Kunstchronik: Wochenschrift für Kunst und Kunstgewerbe — 19.1884

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19- Iahrgang.

Beiträge

sind an j)rof. Dr. C. von
kützow (wien, There-
sianumgasse25) oderan
die verlagshandlung in
teipzig, Gartenstr. 8,
zu richten.

8. Alai

Nr. 50.
Inserate

ü 25 ssf. für die drei
Mal gespaltene L)etit-
zeile werden von jeder
Buch- u. Runsthandlung
angenonimcn

s884-

Veiblatt zur Zeitschrift für bildende Kunst.

Erscheint von Vktober bis Lnde Iuni jede woche am Donnerstag, oon Iuli bis Lnde September alle ^ Tage, für die Abonnenten der „Zeitschrift
für bildende Runst" gratis; für stch allein bezogen kostet der Iahrgang 9 Mark sowohl im Buchhandel als auch bei den deutschen

und österreichischen j)ostanstalten.

Lriedrich, Die altdeutschen Gläser; Lnäel, 6o plunclres ä'orlevrerie. — Ausgrabungen auf der Akropolis von Tiryns. — Ausstel-
lung im Berliner Rünstlerverein; Villa Mbernier in Bonn. — Aus Aöln. — Zeitschriften. — Auktionskataloge. — Inserate.

Das Monograinm 5ürlins.

Jn Nr. 23 der Knnst-Chronik ist ein Aufscitz von
Diakonus Klenim*) über die beiden Sürlin besstrochen
und hierbei auch deren Meisterzeichen mitgeteilt, aber
offenbar unrichtig, was lcicht zu Mißverstäudnissen
sühren dürfte.

Das cinzige uns erhaltene Monogramm, nebst der
Zahl 1482 und dcm Namen „Jörg Syrlin" in Stein
cingchauen, findet sich am Marktbrunnen, sog. Fisch-
kasten in Ulm. Haßler hat in der achten Veröffent-
lichuug des Vereins für Kunst uud Altertum in Ulm
und Oberschwaben 1852 dicses Zeichen abgebildet, ebcnso
Thrcin in seiner Publikativn über den Brunnen und
zulctzt Klcmm in dem obeugenannten Aussatz. Paläo-
graphisch genau ist keine dieser Zeichnungen, wir haben
daher hier dieses Zeichen nochmals abgebildet auf
Grundlag e einer genauen Zeichnung an Ort und Stelle:

») Ulmer Münsterblätter, 3. Hest, IV83, S. 74 fs.

Ganz abweichend hiervon ist das in der Kunst-Chronik

mitgeteilte Zeichen

L

; der oberc Teil der Fignr

bildet keine 4, sondern einen Haken und steht nicht in
Berbindung mit dem horizontalen Strich.

Was nun die anderen von Klemm mitgeteilten
Zeichen anbelangt, so ist zu bemerken, daß sie alle
auf ünzuverlässige Quellcn znrückzuführen siud. So-
wohl Wollaib als die Marchthaler Chronik und Jäger
im Kunstblatt 1833 haben allerdings das Zeichen mit
dem Haken nach rechts gewendet, welches Klemm als
Varietät sür dcn jüngercn Sürlin in Anspruch nimmt,
doch darf man diesen späten handschriftlichen Auf-
zeichnungen nicht den Charakter einer Urkunde bei-
messen. Ebenso gewagt ist es, aus dem mehr oder
weniger gebogenen Haken vder den beiden sich kreuzen-
den Winkelhaken Schlüsse zu ziehen, so lange man
keine anderen, authentischeu, in Stein oder Holz ge-
grabenen Zeichen des jiingeren Sürlin kennt. Der-
selbe hat bekanntlich auf seinen Holzarbeiten immer
nur seinen vollen Nanien angegeben und bediente sich
keines Mvnogramms. Svll das Steinmetzzeichen seinen
Wert als Urhebermarke beibehalten, so muß es sich streng
von anderen Zeichen unterscheiden lassen, d. h. es darf
wohl nie das Spiegelbild eines anderen sein, und
wenn sich ein Zeichen aus den Sohn vcrerbt, so ge-
schieht dies dadurch, daß man irgend einen weiteren
Strich oder Haken beifügt. Beachtet man an Bauten
z. B. die vielfach sich wiederholenden Steinmetzzeichen,
so wird man finden, daß die Zeichen bald auf den
Kops gestellt, bald nach rechtS oder links gewendet vor-
kommen, das erklärt sich allerdings aus dem, ohne
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