Kunstchronik: Wochenschrift für Kunst und Kunstgewerbe — 18.1883

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Nekrologe.

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hatte, zuzuschreiben; tvenn auch nicht sv augensällig,
so umnittelbar einwirkend, so war dvch Rubens' klassischc
Jugendbildung, sein jahrelanger Aufenthalt in der
klassischcn Atmoshhäre Jtaliens, die Behcrrschung dcr
lateinischen Sprache und Litteratur, der fortwährendc
Verkehr mit den bedeutendsten Gelehrten — wir ncnnen
nur Gevaerts, Peiresc und Dupuy, — das dadurch
angeregte wissenschaftliche Studium des Altertums nach
archäologischer und philvlogischer Richtnng Vvn noch
mehr bestimmendem Einfluß auf die Richtung seines
Wesens, das sich in jene Welt so hineingelcbt hatte,
daß es dieselbe nicht als Gegenstand antiguarischer
Forschung, sondern als die Atmosphäre betrachtete, in
der es wirkte nnd lebte.

Wie nun der Verfasser, nnchdein er dic Faktorcn,
aus dcnen sich Rnbens' Verhältnis zur Antike zusammen-
setzt, aufgezeigt und ihren größeren oder geringeren Ein-
flnß auf seine künstlerische Jndividualität festgestellt hat,
auf die Entstehungsgeschichte jener seiner Schöpfungen
eingeht, in denen sich dasselbe manifestirt, wie er so-
dann in vortrefflicher Anordnung alle mit der Antike
irgend im Zusammenhang stehenden Kompositionen des
Meisters der Reihe nach einer eingehenden Analyse
unterzieht, das hier weiter zu verfolgen verbietet dcr
engbemessene Raum, und wir müssen dasür auf das
Studium des Buches selbst verweisen, das die aufge-
wandte Mühe reichlich lohnt.

Jm Anhange finden wir den Wiederabdruck der
Abhandlung von Rubens Oo iwitntiono stg.tng.rnm
und seines Briefes an Franciscus Junius über die
Malerei der Alten (1637), sowie ein Verzeichnis sämt-
licher antiken Kompositionen des Meisters nach Gegen-
stand, Art, gegenwärtigem Besitzer und Stecher. Unter
den sechs Lichtdrucktaseln, die dem schön ausgestatteten
Bande beigegeben sind, befinden sich auch die durch die
Auktion von Hamilton Palace genauer bekannt ge-
wordenen und hier zuerst publizirten beiden Komposi-
tionen: „Die Geburt der Venus", eine Grisaille in
Ovalform, als Entwurf für eine Silberschüssel und das
kleine, leider stark mitgenommene Ölbild: „Die Lieb-
schaften der Centauren", eine der wunderbarsten Kom-
positionen des Meisters. C. v. Fabnczy.

K. L. Oberbaurat Mithof in Hannover hat soeben eine
zweite, verbesserte und bedeutend vermehrte Ausgabe seines
Werkes „Mittelalterliche Künstler und Werkmeister Nieder-
Sachsens und Westfalens" nebst Nachweisung ihrer Werke
herausgegeben.

il. 8. Von dcm Sammclwerkc „Villcn nnd vandhäuscr"
(Verlag von Ernst Wasmuth in Berlin), welches wir früher
bereits angezeigt, sind zwei nsue Hefte mit zusammen 20 Blatt
erschienen, welche ebensoviele Landhäuser in praktischer,
leicht verständlicher Darstellung zur Anschauung bringen. Die
einzelnen Villen find überaus mannigfaltig nach Stil, Konzep-
tion und Behandlung und gewähren Bauherren wieArchitekten
mannigfache Anregungen.

Nekrologe.

Bernhard Grueber, der nach knrzcm aber schwerem
Leiden am 12. Oktober zu München verschied, wohin
cr sich bci scinem Rücktritt von der Professur der Archi-
tel'tur an der Akademie der bildendcn Künstc zu Prag
im Jahre 1874 zurückgezogcn hatte, war am 27. März
1806 zu Donauwörth geboren. Nachdem er die
Gymnasialstudien in München absolvirt und dvrt dcn
Grnnd zu seiner vielseitigen wisscnschaftlichen Bildnng
gelegt hatte, widmete er sich, seiner Neigung folgend,
an der Akademie ebendaselbst zuerst der Malerei, bald
aber der Architektur, der er hinfort sein ganzes Leben
treu blieb. Seine erste praktische Verwendung fand
Grueber nnter Ohlmüller seit 1830 beim Bau der
Frauenkirche in der Vorstadt Au, übernahm dann bald
die Leitung der Vorarbeiten für die Restanrirnng des
Doms zu Regensburg, die er jedoch in knrzem wegen
eines.Gehörleidens, das er sich durch heftige Erkältung
in seiner amtlichen Wirksamkeit zugezogen hatte, und
das ihn auch zeitlebens nicht wieder verließ, mit einer
Lehrerstelle an der Gewerbeschule ebendaselbst zu ver-
tauschen gezwungen war. Während des 11jährigen
Zeitraums (1833—1844), wo er in diesem Berufe
wirkte, trat er schon wiederholt mit litterarischen
Leistungen hervor. Seine Erstlingsarbeit war cin
Programm über „Die künstlichen Gewerbe in ihrcr
Ausübung durch Handwerker und Fabrikanten", worin
er als einer der ersten auf den Zusammenhang zwischen
Kunst und Handwerk hinwies. Sodann legte er die
Frucht zweier Studienreisen nach Jtalien in den Jahren
1834 und 1837 in seinen „Vergleichende Sammlnngen
für christlich-mittelalterliche Baukunst" (2 Bände mit
100 lithogrnphirtcn Tafeln, Augsburg 1839—1841)
nieder, einem Werke, dem nicht geringer Einfluß
auf die Wiederbelebung der Gotik in Deutschland zu-
zuschreiben ist. Andere Resultate seiner Studien an
den Monumenten seiner nächsten Umgebung waren die
Monographien über den „Dom zu Regensburg" und
die „Walhalla" (1844). Anspruchsloseren Charakters,
doch bezeichnend für die rastlose Thätigkeit und die
Vielseitigkeit Gruebers sind seine selbstillustrirten Reise-
werke: „Donaupanorama von Ulm bis Wien", „Er-
innerungsblätter an Regensburg" und der „Bayerische
Wald" (1844—1846). Jnzwischen hatte sich dem
Meister durch einen Anftrag des Fürsten Salm zu
dem Bau eines Prachtsaals, in dessen Palais zu Prag
Gelegenheit geboten, seine Befähigung als schaffender
Künstler zu bewähren (1842), und infolge davon hatte cr
1844 die Berufung als Professor der Architektur an die
Akademie zu Prag erhalten. Jn seiner neuen Stellung
nun war ihni nicht nur gegönnt, seine bedeutenden
theoretischen Kenntnisse und sein überaus anregendes
Lehrtalent zur Geltnng zu bringen; es eröffnete sich
ihm auch eine weitverzweigte praktische Wirksamkeit
auf dem Felde profaner und kirchlicher Baukunst. Als
einige seiner Hauptwerke seien hier nur genannt: das
Schulgebäude zu Tetschen (1846), das freiherrlich
Aerenthalsche Palais zu Prag (1848), die gotische
Kirche zu Turnau (1850), Schloß Blatna (1855),
Schloß Groß-Skal und die Südfront des Rathauses
zu Prag (1857). Außsrdem lieferte er die Pläne zu
den Schloßbauten in Worlik und Sichrov nnd leitete
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