Kunst und Künstler: illustrierte Monatsschrift für bildende Kunst und Kunstgewerbe — 6.1908

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BRONZEWIDDER, IM MUSEUM ZU BRAUNSCHWEIG

TIERBRONZEN DER RENAISSANCE

VON

WILHELM BODL

ie Freude an der Darstellung
der Tiere hatte die italienische
Renaissance mit der Antike ge-
mein, von der sie dafür die
Anregung erhielt und nicht sel-
ten auch die Vorbilder nahm.
Die antiken Tierdarstellungen
begegnen uns in dem verschiedensten Material; die
Renaissance bildete dagegen ihre Tiere regelmässig
in Bronze. In den beiden grossen Gussstätten,
in Florenz und Padua, begegnen wir Darstellungen
von Tieren verschiedenster Art; aber das Tier
spielt in den plastischen Werken der Florentiner
eine ganz andere Rolle als bei den Paduanern. Die
Florentiner Bronzebilder verschmähen die Darstel-
lung des Tieres für sich, sie lassen es nur in den
Gruppen, in Beziehung zum Menschen gelten: beim

Reiter oder im Kampf zwischen Mensch und Tier.
Bertoldos Gruppen zeigen uns Pferde und Löwen von
einer Meisterschaft, wie sie ein Norditaliener nie-
mals gebildet hat. Die Pferdestudien Leonardos, von
denen uns Nachbildungen in kleinen Bronzen, sehr
wahrscheinlich aus norditalienischen Werkstätten,
erhalten sind, wurden nie übertreffen. Auch von
Michelangelo wissen wir, dass er die Bronze-
statuette eines Pferdes gefertigt, jedoch nur auf
Bestellung und gegen eigene Neigung. Darauf
beschränkten sich aber im Wesentlichen die Tier-
darstellungen der Florentiner Bildner der Renais-
sance, soweit uns bisher bekannt ist. Die Paduaner
lieben dagegen gerade die Wiedergabe des Tieres
für sich; selbst wenn sie es mit dem Menschen in
Beziehung bringen, pflegt das Tier ebenso bedeu-
tend oder gar die Hauptsache zu sein. Die Dar-

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