Kunst und Künstler: illustrierte Monatsschrift für bildende Kunst und Kunstgewerbe — 2.1904

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DIE AMERIKANISCHEN GEMÄLDESAMMLUNGEN
IN IHRER NEUEREN ENTWICKLUNG

Verehrtester Redakteur!

ie fragen mich, ob ich die ioo ooo
Mark schon in Empfang genommen
habe, die Mr. LafFan vom World in
New-York mir für irgend ein öffent-
liches Institut in Aussicht gestellt
hatte für den Fall, dassichnachwiese,
die bekannte Sammlung des Don Marcello in Rom
sei identisch mit der von seinem Freunde Mr. Walters
um 5 Millionen Francs erworbenen Sammlung.
Offen gesagt, nein; und ich zweifle auch nicht, dass die
berlinerInstitutenie einen rotenHeller davon zu sehen
bekommen! „Sie haben sich also doch geirrt?" wer-
den Sie fragen: Nein, gewiss nicht! In Rom wie in
New-York weiss jedermann, der sich überhaupt für
solche Dinge interessiert, dass Don Marcello nur eine
Sammlung hatte und dass dieselbe an Mr. Walters
in Baltimore verkauft worden ist. Das weiss auch
Mr. LafFan und er weiss ferner, dass die Sammlung
seit Jahr und Tag in New-York in einem grossen

Store-House aufgespeichert ist, bis die „fatale Ge-
schichte" über wichtigere Dinge vergessen sein wird!
„Aber dann bekommen Sie doch Ihre i oo ooo Mark
für Ihr Museum oder wofür Sie sie jetzt bestimmen
wollen," werden Sie erwidern; nun da kennen
Sie Herrn LafFan nicht! — Doch lassen wir Herrn
LafFan; nicht durch ihn, aber trotz ihm werden in
Amerika die Sammlungen alter Kunst rasch sich
vermehren und verbessern, und gerade auf diesen
Punkt möchte ich Ihre Aufmerksamkeit heute
lenken.

Wenn ich vor zwei Jahren in Ihrer Zeitschrift
nachzuweisen suchte, dass ich die Gefahr der ameri-
kanischen Konkurrenz auf dem Kunstmarkt für
unsere europäischen Museen nicht so gross erachte,
wie man dies in neuester Zeit regelmässig darzu-
stellen beliebt, so habe ich damit keineswegs sagen
wollen, dass gute Kunstwerke nicht nach Amerika
gingen und dass sich dort keine namhaften Kunst-
sammlungen bilden würden. Dies wird sogar, trotz

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