Kunstchronik: Wochenschrift für Kunst und Kunstgewerbe — 18.1883

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k«. Iahrgang.
Beiträge

sind an ssrof. Dr. L. non
Lützow (Vien, Ttzere-
sianunigasse 25) oder an
die Verlagshandlung in
Leipzig, Gartenstr. 6,
zu richten.

3. Atai

Nr. 29.
Jnserate

ü 25 ssf. für die drei
Mal gespaltene j)etit-
zeile werden von jeder

s883.

Beiblatt zur Zeitschrift für bildende Kunst.

Lrscheint von Oktober bis Iuli jede woche am Donnerstag, von Iuli bis September alle Tage, für die Abonnenten der ,,Zeitschrift für
bildende Runst" gratis; fnr sich allein bezogen kostet der Iahrgang 9 Mark sowohl im vuchhandel als auch bei den deutschen

Inbalt: Die inalerische Ausschmückung der neuen Museen in Vien. — Aosenbcrg, M., Alte kuirstgewerbliche Arbeiten auf der Badischen
Aunst- und Aunstgewerbe-Ausstellung zu Aarlsrube 1s88( ; Allgemeines bistorisches portraitwerk. — Franz v. Seitz -f; I. Iacometti -f. —
Aonkurrenzausscheeiben des vereins zur Lörderung des Aunstgewerbes in Braunschweig. — S. L'Alleinand; Tanon; v. Lützow; Graf
Vimpffen. — Münchener Aunstverein; Aus Münchener Auustwerkstätten und Aunstsalons; Betrospektive Z?ortraitausstellung in j?aris. —
Beue Ausgrabungen in jDergamon; Friedrich Amerling; Der Umbau der Berliner Gemäldegalerie; Der Zlusbau der Llorentiner Dom-
fafsade. — Lrankfurter Aunstauktion; Auktion Vibiral; versteigerung der Gemäldesammlung des Fürsten Barischkine. — Neuigkeiten
des Buch- und Aunsthandels. — Aeitschriften. — Inserate.

Die malerischc Ausschmückung der neuen Museen
in Wien.

sll Die monumenlalen Neubauten Wiens werden
binnen wenigen Jahren eine Grnppc von einziger
Schvnheit nnd Grvßartigkeit im Siiden nnd Westen
der Stadt bilden. Einzelncs steht fertig da, andcres
geht seiner Vollendung entgegen. Der Justizpalast von
Wielemans ist seit 1881 der Benützung übergeben,
Schmidts Rathaus steht zum Teil im Gebrauch; im
Äußeren vollendet — bis anf die noch immer in Frage
stehende Polychromie — ist Hansens Parlaments-
haus, und von Ferstels Universität wird bald das-
selbe gesagt werden können; weit vorgeschritten sind
auch Hasenauers Hoftheater nnd die beiden Hof-
museen. An letzteren ist die Architektnr so gut wie
vollendet, so daß man schon eifrig auf die Ausschmückung
der Jnnenräume bedacht ist, wenngleich bis zum Übcr-
tragen der Sammlnngen aus ihren alten, wenig
passenden und engen Anfbewahrnngsortcn in die nenen,
weiten Räume nnd bis znr Eröffnung derselben noch
mancher Monat, vielleicht noch manches Jahr ver-
streichen dürfte.

Die malerische Ausschmückung der Musecn ist in
großartigem Maßstabe geplant. Namentlich sind es
die Treppenhäuser beider Monumentalbauten, für deren
Decken und Schildbögen große Gemälde bestimmt sind.
Die Ausführung derselben ist für das kunsthistorische
Museum an Hans Makart übertragen, fnr das natur-
historische Museum an Canon. Eine Reihe von
Bildern für das Hochparterre des letztgenannten Ge-

bändes ist an verschicdcne österreichischc Künstlcr vcr-
tcilt, welche wir weiter nnten aufzählen wcrden.

Die grvße Aufgabe, welche Makart zutcil ge-
worden ist, hat der Maler bercits in Angriff genommen.
Wir finden in seinein Atelier zunächst die koloristisch
viclversprcchende Skizze für das große Deckengemälde
des Treppenhauses. Apothcose der Knnst ist im all-
gemeincn der Gedanke, Ivelchcr hier zum Ansdrnck
kommen soll. Helios auf einem von vier Rossen nach
links im Bilde gezogenen Wagen wird in der Mitte
erblickt. Boran schweben Luna und Amor. Nach links
unten entflieht die Nacht, begleitet von den allegori-
schen Figuren der Laster, während rechts die Tugenden,
mehrere nacktc iveibliche Gcstalten, ins helle Licht
cmportaiichen. Jm wolkenerfüllten Hintergrnnde ist
der Tierkreis sichtbar. Für die Aussührung des Riesen-
gemäldes selbst mnß Makart sein Atclier verlassen.
Er wird (wie verlautet) einen der großen Säle im
Nenban des KünstlerhanseS benntzen. Jn den Bildern
für die Schildbögen, welche in die Hohlkehle der Deckc
des Treppenhauses einschneiden, sollen die hervorragend-
stcn Malerschnlen dnrch charakteristische Gestalten znr
Darstellnng kommen; in den elwas größeren Lünctten-
bildern in der Mitte der beiden Langseiten werden
alkegorische Figuren Platz finden. Makart hat fast
schon die ganze Reihe der Lünettenbilder vollendet.
Lionardo, Michelangelo, Raffael, Dürer, Hvlbein,
Tizian, Ribera, Velazguez, Rnbens, stiembrandt sind
weit überlebensgroß in den zehn kleineren Lünetten
dargestellt, zum Teil mit bezeichnenden Fignren aus
den Sck'öpfniigcn der genannten Meister (z. B. Michcl-
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