Kunstchronik: Wochenschrift für Kunst und Kunstgewerbe — 19.1884

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Äuirstlitteratur.

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laßt sich r-ine gewisse Grvßartigkeit der Auffassung nicht
abstrciten.

Wisn. Th. Frimmel.

Aunstlitteratur.

o Ltorlu, Olrsttors 6uiäo Luroeoi — Dirs-
mons s Vnnuinmkrnrions: b'irsn/.s, Viu 8nnt'
Vppotlonin ibi. 13, sseonäo piuno. — li xsrio-
äioo si Mdlilion tutts Is äoinenielis. — I nurnsri
8Spuruti eo8tano esnt. 20. — I'rsrr.i ä'Vlzbonn-
niento psr tutto il IIsAno: IIn unno — I,. 6. —.
IIn ssinsstrs — 3. 50. — Vll' lil^tsro piu

Is 81IS8S iio8tuti.

Eine init Einsicht gelcitete Knnstzeitschrift, welche
>n Jtalien, ja sogar in Florcnz, dcin cigentlichen
Mittelpunkt der niittelalterlichen und neucrcn Kunst
des gelobten Landcs, crscheint, was hätte sic uns nicht
allcs zn berichten iiber Ansgrabnngcn, Entdecknngen,
Bercichernngen aller Art anf dein Gcbictc dcr ehr-
Wiirdigen Denkmäler und deren Geschichte! Wic viele
wichtige Beiträge kvnnten ihr aus den reichhaltigen,
noch imnicr ungeniigend durchforschten Archiven zu-
fließen, woinit die eiiipfindlichen Liicken, aus die der
Kunsthistoriker sortwährend stößt, doch zuni Teil wenig-
stens ausgefüllt wcrden dürften!

Daß die Flvrentincr Zeitschrift Vits s Ltoriii,
lvelche nunmehr das zwcite Jahr wvchcntlich crscheint,
in vollem Maße solchen Erwartungen cntsprcche, das
zu behaupten, wäre wohl etwas zu kiihn. Jndessen
berdiencn die Bcstrcbnngen des Direktors, nach und
nach die besseren Kräfte dcS Landes für seine Zwecke
zu gewinncn, die gebührcndc Ancrkennnng, und in dcn
bis jetzt erschicnencn Nninincrn sind manche interessante
Mittcilungcn zu sindcn, die seine Pnblikation, besonders
in betracht ihres auf acht Seiten 4" Format be-
schränkten Umfangcs, allcn Frennden Jtalicns nnd seincr
Kunstschätze durchans cmpfehlenswert niachen.

Um hier nur einige der Gegenstände anzudeuten,
mit denen sich die Zeitschrifl befaßt, heben wir bei-
spielsweise die Berichte über die Restaurationen hervor,
die mit verschicdenen italienischen Denkmälern kürzlich
dorgenoinmen worden sind oder nächstens in Angriff
genommen werden sollen. Da mvgen sich denn dic
Berehrer der edlen Renaissancebauten freuen, zu er-
fahren, daß man sich endlich in Pavia mit dem Plane
befaßt, der jedenfalls von Bramante entworfenen Dom-
kirche dadurch einen würdigen Abschluß zu verschaffen,
daß der unvollcndetc Mittelranm mit einer großartigen
Kuppel nach dem Entwurfe des Baumcistcrö Cristosoro
Rocchi von Pavia bekrvnt wird, nachdem man glück-
licherweise den Vorschlag abgelehnt hat, die verwittcrte

horizontale Decke durch einen Aufbau in Eiscn und
Glas zu ersetzen.

Jm Gebiete Tvscana's wird die seit kurzen voll-
endete Wiederherstellung der altertümlichen Dekanats-
kirche von Castelvecchio unweit Lncca gerühmt, einer
Kirche, die sich bis aus die Zeiten ihres Schutzpatrons
San Frediano ins 11. Jahrhnndert zurücksühren läßt. —
Vicl bckannter ist die Kirchc Santa Trinitü in Florenz,
angeblich ein Werk des Niccolo Pisano. Dicser soll
nnn auch ihr ursprüngliches Aussehen wiedergegebcn
werden, indcm man die Ervffnung der Spitzbogen an
den Seitenkapellen längs den Nebenschiffen durchführt,
solvie zahlrcicher Fcnster des Mittelschiffes uud des
Chornmganges. — Was übcr die Reorganisativn des
sogenannten osntro der Stadt, wo bis vor kurzeni der
Markt gehalten wurde, hin und her disputirt und
gcstritten Ivird, ist nicht besonders erguicklich, scheint
aber die heutigen Florentiner vielfach zu beschäftigen.
Erfrculicher ist es jedcnfatls zu crsahren, daß am
Flvrcntiner Dome der Neubau der Fassade, wenn auch
langsam, dvch ununterbrochen sortgesetzt wird, während
der Beschluß darüber noch nicht gefaßt zu sein scheint,
anf welche Weise das Problem der oberen Giebel
gelvst werden soll. Auch im Jnneren wird bekanntlich
cben eine Ncstaurativn vorgenommen, wodurch mehrere
spätere Zuthaten und Bernnstaltungen entfernt werden
sollcn. — Unter den alten Florentiner Palästcn wird
besonderS die stilgemäßc Wiederherstelluug des festnngs-
artigen, strengen Palazzo Mozzi hervorgehoben, durch-
gcführt auf Kosten der jetzigcn Besitzerin Fürstin
Vanda Karolath; dann aber auch die besonnene Thätig-
keit dcs Uküeio tseniso äslla onsa rsals im Pal. Pitti
gebilligt für die in den königlichcn Billen von Petraja
und Poggio a Cajano vollführten Arbeiten.

Auf eine rccht unverständige Weise svll man
hingegen bei Restaurationsarbeiten im Jnneren des
Domes verfahren sein. Ähnliche Klagen werden leider
auch sonst noch laut, da es ja bekannt ist, daß die
nötige Einsicht zn dekorativen Wiederherstellnngen den
damit Beauftragten gar zu oft fehlt.

Unter den gelungenen und HLchst interessanten
Arbeiten dieser Art darf aber schließlich hier die
Restauration der merkwürdigen Kirchen- und Bap-
tistcrinmgruppe von S. Stefano in Bologna nicht
vergessen werden, über wclche Senator Gozzadini, dcr
bekannte Gelehrte, in Nr. 6 des zweiten Jahrganges
der Vrts s Lkoris, (v. I. 1883) einen recht gediegenen
Aufsatz liefcrte.

Gehen wir zu der Schilderung der Sammlungen
nnd Museen über, so crfahren wir von der Gründung
eincs nenen Muscums in Florenz für Verschiedenartige
Altertümer, die sich insbesondere auf die Geschichte der
Stadt bczichen sollen, und die man in den Räumen
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