Kunstchronik: Wochenschrift für Kunst und Kunstgewerbe — 19.1884

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19- ^ahrgang.

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Beiträge

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tützow (Wien, There-
fianunigasse 25) oder an
die Verlagshandlung in
^ipzig, Gartenstr. 6,
zu richten.

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Veiblatt zur Zeitschrift für bildende Kunst.

^rscheint von Vktober bis Ende Iuni jede woche am Donnerstag, oon Iuli bis Gnde September alle Tage, für die Abonnenten der „Aeitschrift
für bildende Runst" gratis; für sich allein bezogen kostet der Iahrgang 9 Mark sowohl im Buchhandel als auch bei den deutschen

und österreichischen j)ostanstalten.


Das Aunstbudget Otaliens.

Rom, 4. Januar 1884.

ck. bl. Es ist im allgemeinon wenig bekannt, welche
enormen Sumnien Jtalien auf die Erhaltung seines
Kunstpatrimoniums jährlich vcrwendet. Jm Gegen-
teile wird im Auslande häufig viel gelärmt darüber,
daß die italienische Regierung ihre Kunstschätze an-
geblich vernachlässige und denselben nicht die Fürsorge
nngedeihen lasse, welche dieselben verdienen. Ein Blick
nuf das italienische Budget genügt, um diese Anklagen
tvenigstens zum Teil zu entkräften, wenn man den un-
geheuren Reichtum berücksichtigt, den Jtalien an Alter-
tüinern, Kunstschützen rc. besitzt.

Jm Jahre 1883 verausgabte Jtalien als jähr-
tiche Summe für die Verwaltnng seines Kunstpatri-
wvniums nicht weniger als 3 533 060 Lire, 45 Cent.,
Zu der noch ein Nachkredit von 256 000 Lire zu
vechnen ist, welcher wegen der Unzulänglichkeit der
obenerwähnten Sunime in das Budget eingestellt werden
'Niißte.

Jnteressant ist die Berteilung dieser Sunimen auf die
berschiodenen Zwcige der Generalverwaltung des Staats,
!o weit sich dieselbe anf die Kunst, Altertümer u. s. w.
^ezieht. Die Besoldung dcs Personals dcr Mnsccn,
^er Nationaldenkmäler und der Ansgrabungen beläuft
^ich auf 655 291 Lire, >0. Auf die Erhaltung der
Museen, der Pinakotheken, Galericn, Erwcrbungen ver-
wendete man im Jahre 316273 Lire. Die Aus-
grabungen und die Jnstandhaltnng vffcntlicher Denk-
'uäler erforderte die Snmme von 809 099 Lire, 37.
Für den Dom von Mailand wurden ferner wie jcdes

Jahr 122 800 Lire verausgabt. Mit dem Eintritts-
gelde, welches bekanntlich seit mehreren Jahren in den
staatlichen Mnseen erhoben wird, bcstritt man An-
känfe rc. für die Musccn im Betrage vvn 268 610Lire, 29.
Die Unkosten für die Kunstakademien belicfen sich auf
574 588 Lire, 29, sllrGehälter, Lokale rc.; für Stipendien,
Subsidien rc. noch extra auf 305 883 Lire, 35. Die
noch restirende Summe von einer halben Million, um
die obenangegebene jährliche fixe Ausgabe von 3 Mill.
zu vervollständigen, verwandte die Regierung auf die
verschiedenen Jnstitute musikalischer Natur.

Von der außerordentlichen Ausgabe von 256 000
Lire, welche dic Regierung 1883 sür die Kunst veraus-
gabte, entfallen: 57 000 Lire auf die Restaurirung des
Dogenpalastcs in Venedig; 6000 Lire auf die Kunst-
akademie in Rom; 15 000 Lire auf die römischen Aus-
grabungen (Forum Romanum) und Reparaturen in
den verschiedenen Museen; 28 000 Lire nuf die Siche-
rung, Ausstellung :c. der bei der Tibcrrcgulirung im
Bette des Flusses und im User aufgefundeneit antiken
Gegenstände,Malereien rc. (Museo Tibcrino); 20 000Lire
auf das knnstgewerblicheMuseum in Neapel; 30 000 Lire
auf die Kunstakademie ebendaselbst, und schließlich
100 000 Lire auf die Jsolirnng des Pantheons in Rom,
wclche mehr als cine halbe Million kostete. Diescr
Betrag wurde jedoch von der Kammer auf mehrcre
Budgetjahre verteilt.

Für das soeben begonnene Jahr 1884 hat das
Parlament noch größere Bewilligungen gemacht. Einst-
weilen sind dieselben nur für das erste Semester in
das Bndget cingestellt, wcil das RechnungSjahr dnrch
einen Parlamcntsbeschlnß vom vorigen Jahre auf den
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