: illustrierte Monatsschrift für bildende Kunst und Kunstgewerbe — 2.1904

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KATE GREENAWAY

VON

EMIL HANNOVER

FR GEBENS suchte man, solange

' Kafe Seenaway lebte in irgend

Künstler-Lexikon oder

in Seinige Aufklarung

Art üKer sie zu erlangen.

hielt ich zur Antwort, „w mein Leben

ich M. H„; »o langeJ^heM|j„

privat zu leben — W »n *"£ 0„npn- sie war im
Sie hatte Recht, sich so zu nenne^,^^ ^

tiefsten Innern und in allen " «j. .^ als eine
Recht preist man sonst die Mannhchlce ^ ^
der ersten Voraussetzungen AM ' , an

Recht betrachtet man den na url ch«* ^^
Männlichkeit bei dei-Frau &fi dem Manne in
lichsten Hindernisse ihres StreDens' Aber Rate
der Kunst ebenbürtig zu werden. ^^^
Greenaway hat es bewiesen: ist ^ ^.^ so

ganz bis zum tiefsten Grunde i:" H hkeit Uegen,
kann in ihren Schöpfungen eine Wcibl«* .^

deren menschlicher Wert gross genug« * hen.
Schöpfungen zu ausgezeichnete! Kunst

Sie hat das Glück gehabt, zu einer Zeit ge-
boren zu werden, in der die Frauen-Akademien nicht
existierten. Von ihnen kommt die Halbheit in der
grössten Anzahl der Werke, die die Frauen heutzu-
tage im Namen der Kunst produzieren, denn dort
schliessen sie sich dem Manne auf den Wegen an,
die seine Entwicklung geht; sie wollen wie Männer
sein und wie Männer können, und sie können doch
nie aufhören, Frauen zu sein. Sie hat auch das
Glück gehabt, zu einer Zeit geboren zu werden, in der
die Frauenemanzipation nicht florierte, und überdies
in der englischen Gesellschaft geboren zu werden,
in der von altersher die weiblichen Eigenschaften der
Frauen als die ihnen einzig notwendigen Tugenden
geachtet werden.

Die erste und grösste dieser Tugenden, die
Mutterliebe, kannte sie, die unverheiratet lebte,
allerdings nicht; aber die Liebe zu den Kindern
besass sie wie nur je eine Mutter, und die Kunst,
die überall wo sie etwas taugt, der Ausfluss eines
Gefühlsüberschusses ist, war für sie der Ausfluss
jener heissen Liebe zu Kindern, die sie im wirklichen
Leben nicht befriedigen konnte.

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