Kunstchronik: Wochenschrift für Kunst und Kunstgewerbe — 19.1884

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Nr. 33.

Beiträge

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und österreichischen ssostanstalten.


Ausstellung von IVerken Gustav Richters in der
Berliner Nationalgalerie.

Der Tod Gustav Richters hatte eine so tief-
schmerztiche Teiluahme hervorgerusen, daß unmittelbar
nach seiner Beerdigung >rnter seiuen Freunden der
Wunsch eutstand, sein Gedächtnis durch eine Trarrer-
feier u»d mehr uoch durch ein'e Ausstellung seiner
Werke zu chren. Man glaubte, daß die Empsindung
des schweren Verlustes eine so allgcmeiuc sci, daß sich
kanni ein Besitzer vou irgend einem Werke seiner Haud
weigern würde, sich von demselben fiir cinige Zeit zu
trenuen. Diese Erwartung ist denn auch uicht getäuscht
wordeu. Die imPosante Ausstellung, welche am 19. Mai,
also nur andcrthalb Monat nach Richters Tode, er-
öffnet werden konnte, enthält beinahe hundert Ölge-
mälde, von denen ein nicht geringer Teil mit großen
Kosten aus dem Auslande (Rußland, Frankreich, Öster-
reich) herbeigeschafft werden mußte. Selbst die konigl.
bayerische Staatsregierung hat sich bestimmen lassen,
das im Jahre 1872 für das Maximilianeum in
München nach zehnjähriger Arbeit vollendete Pyra-
midenbild nach Berliu zu schicken, was mit um sv
größerer Dankbarkeit zu verzeichnen ist, als sich der
Stister des Bildes der Königin Luise im städtischcn
Museum in Köln trotz hoher Fürsprache der Sendung
des Gemäldes widersetzt hat. Glücklicherweise ist dies
die einzige Lücke, welche dcm glänzenden Gesamt-
bilde einigen Eintrag thut. Aber selbst biese wird
einigermaßen dadnrch ausgefüllt, daß dcr mit nußerster
Zartheit durchgeführte Studienkopf nach einem Fräu-
lein v. Ziegler, welches deui Künstler als lebendes

Vorbild für das Jdealporträt der Königin gedient hat,
aus der Ausstellung vorhanden ist. Sonst fehlt noch
das Bildnis der Gräfin von Karolyi (1878), das des
Fürsten von Pleß und von den ethnographischen Einzel-
signren diejenige eines jungen Zigeunermädchens aus
dcr Krim (1873). Das sind aber nur Lücken, welche
bloß demjenigen auffallen, der mit dem Schaffen Rich-
ters genau vertraut ist. Jm großen und gnnzen fehlt
keiu Zug, wclcher sür die Physiognomie des Künstlers
charakteristisch ist.

Bor der Eröffnung der Ausstellung, um welche
sich wie immer in ersterLinic die Beamten dcr National-
galcrie, in diesem Falle vr. von Donop und Sekre-
tär Schulz, und einige Freunde Richters, besonders
Prof. Albert Hertel, verdient gemacht haben, fand im
ersten Corneliussaale eine Gedächtnisfeier statt, dercn
Kern eine von Geheimrat Jordan mit glänzender
Rhetorik ausgestattete Rede bildete. Der Kronprinz
und die Kronprinzessin, der Kultusminister von Goßler
und eine große Zahl von höheren Staatsbeamten, von
Künstlern und Gelehrten sowie die Witwe des Ver-
storbenen wohnten der Feier bei. Die Ausstellung füllt
füuf Räume des obersten Stockwerkes. Da dieselbe
nach dekorativen Grundsätzen arrangirt werden mußtc,
konnte eine chronologische Neihenfolge nicht festgehalten
werden. Jmmerhin hat man sich bestrebt, iu einem
Raume verwandte Gruppen zu vereinigen. An den
Wänden der Vorhalle hängen das große Pyramiden-
bild, dasPorträt des Snltans Abdnl Aziz Khan(1867),
das Bildnis Eduard Hildebrandts in ganzer Figur
(1865, aus dem städtischen Museum in Danzig), das
Porträt der Fürstin von Carolath (1872) und zwei
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