Kunstchronik: Wochenschrift für Kunst und Kunstgewerbe — 19.1884

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Zur Charnktenstik Friedrich Pretters.

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in Bcrlin cinsgegcrngcn, der sich vor anderen dnrch die
imposantc Anlage der Pergamonhalle und des Olynchia-
hofes auszeichnet. Das Projckt von van der Hudc
und Hennicke ist in svfern interessant, als es durch
eine Ansicht aus der Vogelperspektive zeigt, wie unan-
genehm die Anlage von drei gesonderten Gebäuden
wirkt. Außer den genannten haben sich von bekannteren
Architekten noch Ebe und Benda, Cremer und
Wvlssenstein und H. Seeling (Berlin), G. Nie-
mann und H. Auer (Wien) beteiligt. Die übrigen Ent-
würse, also etwa zwei Dritteile, rühren von jüngeren
Architekten her, welche ihr Glück bei dem Lotteriespiel der
Konkurrenz, aus dem häusig genug eine kllnstlerische Be-
rühmtheit über Nacht herauswächst, versuchen wollten.
Jn diesen Kreisen, welche naturgemäß eine Pression
auf die Fachjournalc ausüben, findet das Konkurrenz-
wesen die größte Zahl seiner Anhänger. Etwas Er-
sprießliches kann aber aus eincr Konkurrenz nur her-
vorgehen, wenn die Meister des Fachs in erster Linie
vffiziell zu einer Beteiligung verpflichtet werden und
wcnn sür die Znsammensetzung der Jury nicht die
etwaige Rangstufc in der Beamtcnhierarchie, sondern
das Maß der Objektivität den Ausschlag gicbt.

Adolf Noftnbcrg.

Zur Lharakteristik Friedrich s?rellers.

Die Lektüre vvn Otto Roguette's Biographie hat
mich veranlaßt, einige Erinnerungen an Friedrich
Preller, den Vater, nicdcrzuschreiben, welchen hier cin
Platz gegönnt werden möge. Sie bezichen sich vor-
zugsweise auf sein Leben in Weimar nach seiner Rück-
kehr aus Jtalicn und nach Goethe's Tode. Familicn-
bande führten mich oft nach Weimar, wo ich nicht
versciumte, ihn zu besuchen, ein paar Mal in seiner
Wohnung (Mansarde des Jägerhauses), öftors in seiner
Wcrkstatt. Die Bekanntschaft mit ihm verdanke ich
wohl LuiseSeidler oder meinem Vetter RobertWcsselhöft,
damals beim Strafprvzeß in Weimar angestellt. Mit
dicsem war Prcller bcfreundet, hat auch dessen Vater
in eincr Radirung, die unter dcn Vcrwandtcn ver-
breitet ist, sprechend ähnlich dargestellt, wie cr — neben
sich seine liebe Katze — behaglich dasitzt, klug und
freundlich um sich blickt. Dem Sohne Rvbert hat er
seinen Karton zum Bilde im Wielandszimmer geschenkt,
Huon und Amanda in der Wildnis, wie Oberon anf
seinem Schwanenwagen zu ihrer Erlösung erscheint.
Zwischen hochstänimigen Bäumen eröffnet sich der
Durchblick in eine flache öde Gegend. Vor seiner Aus-
wanderung nach Amerika hat mir mein Better diesen
Karton geschenkt, der nun eins meiner Zimmer schmückt.

Nach Prellers RUckkehr aus Norwegen zogen mich
besonders seine nordischen See- und Felsenbilder an

durch ihre künstlerische Wahrheit und Kraft; kannte
ich doch die Nordsee mit ihren breiten schaumgekrönten
Wellen am flachen Strnnde vvn Scheveningen und mit
ihren Fluten, anstürmend an die, freilich nicht granitnen,
roten natürlichen Mauern von Helgoland.

Aus der kleinen Werkstatt im letzten Hause dcr
Belvederestraße folgte ich ihni in den Saal des Wit-
tumspalais, wo er besonders seine Kartons sür die
Odysseegalerie ausführte, und traf es einmal so glück-
lich, ihn vor seiner Staffelei und daneben im besten
Lichte die eben vollendete Tafel mit der Leukothea
aufgestellt zu finden, leuchtend im frischen Farbenglanze
der ganz durchsichtigen Wellen, aus denen sich der
Schleier mit der Leukothea erhebt. Der Anblick ist
mir unvergeßlich.

Am glücklichsten traf ich es, als ich, zum zweiten oder
dritten Male in die vollendete Odysseehalle des Musenms
eintretend, den Meister selbst auf einer Bank sitzend
und behaglich seine Schöpfung betrachtend erblickte. Er
war in der besten Laune, wie ihn das Titelbild der
Biographie darstcllt, während die Photographie nach
dem Bilde von Vcrlat (?), dic an Tizian erinnert, auch
nicht zu verachten ist. Er war mitteilend über die
Entstehung einzelner Bilder und ließ sich von mir dic
Bemerkung gefallen, daß er die Gefährten des Odysseus
in der Anstrcngung, das Schiff ins Wasser zu schiebcn,
nicht so hätte malen kvnnen, wenn er nicht in Neapel dic
Lazzarvni nnd die Schiffer hätte arbeiten sehen. Jn
Bezng auf die Landschastsmalerei hob er hervor, daß
er bei der Anlage eines Bildes stets mit dem Himmel
anfange, nach dem sich Beleuchtnng und Gruppirung
zu richten haben. Er erläuterte das an dem großen
Bilde mit den Rindern des Helivs, desscn Hintergrund
ihm viel vergebliche Bersuche gekostet habe, bis ihm
plötzlich in der Bai von Bajä ein Licht aufgegangen
sci. — Dieses Hauptbild ist leider unter den durch
Lichtfarbendruck in dcn Handel gckvmmenen schr mangel-
haft wiedcrgcgeben. — Bon den Predcllen sagte er,
daß er die Zeichnungen dazu mit allen ihren Figuren,
die vvn seinen Schülern aus die Wand in zwei Farben
übertragen sind, in nur sechs Wochen vollendet habe,
— cin seltener Beweis seiner gewaltigen Arbcitskraft
noch in vorgerückten Jahren; frcilich war er am Ende
auch recht erschöpft. — Endlich kam er auch darauf zu
sprechen, woran beim Anschauen des vollendeten, in
sich harmonischen Werkes niemand denkt, wieviel Über-
legungen nnd Proben es gekostct habe, bis er und seine
Gehilsen die richtigen Farben sür die Wand, sür die
Umrahmungen der Bilder und sür die Arabesken ge-
trofsen hätten.

Seine Persönlichkeit hat Roquette gut geschildert,
nur hätte er zur Charakteristik hinzufügen können, daß
Preller sich im Umgange mit Porliebe der ihm von
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