Kunstchronik: Wochenschrift für Kunst und Kunstgewerbe — 19.1884

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Die Ausstellung von Kunstwerken aus Privatbesitz in Dresden,

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W. Amberg, Karl Becker (Karnevalfest beim Dogen
von Venedig), A. Begas, F. Bellermann, Bennc-
witz Vvn Loefen, G. Biermann, E. Bracht, C.
Breitbach, Douzette, Ehrentraut, H. Eschke,
W. Gentz.Graef, Gude, Graf Harrach, Hcrtel,
O. Heydcn, v. Kameke, Körner, Carl Lndwig
(früher in Stuttgart), Meyer von Bremen, Ockel,
Pape, Paulsen (Bildnis des Großherzogs von Meck-
lenburg-Schwerin), Plvckhorst, A. v. W ern er (Moltke
vor Sedan) und Fritz Werner mit vorwiegend tüch-
tigen Arbeiten anwesend sind, wenngleich keiner von
ihnen etwas wesentlich Nenes zu sagen weiß. Wir
sehcn dagegen mit Freuden auch in diesem Jahre, daß
sich eine stattliche Zahl von jungen, glllcklich aus-
strebenden Talenten imincr höher emporarbeitet und
immer mehr Terrain in ciner ganz bestimmten, gesund-
realistischen Richtung gewinnt. Wir nennen hier nnr
Vvrläufig die Namen Fedor Encke, Conrad Fehr,
Dammeier, R. Friese, N. Geiger, Henseler,
Hochhaus, G. Koch, K. Lessing, Röchliug,
Saltzmann und Schlabitz. Freilich können sie sich
noch nicht ihren Münchener Gcnossen aus der glcichen
Generation ebenbürtig an die Seite stellen. Aber man
darf sich doch der Ansänge mit hoffnungsvollem Herzen
freuen. Die Miinchcncr sind übrigcnS in einer äußerst
stattlichen und zum Teit auch imponirenden Kolonne
angerllckt. Außer den schon genannten Schmid und
Räuber sinden wir Baisch, Berninger, Brandt,
Defregger, Dill, Gabl, Gebler, Grützner,
Harburger, Hellguist, Hvcker, Holmberg, Jako-
bides, F. A. Kaulbach, Mali, Claus Meycr
(„Rauchkollegiunnsi ein Kapitalstück), Schönleber,
K. Seitz, F. v. Uhde, F. Vvltz und Wenglein —
neben den bewährten alten Kräften also ziemlich alle,
die durch dic vvrjährige Ausstellung zu Ansehen ge-
langt sind. Düsseldors ist nicht minder zahlreich ver-
tretcn; aber die Autorität der Schule wird künstlerisch
eigcntlich uur durch zwei Namen nach Gebühr unter-
stützt, durch Oswald Achcnbach (Straße in Neapel)
und Chr. L. Bvkelmann, dessen „Spielbank in
Monte Carlv" freilich weuiger als Kompvsition
denn um der interessanten und geistvoll durchgeführ-
ten Details willen seffelt. Jn München hat auch
Riefstahl gegenwärtig scinen Aufenthalt genommen.
Seine „Glaubensboten in den rhätischen Alpen", Ivelche
einem heidnischen Pfcrdeopfer hindernd eutgegentreten,
können sich mit den großartigsten Konipvsitionen niessen,
die wir dem Meister verdanken. Einer bizarren Phan-
tasie Böcklins, dem „Kampfe eines Kentauren mit
einer Frau", hält gliicklicherwcise cine von erhabencr
Pvesie erfüllte Gebirgslandschaft mit dem gefeffelten
Promethcus dic Wage. Endlich sind noch aus Karls-
ruhe das Bildnis dcr Erbgroßhcrzogin von Oldenburg

mit ihrer Tochter von F. Keller und einige sehr an-
sprechende Landschaften von Friedrich Kallmvrgen
zu crwähnen. Auch im Bereiche der Plastik lernen
wir einige junge Talente — wir nennen hier nur
Max Baumbach, N. Geiger (auch Maler), Arthur
Vvlkniann und Ernst Waegener — kennen, die uns
ebenfalls durch srvhe Hoffnungen über manches Unbe-
friedigende in der Gegenwart hinwegtäuschen.

Adols Üiosenbecg.

Die Ausstellung von Aunstwerken aus P>rivat-
besitz in Dresden.

0. O. Während es iu Dresden jährlich bitterer
empfunden wird, daß die Tage, da mit Semper und
Bendemann, Schwind und Hübner, Rietschet und
Hähnel ein lebensfrisches Künstlertum und freudiger
Schaffensdrang an der Elbe einzvgen, weiter und
weitcr verschwindcn, da nun wieder der Tod einen
jener großen Namen aus der schon so arg gelichte-
tcn Reihe nnscrer Altmeister strich; während ein gewisser
Zug trauernder Resignation durch die Herzen aller
ernsten Freunde unseres Kunstlebens geht, hat Archi-
tekt Hauschild, selbst eincr der geschmackvollsten
und kunstverständigsten Sammler, in Gemeinschaft mit
seinen Sinnesgenoffen Kvmmerzienrat Pilz und Ge-
heimrat von Craushaar selbständig ein Werk ge-
schaffen, mit dcm er jenem WUnschen und Wollen
unbercchenbare Fördernng bereitete: die Ausstellung
von Kunstwerken aus Privatbesitz. Es ist dies nicht
die erste ihrer Art, keineswegs die größte, aber viel-
leicht die anmutigste, die iu neuerer Zeit veranstaltet
worden ist. Sie ist geradezu berufen, Dresdens schwer
beschädigten Ruf als Kunststadt, wenigstens nach einer
Richtuug hin, glänzend zu rehabilitiren, nämlich als
Markt sllr hervorragende Kunstwerke.

Die 350 Bilder und 20 Skulpturwerke, welche
hier zusammeukamen, bilden sreilich keineswegs die
Summe der im Dresdener Privajbesitz vorhandenen.
Unsere beiden vornehmsten Privatgalerien sind nur mit
wenigem oder gar nur mit Kleinigkciten vertreten; zahl-
reiche wertvolle Anmeldungen mußtcn wegen Ranm-
mangels unberücksichtigt bleiben. Sie gebcn aber
ein glänzendes Bild von dem Geschmack und dem
Reichtum der Dresdener Käuser. Denn es ist nur
sehr wenig Mittelgut, kein fades Sensationsstück
uuter den Bitdwerken, dagegen cine svlche Fttlle des
Meistcrhaften in dcn fünf von Hauschild auf das an-
sprechendste dekorirten Räumen zusammciigebracht, daß
man überall die reinste Freude, jene wohlige Empfin-
dung hat, wie bci dem Durchwandcrn der Säle eines
mit sürstlichen Mitteln ausgestatteten Privathauses,
dem Besitztuni eines Manncs, der zwar nicht nach
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