Kunstchronik: Wochenschrift für Kunst und Kunstgewerbe — 18.1883

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Vom Christmarkt.

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«nen Mittelpunkt durch eine oder mehrere Haupt-
figuren erhalten, welche bestimmte, für die Geschichte
der Stadt und des Dombaues bedeutende Personen
darzustellen hatten. Die Düsseldorfer Maler Fritz und
Ernst Röber, A. Baur, Beckmann und Camp-
h ausen entwarfen das nähere Programm und setzten das
Ganze mit dem besten Erfolge in Scene. Damit nnn ein
mit so hohem Aufgebot von materiellen rmd künstleri-
schen Kräften ins Leben gerufenes Schauspiel in dauern-
der Gestalt fortwirken möge und auch für diejenigen
nicht ganz verloren sei, die zwar mit Herz und Geist,
aber nicht mit dem Auge Anteil an demselben genom-
men, hatte es der Maler Tony Avenarius unter-
nommen, die einzelnen Gruppen,
ans denen sich der lange Zug
zusammensetzte, in einer Reihe
von Aguarellen wiederzugeben
nnd in Farbendruck zu publi-
ziren*). Dies verdienstvolle, dem
Kaiser Wilhelm gewidmete
Unternehmen, auf welches schon
bei dem Erscheinen der ersten
Lieserungen im vorigen Jahre
an dieser Stelle hingewiesen
wurde, ist jetzt in 29 Blättern
mit einer Bildfläche von je
56:21 orn vollständig er-
schienen. Abgesehen von deni
gegenständlichen Jnteresse, wel-
ches die trefflich ausgeführten
Farbendrucke insbesondere für
alle Teilnehmer an dem Feste,
die Mitspieler wie die Zu-
schauer, haben, besitzen sie einen
hohen Wert in ihrer Eigenschaft
als Kostümbilder, da die künstlerischen Regissenre
mit dem größten Fleiße bemüht gewesen sind, der
historischen Wahrheit gerecht zn werden und Rang
und Stand mit dem der Zeit entsprechenden Kleide
auszustatten. Auf Einzelnes hier näher einzugehen,
können wir uns um so eher ersparen, als die Dom-
bauseier und insbesondere der farbenprächtige, durch
den reichen Wechsel der Bilder entzückende Festzug
seinerzeit in den öffentlichen Blättern sehr eingehend
beschrieben worden ist.

Von dem Kölner Dombauseste zu den Festspielen
von Olympia ist zwar ein mehr als 2000jähriger
Rückschritt. Jndes schlägt zwischen beiden die Associa-
tion patriotischer Gedanken die Brücke. Am Rhein

Ails: Bötticher, „Olympia". (Springer.)

Histortscher Festzug, veranstaltet bet der Feier der
Vollendung des Kölner Domes am 16. Oktober 1880. Leipzig,
K. F. Köhler.

wie am Alpheios hat das neuerstandene deutsche Reich
einen glänzenden Triumph gefeiert nnd für hohe ideale
Ziele Opfer gebracht, die den nachlebenden Geschlechtern
unverloren sein werden. Mit patriotischer Genug-
thuung begrüßen wir daher ein Werk, welches zum
erstenmale dem Laienpublikum eincn klaren Einblick in
die mühselige Arbeit gewährt, welche auf griechischem
Boden ausgeführt wurde, um neues nnd wichtiges
Material zur Förderung der Erkenntnis des klassischen
Altertums ans Tageslicht zu ziehen. Wie der Titel:
Olympia, das Fest und seine Stätte nach den
Berichten der Alten und den Ergebnissen der
deutschen Ausgrabungen von Adolf Bötticher
(Berlin, Springer) erkennen
läßt, hat der Verfasser es nichl
blos darauf abgesehen, das
wiffenschaftliche Facit aus den
durch die Aufdeckung des olym-
pischen Festspielplatzes gewon-
nenen Funden zn ziehen, seine
Aufgabe vielmehr in einem
weiteren Sinne aufgefaßt, in-
sofern er auf das Wesen und
die Eigentümlichkeiten der na-
tionalen Festspiele eingeht, deren
Schauplatz die Thalebene von
Elis war. Das war ebenso
zweckdienlich wie notwendig,
wenn sein Buch die beabsichtigte
und vermutlich auch nicht aus-
bleibende Popularität gewinnen
svllte. Nach einer kurzen Ein-
leitung, welche sich im allge-
meinen über den ideellen Wert
und die wiffenschaftliche Be-
deutung des auf Anregung von Ernst Curtius niit
den Mitteln der Reichsregierung durchgeführten
Unternehmens ausspricht, geht er zu einer Beschrei-
bung der geographischen Lage Olympia's über, er-
zählt sodann die Geschichte des Untergangs und der
Wiederaufdeckung der berühmten Kultusstätte und schil-
dert in dem solgenden Abschnitte die Festfeier.selbst,
die verschiedenen Arten der Spiele und die darauf be-
züglichen Gewohnheiten nnd Einrichtungen unter Bei-
ziehung von Abbildungen bezüglicher Kunstdenkmäler.
Den weiteren Jnhalt des Buches bildet die Geschichte
Olympia's, soweit die Schriftquellen reichen, von den
ältesten Zeiten bis zu den Perserkriegen, und weiterhin
der Schicksale des Heiligtums unter der makadvnischen
und rvmischen Hcrrschaft. Jeder Zeitabschnitt erhält
seine Jllustration durch Abbildung der auf ihn be-
züglichen Fundstücke, die teils in Holzschnitt, teils in
Kupferstich ausgeführt sind. Außerdem dienen zur
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