Kunstchronik: Wochenschrift für Kunst und Kunstgewerbe — 19.1884

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Notizen über einige holländische Meister.

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sepciraten Schrcinken zum Vergleich aufgestellt: ein sehr
nachahmenswertes Verfahren!

Die Venutzung der Ausstellung erleichterte ein
kleiner, in Eile für den Tag der Eröffnung herge-
stellter Führer; der Herausgeber nennt sich (auf der
deutschen Ausgabe) Sz. T. P.; ich glaube nicht, daß
man das Komitö für den Jnhalt verantwortlich machen
kann; wenigstens haben die kundigen Mitglieder des-
selben die Verantwortung abgelehnt.*) Es ist daher
nicht angebracht, die vielen Fehler desselben zu veri-
fiziren. Ein aussührlicher Katalog, mit den Marken re.,
ist im Erscheinen begriffen, leider nur in ungarischer
Sprache. Jch kann es den Ungarn absolut nicht verdenkcn,
wenn sie einen solchen Katalog in ihrer Sprache drucken:
aber im eigensten Jnterefse lüge es doch, davon auch eine
deutsche (oder wenn cs denn sein muß: französische) Aus-
gabe zu veranstalteu, damit auch anderen Nativnen diese
wichtige Arbeit zu gute kommt. Bielleicht verhaüt dieser
Klageruf nicht ungehört. Von der Publikation, welche
die Firma Levy in Paris mit höchster Opulenz —
150 Tafeln in Originalradirungen, Heliogravüren und
Chromolithographien — vorbereitet, hat man eine
ungarische und sranzösische Ausgabe in Aussicht ge-
nommen. N. Pabst.

Notizen über einige holländische Meister.

Oon Theodor Levin.

Jan van Loo. Jn dem Besitze der Familie des
verstorbenen Malers G. Süß befindet sich ein Gesell-
schaftsstück, welches bisher als eine Arbeit des Antvn
Palamedesz galt und auch mit diesem Meister eine
naheVerwandtschaft aufweist. Die Kompvsition zcigtden
bei dieser Künstlergruppe hciufig wahrnehmbaren Fehler
der ungleicheu Verteilung der Massen. Die linke Hälfte
eiues kahlen Jnnenraumes ist leer: rechts gruppiren sich
sitzend um einen Tisch mit zinnoberroter Decke, auf
welcher ein Weinglas neben einer Citrvne steht, einc
Dame im Profil nach rechts, ein Kavalier vorn, der
deni Beschauer den Rücken zukehrt, und diesem gegen-
Uber etwas weiter nach rechts ein zweitcr, welcher Geigc
spielt. Jm Hintergrunde am Rande rechts ein Kava-
lier mit einer Dame im Gespräch, beide stehend. —
Wenn auch ini Charakter des Palamedesz, erscheint
das Bild, soweit starke Übermalnngen ein Urteil zu-
lassen, dvch schwächer als die Arbeiten dieses Meisters.
Bei näherer Untersuchung fand ich links unten die echtc,
sehr große Bezeichnung:

*) Warum haben diese Komitö-Mitglieder dann nicht
lieber selbst den Führer in deutscher Sprache (die sie doch
wohl sämtlich zu schreiben verstehen) herausgegeben?

Anm. d. Netz.

I. V. 1^00.

Bvde erwähnt bei Charakterisirung der verwandten
Künstlergruppe eines solchen Malernamens nicht; er hat
also wohl nie ein Bild mit derartiger Bezeichnung
gesehen, und auch mir ist weder aus eigener An-
schauung noch aus Katalogen ein solches bekannt. Jn-
des ist die Jdentität des Meisters nicht zweifelhast.
Am 19. März >657 wurde Johannes van Loo, Biir-
ger der Stadt und Maler, in die S. Lucas-Gilde zu
Delst als Meister eingetragen. Er lebte noch am
27. Juni 1661, an welchem Tage cr den Rest dcs
Meistergeldes erlegte (Arch.). Die Beziehung zu Pala-
medesz ist damit- als wahrscheinlich erwiesen. Welcher
Art dieselbe war, entzieht sich vorerst der Bestimmung.

Reynier Cvvijn. Jn dem Besitze des Auktivna-
tors Morschheuser in Düsteldvrf befindet sich ein mit
dem Vvllen Namen des Künstlers bezeichnetes Bild.
Dasselbe zeigt in ganzen Figuren Vvn etwa ein Vierlel
Lebensgrvße eine bürgerliche Hausfrau vor der Thüre,
welche einer Milchverkäuferin den Betrag für die ge-
kaufte und links in einer irdencn Schüssel aufgestellte
Milch in die Hand zählt. Jm Bordergrunde rechts
zwei ausfällig großeMilchgefäße von Metall mit runden
Bäuchen, in der Mitte ein anspringender Hund, links
zwei HUhner. Jm Hintergrunde sieht man die ver-
kürzte Front eines monumentalen Gebäudes in holländi-
schen Barockverhältnissen, daran schließend das Stadt-
thor mit Durchblick und vor demselben in stark
perspektivischer Verkleinerung ein zweite Milchhändlerin
mit Gefäßen. Die Qualitäten des stark beschädigten
Bildes lasten einen holländischen Künstler der zweiten
Hälfte dcs 17. Jahrhunderts erkennen, der sich dic
nationalen Errungenschaften des Kolorits in hohem
Maße angeeignet hatte und an N. Maes erinnert, wv-
gegen er mit der Durchbildung der Formen nur schwer
zustande kommt. Jndes zeigt sich in den zum Teil
fast roh angedeuteten Händen doch ein entschiedenes
Naturgefühl. H. Riegel erinnert sich nicht, ein be-
glaubigtes Bild des Meisters angetroffen zu haben
(Beitr. z. niederl. Mal. II, 355). Um so mehr muß
es iu Erstaunen setzen, wenn er in Bezug auf das ihm
Vvn einem Liebhaber zugesendete Bild erklärt, es könne
„gewiß keinen Anspruch auf Echtheit erheben." Logisch
ist also zu schließen, er halte das Bild überhaupt nicht
für ein altes, bezw. holländisches und insbesondere die
Bezeichnung für gefälscht. Ein solcher Schluß stände
aber so sehr mit den vorliegenden Thatsachen im
Widerspruch, daß man eben nur annehmen kann, Riegel
sei durch den ersten Eindruck des allerdings aus den
flüchtigen Blick sehr unscheinbaren Bildes von eincr
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