Kunstchronik: Wochenschrift für Kunst und Kunstgewerbe — 8.1873

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Das fiinfundzwanzigjährige Jubiläum des Künstlervereins Malkasten in Düsseldorf. — Korrespondenz.

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Lasitte und Conrad Hoff die Theilnahme aller Genossen
an der Fcstfreudc dcr Düsseldorfer aus, und Carl Hoff
dankte hierfür, iudem er besonders der Künstlerschaft
Wiens die lebhafte Anerkennung für ihre ächt dentsche
Gesiuuung aussprach und dcm Hauptvorstand der „Deut-
schen Kuust-Genossenschaft" daselbst ein Hoch weihte, in
das Alle jubelnd einstimmten. Professor Or. Roßmann
sprach nun im Namen des Lehrerkollegiums der Akademie
beherzigenswerthe Worte über die Anfgabe der Kunst in
unserer materiellen Zeit, und sein tief durchdachter, geist-
voller Vortrag*) weckte ein nachfühlendes Echo in mancher
Brust, was sich deutlich erkennen licß in der Begeistcrung,
mit welcher schließlich die Gläser auf die „ewige Jugend
der deutschen Knnst" geleert wurden. Für die außer-
ordentlichen Mitglieber des „Malkasten", die Nicht-
Künstlcr, hielt dann noch Advokat - Anwalt Dr. Blöm
einc schwungvolle Tischrede, und der Gesang cines vom
Mnsikdirekter Julius Tausch komponirtcn Festlicdes von
Camphausen, sowie eines Liedes nach der Melodie der
„Wacht am Rhcin" von Moritz Blanckarts bildctcn den
Schluß des fröhlichcn Mahles, bei welchem auch noch
mehrere Telegrammc verlesen wurden, unter denen be-
sonders dicjenigen der dcutschcn Kaiscrin, der schwedischen
Künstler in Stockholm und des Regierungsraths Alcxander
von Sybel in Straßburg freudige Aufnahme sanden.
Außer den bereits erwähntcn answärtigcn Gästcn waren
noch anwesend die Professoren Carl Becker, Gräf und
Sußmann - Hellborn aus Berlin, Bildhauer Heß aus
München, Malcr Hermann Becker aus Köln, Maler
Bär aus Frankfurt a. M., Professor Hagen aus Weimar,
Kupferstecher Vogel aus München und viele Andere,
dercn Erscheinen für das gcnosscnschaftlichc Zusammen-
halten der deutschen Künstler cin bercdtes Zeugniß war.
Erst spät trennte sich die Festversammlung, die aus
etwa vierhundert Personen bestand, um sich am Nach-
mittage des folgenden Tages bei gleich günstiger Wit-
terung auf's Neue hicr zu vereinigcn.

Diesmal sollte dcr Humor zu seinem vollen Rechte
gelangen, und gewiß ift diese Absicht auf's Schönste er-
reicht worden. Der ganze Jacobi'sche Garten bot das
Bild einer Kirmeß. An allen Ecken und Enden waren
Buden errichlct mit seltsamen Sehenswürdigkeitcn, die
meistens irgcnd eine Begebcnhcit odcr Modethorheit un-
serer Zeit auf geistvolle Weise geißelten. Da gab es
ein Raritäten- und WachSsiguren-Kabinet, cin Museum
für Alterthümer, ein Kricgsthcater, ein „OnWs Lollun^
PanA" u. dergl. mehr, was näher zu beschreiben hier
zu weit führen würde. Jn einem Kunstreiter - Circus
wurde Tresfliches geleistct, und cinc'Zigeunerbande, die
am Ende des Parks ein romantisches Lager aufgeschlagen
hatte, war wahrhaft überraschend durch die Aechtheit

') Wir lassen denselben unten solgen. Anm. d. Red.

ihrer Erscheinung. In einer Tombola wurden werth-
volle Skizzen und Zeichnungen unserer besten Künstler
ausgespielt und in einer Buchhändlerbude gab es interes-
sante Festerinnerungen zu kaufen, wie die treffliche Chronik
des „Malkasten", von Professor Camphausen meisterhaft
in mittelalterlichem Stil geschrieben und mit Jllustra-
tionen versehen, Karrikaturen, Theaterzettel nnd Anderes.
Vor Allem aber ist der „Jnternationale Salon" zu er-
wähnen, der in 67 Gemäldcn die geistvollste Travestie
von hervorragenden modernen Bildern aller Schulen bot,
dic sich denken läßt. Ein mit schlagendem Witz stets
das Richtigc treffender „Kritischer Katalog" lieferte dazu
die drastische Erklärung. Ein Besuch dieser Ansstellung
rcgte ebenso sehr zum ausgelassenen Lachen, wie zu
ernstem Nachdenken an. Die ausführenden Künstler hatten
mit Recht dcn Goethe'schen Spruch beherzigt: „Wer sich
nicht selbst zum Besten haben kann, der ist gewiß nicht
von Besten!" — Gegen Abend fand in dem kleincn Teich,
inmilten des Gartens, cin Schifferstechen statt, welches
durch die rüstigen Wettkämpfer und Matrosen in vier
bekränzten Gondeln, die am Ufer sitzenden Wassernixen,
den „Vater Rhein" mit der „Düsselnixe" und die zahl-
reicheu Zuschauergruppeu einen höchst malerischen Anblick
bot. Derselbe aber wurde durch das glänzende Feuer-
wcrk, das gegen Mitternacht abgebrannt wurde, noch
übcrtroffen. Die herrlichen Baumgruppen und Garten-
partieen gcwannen durch die magische Beleuchtung und
die verschiedenen Lichtwirkungen eine überraschende Groß-
artigkeit, und überall war der Ausdruck bewundernder
Anerkennung zu vernehmen, den auch Alle reichlich ver-
dienten, die sich um das unvergleichliche Gelingen dieses
Künstlerfestes bemüht haben. An viertausend Personen
aus Nähe und Ferne weilten bis zum anbrechenden
Morgen bei Musik und Tanz in fröhlichem Zusammen-
sem in deni schöncn Park, uni eine bleibende angenehme
Erinnernng mit von dannen zu nehmen.

Der Künstlerverein „Malkasten" darf nüt Befrie-
digung auf die Feier seines fünfundzwanzigjährigen Stis-
tungsfestes zurückscheu, das ihm eiue Bürgschaft sein
möge für ein ferneres blühendes Gedeihen in Frieden
Frohsinn und Eintracht!

Lorrrspoildriy.

Nürnberg, 27. Juni.

Wie in den beidcn letztverflossencn Jahren, hat der
Vorstand des germanischen Museums auch jetzt als Er-
gänzung der an sich schon so reichen kulturgeschichtlichen
Sammlungen für die Dauer einiger Wochen eine
in hohem Grade interessante Ausstellung von kunst-
gewerblichen, für diesen Zweck geliehenen Erzeugnissen
früherer Jahrhunderte veranstaltet. Das königliche
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