Kunst und Künstler: illustrierte Monatsschrift für bildende Kunst und Kunstgewerbe — 2.1904

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arbeitete. Ein Bild, das von der Jury abgelehnt wurde,
erregte um so grösseres Aufsehen im Salon des Refuses.
Ruf und Erfolg erlangte Pissarro erst nach 1874- *«
Beginn des Krieges von 1870 begab er sich mit bisley,
Daubigny und Monet nach London, wo er einige Jahre
verblieb. Die englische Malerei machte grossen Um-
druck auf ihn und gab eigentlich der seinigen ihre neue
Richtung. In den Ausstellungen machten nun seine
Bilder das grösste Aufsehen. Trotzdem dauerte es
einige Zeit, bis seine Bilder Käufer und dann auch gute
Preise fanden. Mit Sisley, Renoir u. a wohnte er m
Moret (an der Marne), welches die eigentliche Wiege der
Neuschule der französischen Landschafter geworden ist.

«•

Dem Vorgehen der berliner Secession, nicht in St.
Louis auszustellen, haben sich die Secessionen^von Mün-
chen, Düsseldorf, Stuttgart, Karlsruhe und Weimar an-
geschlossen.

Die Kosten für die Ankge vor ^m brandenburger
Thor belaufen sich auf 470000M. - ^00?J tote
nimmt die kaiserliche Schatulle; 310000 M. hat

Staat

zu tragen.

De, Ku»St„at, brachte eine» ganz ""'f^
gewesen, <ta mit dem H'"J*°" fn'Sndigllng hake

Eberleins eine Hauptfigur, Woltram von

r • r- a a;p 7eichnung hierzu eigenhanaig

neu hinzufügte und die Aeicnmu g _ o

entwarf." iLn das ein Kunstwersem .******
„Hauptfigur« noch fehlte? Der**&»£
hätte den kleinsten kleinen Kunstiei sc » v

Michelangelo und Tizian ^^«3
das Hineinsprechen seines Fürsten scftw S
duldend hinzunehmen, es als eine hohe feg^
hätte, dass ihm in seinen Entwurf hme.nkorngiert wurde.

*
Eine wundervolle Zeichnung von Max Klinger ist
im Kunstwart im litterarischen Ratgebe : >J«
der Salome« aus Vogels Werk über Klingers leipziger
stl urTn entnlmL. Die Zeichnung erscheint etwa
wie L Ingres, - durch eine schärfere Bn^^
dabei fleischig. Weitaus schöner als eine ju g
Skulptur. Der Kopf ist Klinger selber ähnlich.

Bei Schulte fand eine Ausstellung von Böd*«^
erst auf der Jubiläumsausstellung von 1886 erschienener
„Burg, von Piraten überfallen« statt Jetzt: findet
man' eine Sammlung von finnischen Bildern. Magnus
Enckell zeigt in Kopfstudien und „Gethsemane eine
einfache, gesunde und natürliche] Handhabung, Pekto
Halonen hat die gleichen Eigenschaften in einer „woi -

jagd", in seinem „Wegebau" findet man aber einen
argen Riss zwischen der Landschaft und den Figuren.
Eere Järnefelt ist ein feiner Landschafts- und Figuren-
maler, Albert Edelfelt, der Führer der Gruppe, zeigt sich
als gewandter Porträtist, der manchmal bis zum zu
Gefälligen geht.

Man sieht einen grossen guten Diaz. Dann von
Menzel den herrlichen „Garten des Prinzen Albrecht",
vom Jahre 1846, eine koloristische Leistung ersten
Ranges, namentlich die im Garten Siesta haltenden Ar-
beiter sind mit grossem Gefühl für Schönheit der Farbe
— für die Schönheit der Farbe des Fleckes, ganz unzeich-
nerisch hingesetzt, so dass man ganz erstaunt sein würde,
wenn nicht eben Menzel ein Kompendium wäre, wenn
er nichts/Z« in seinem Lebenswerk enthielte, allerdings
nicht Alles zu gleicher Zeit.

Wenn man unter dem Eindruck Menzels zu Keller
und Reiner in die Richter-Ausstellung kommt, kann
man nicht umhin, sich zu erinnern, dass einstmals Richter
Menzel gegenüber als gleichwertig hingestellt wurde;
— Menzel gegenüber, der der grösste Illustrator ist,
den es überhaupt jemals gegeben hat. Selbst die Holz-
schneider, die Ludwig Richter hatte, wurden als gut
angesehen und man ermass nicht, eine wie unerhörte
Kraftprobe die Menzelschen Holzschneider gaben. In
der Ausstellung bei Keller und Reiner, in der viele
Originalzeichnungen Richters vorgeführt werden, er-
kennt man klar, wie Vieles von dem anmutigen Leben
in Ludwig Richters Strich von seinen Holzschneidern
geopfert wurde. Auch tritt Ludwig Richter selber als
beredter Zeuge dafür auf; in den Briefen, die er mit
seinem Verleger wechselt, bildet die Klage über die Un-
zulänglichkeit derer, die ihn wiederzugeben hatten, eine
ständige Rubrik.

Keller und Reiner haben ihre Ludwig Richter-Aus-
stellung in eine Biedermeiereinrichtung hineingesetzt.
Schlimmes Zeichen das. Die „Journalisten" gestanden
in dem Moment ihr Alter, als die Theaterdirektoren
anfingen, sie in den Kostümen ihrer Zeit geben zu
wollen. Bei Keller und Reiner zeigt die Aufmachung
Ludwig Richters im Biedermeierstil vielleicht, dass der
Anfang vom Ende des Entzückens an Richter ein-
getreten ist.

Den Unterschied zeichnet dieses: ehemals fanden
wir, die Richterfreunde, dass eine Welt zwischen Lud-
wig Richter und Oscar Pletsch läge; heute sehen wir
die Zeichnungen Ludwig Richters schon fast so skep-
tisch an als wären sie Oscar Pletsche. Dann belehren frei-
lich Blätter wie „der Müllerin Verrat" eines Besseren. Von
einem rhythmischen Gefühl, das bewundernswert ist!
Einen nachhaltigeren Genuss bereitet uns Richter jetzt
immerhin mehr durch das, was er geschrieben hat als
durch das, was er zeichnete.

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