Kunstchronik: Wochenschrift für Kunst und Kunstgewerbe — 18.1883

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Aus den Haager Archiven.

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Fond sitzen vier große ovale Medaillons, in denen die
allegorischen Gestalten dcr „Gcfühle" in der Tracht des
17. Jahrhunderts stehen. Jm Hintergrunde sind italie-
nische Landschaften sichtbar. Die Jnschristen an den
Medaillons sind dänisch. Die Zeichnung ist slott und
im Nenaissancestil ausgeführt.

Zmn Schlnß folgten allerhand Plattsticharbeiten
des 18. Jahrhunderts und unter diesen das Vollendetste
und Seltenste dieser Kunst, eine wirkliche Nadelmalerei,
welche sich leider nur in mehreren Fragmenten erhalten
hat. Die Arbeit ist unvollendet und war sür eine
Tastete bestimmt. Das Prachtstück stellt in bunter Seidc
einen rvmischcn Trinmphator dar, rcchts neben ihm
die den Lorbeer spendende Viktoria, links unten die die
Thaten aufzeichnende Geschichte. L. L.

Aus den Haager Archiven.
von A. Bredius.

XII.

C. A. Renesse.

Wenn es anch nicht viel ist, was ich über diesen
Rembrandt-Schüler fand, ist es doch der Mühe wert,
hier vervffentlicht zu werden. Der Erste, welcher etwas
ausführlicher vvn Renesse spricht, ist Vosmaer in seinem
„Rembrandt" (S. 295). Jch muß dem verehrten Ver-
fasser aber widersprechen, wenn er sagt: l-s X xsnt
xrovsnir äs vull, und behauptet, Renesse's Zeichnungen
seien nur mit 0. bezeichnet. Auch kenne ich schon
eine Zeichnung in der Albertina von ihm, bezeichnet:
6. V. KsllSWs invslltor st tsoit 1633.^) Diese
schwache Zeichung, wohl aus des Meisters Jugend, hat
noch gar keine Spur von Rembrandtschem Einfluß. Sie
stellt zwei Verurteilte dar (Kriegsgefangene?), die um
Gnade flehen. Kreide auf Pergament.

Eine zwtzite ähnliche Zeichnung in der Albertina
stellt eine Lagerscene dar. Ein Gefangener, an einen
Pfahl gebunden, wird erschossen. Dieses Blatt ist
besser, kräftiger gezeichnet. Bez.: 0. iL. Ksllssss invsntor
1642. Die beiden Zeichnungen machen den Eindruck,
als seien sie nach dem Leben gemacht, als habe der
Zeichner das rohe Kriegsleben persönlich gekannt.

Renesse war wahrscheinlich mehr Liebhaber als
KUnstler von Profession. Er gehörte einer ansehnlichen
Utrcchter Familie an; und es scheint, daß viele von
Renesse's Werken von derselben aufbewahrt wurden.
Vosmaer kommt das Verdienst zu, bewiesen zu haben,
daß das große Familienbildnis, auf dem der Meister
sich selbst gemalt hat, und welches noch bis vor kurzem
in der Galerie Czernin in Wien als Rembrandt hing,

*) Vosmaer sagt nämlich: Uss äatss äs ses venvres ss
trouvent sntre 1K49 st 69.

von Renesse ist. Jch fand dieses bestätigt in dem nach-
folgenden Jnventar, das ich in dem L.roliisl äsr Vt'ss8
sll Nomboirleuillsrs fand und welches ich hier ab-
schristlich mitteile:

Invsllturis vrin OonstnlltM llneol» vnn Usnssss,
iLävolrnat, ovsrlsäsn in äsn I1:mA 1781.

Lsll bsrAUslitiA lulläsobup mst bssläzss äoor
I'osIslllmrA.

blsll bosrslltumilis int Zslieä usn äs tnksl äoor
ä. 8tssn.

Uraais lulläsoliup mst ssn snZsr, vronvv sn
Irilläsrsn äoor Nistsns.

Usll butaills äoor U. VsrsolinrillA. blsll äito.

Usll vrouv, äis barir rslvs ^oslrt omt Isvsn ts
brsllgsn äoor van äsr Vilät.

Usll ouä muu lsvsnsAroot, rittsnäs ts lsrsn
mst ssn bril op äs neus. voor 0. Iisllss86, op äoslr.

ä'vss 1ullä8olis.psss äoor I). VsrtunASll, op Xopsr.

Usll lunäsolinp mst ssll Xustssl big ssn rivisr
äoor U. Lollsö. Op punssl.

Usll blosmstulr äoor Uuriu Oostsrliollt. (Wohl
Oostsrvisolr.)

8p^8iZillZIi ill äs vosstisns äoor äs Wst.

Usll lalläsoliap äoor Olltliniss, op pullsel.

blen kumilisstlllr, vsrbssläslläs ssn Oouosrt
vun rssvs lisklislibsrs, vs.g.ronäsr liet pollrtruit vsr-
bsslä mot ssll tsslrsnpsn in äs Imllä, äoor V. Rsnssss,
ksoit 1651. (Das Czerninsche Bild. Jch vermute, daß
es auch 6. X. bezeichnet gewesen ist: bei einer ordentlichen
Reinigung des Bildes würde man gewiß Spuren der
früheren Bezeichnung wiederfinden; vielleicht ist dieselbe
bloß übermalt.)

Ilsll to bsä IsMSlläs vrollv äoor ?. 0nu8t.

Imnä8olis.p mst liks^tsll äoor Lsrolism.

Usll Irllislslläs vronv mst ssn trroon opZsrist
6N2 äoor ?. Uorll 1641.

TssIrsllillASn.

Hsll sollAsIinZ8pOllrtrg.it mst rooä Irrist sn
potlooä Astsslrsllä X. UsllSWs k. 1669. (Vergl. van
Ilislläsll sn van äsr WilliAsn. I, S. 298.)

Lsll mgll ox nisll 8tllässrbLmsr bis list virur
rittsnä, äoor 0. 7L. Ksus88s.

Usll äoot8lioolä op ssn tgksl mst ssniAS boslisn
äoor 0. V. UsllS886. 1640.

Usll tssLsninA mst xotlooä. 0. Ksns88s lsoit 1669.

Visr Xoopsrs ärulrplgtsn in 80vrt.

ZIsvsn äito Irlsinäsr. (Also 11 Stück im ganzen.)
Jch glaube, daß es kaum mehr als 11 oder 12 Radi-
rungen giebt, die man dem Renesse sicher zuschreibt.

Tvss tssksniiiASll in rrvgrts lis^tsn wst Alg.8
äggrvoor vgn V. U.6llS88s.

II6 Vgpsll8 vgll Ü.6N6886 Sll Orgbbs ill ssn
rnvgrts lisst.
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