Kunstchronik: Wochenschrift für Kunst und Kunstgewerbe — 18.1883

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18. Zahrgang.

Bciträge

die verlagshandlung in
Leipzig, Gartenstr. 6,
zu richten.

28. December

Nr. 1s.

Inserate

tt 25 j)f. für die drei
Mal gespaltene j)etit-
zeile werden von jeder
Buch- u.Runsthandlung
angenommen.

s882.

Veiblatt zur Zeitschrift für bildende Kunst.

Lrscheint von Mktober bis Iuli jede woche am Donnerstag, von Iuli bis ^eptember alle ^ Tage, für die Abonnenten der „Zeitschrift für
bildende Aunst" gratis; für sich allein bezogen kostet der )ahrgang 9 Mark sowohl ini Buchhandel als auch bei den deutschen

^snhalt: Das ^uermondt-Museunr in Aachen.— Runstlitteratur: Mothes, Dic Baukunst des Mittelalters in Italien.— publikation der Rasseler Galerie
in ^hotogravuren. — ^?eter^Gratz -j-. — Aunstgewerbliche Aonkurr^enz irr Berlin. ch'. Lippmann. -- Aasseler Amrstverein: Gierke'sche

Das Luermondt-Museum in Aachen.

Unserer alten Kaiserstadt Aachen ist unlängst ein
großes Gliick widerfahren: Herr Barthold Suer-
mondt hat ihr eine hochbedeutende Gemäldesammlung
alter und neuer Mcister geschenkt, zugleich mit dem
Versprechen, daß er, bekanntlich einer der ersten Kunst-
kenner und Sammler unsrer Zeit, sich des neuen städti-
scheu Museums, das fortan seiucu Namen führt, in
Rat und weiterer aktiver Fürsorge annehmen werde.

Wie auch diese Blätter schon berichtet haben,
schenkte Herr Suermondt vor etlichen Monaten der
Stadt Aachen 50 Gemälde älterer Meister und Paul
Meyerheims von der letzteu Pariser Weltausstellung her
bekanntes Bild „Die Wilden" als Keru für eiue an-
zulegende Galerie, resp. als Schmuck für das im Ent-
stehen begriffene städtische Museum von Gegenständen
der Kunst und des Kunsthandwerks.

Das Geschenk ward gemacht in traurig bewegter
Stunde, als eine Abschiedsgabe für die Stadt, darinnen
der Geber vier Dezennien gelebt und gewirkt hatte
und als ein Vermächtnis zu seiuem Angedenkeu. Herr
Suermondt sah sich in schwerer Krankheit dem Tode
nah. Angesichts einer Operation auf Leben uud Tod
bot der geniale, energische Manu und glühende Kuust-
freund alle seine Kräfte auf, seinen Willen noch Per-
svnlich uud zwar in einer des Wertes der Gabe wür-
digen Form ins Werk zu setzen. Jn dem schvuen
Oberlichtsaale seines städtischen Hauses, den er für die
nach Berlin gekommene Sammlung hatte errichten
lassen, ließ er alle zum Geschenk bestimmten Bilder
vereinigen und übergab sie dem Oberbürgernwister von

Aachen, Herrn von Weise nnd deu berufenen Museums-
mitgliedern.

Der Dank der Stadt für das großartige Geschenk
war die Verleihung des Ehrenbürgerrechts. Zugleich
wurde Herr Suermondt zum lebenslänglichen Ehren-
konservator des Museums ernannt. Die Ehre, die
man ihm entgegentrug, und die Art und Weise, wie die
Stadt bei dieser Gelegenheit ihren in jeder Beziehung
hervorragenden Bürger würdigte, bestimmte den Ge-
nesenden sogleich, in Wahrheit „das Gebäude zu krönen".
Gewohnt, stets ins Große zu wirkeu, schenkte er nun
statt einer Anzahl von Kunstwerken gleich eine sörm-
liche Gemäldegalerie. Zu jenen geuannten Bilderu
sicherte er der Stadt testamentarisch noch 60 andere,
von denen er 53 sogleich zur Verfügung stellte.

Der neue Dank der Stadtverordnetenversammlung
dasür ist, daß fortan das städtische, so aus seinen An-
fängen plötzlich zur Bedeutung erhobene Museum
„Suermondt-Museum" heißen soll: der schönen That
damit für die kommenden Zeiten der bleibende Ruhm.
Und wo in diesem Geist des Dichters Wort gilt:

Von des Lebens Gütern allen
Jst der Ruhm das höchste doch. ..

da wird für die Jahrhunderte zur Dauer Großes ge-
schaffen.

Wie schon bemerkt, fügte Herr Suermoudt zu den
Gemälden noch das Versprechen, des weiteren sür das
Museum nicht blos als Berater, sondern auch als
Sammler einzutreten. Wer ihn leunt, weiß, was dies
Wort wiegt. Die Leser dieser Zeitschrift braucht man
schwerlich daran zu erinnern, daß Herr Suermondt
der Sammler der berühmteu, 1874 vom Staat sür
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