Kunstchronik: Wochenschrift für Kunst und Kunstgewerbe — 19.1884

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Kunstlitteratur.

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Bauten oder Kopien nach anderen Zeichnungen von
gcringem Werte.

Bd. 5t,Nr. 4715—4944. Sammlung von Grund--
^'ssen von Kirchen und Tempeln, gezeichnet von dem-
selbcn Cavaliere Vasari. Darunter manches Inter-
cssante, z. B.:

Nr. 4839. Centralbau, Tempio dell' Apollo in
Atcne, kopirt aus dem Kodep des Giuliano da San
Gallo auf dcr Barbcriniana zu Rom. Ferner eine
Menge von Palastplänen und Plänen von Villen, ge-
Zeichnet von demselben und vcrmntlich nach den Ori-
ginalpläncn kopirt. Endlich Palastfassaden, sowie die
Zeichnungen zu den liffizien des Giorgio Vasari.

Bd. 53 und 54. Pcrspektivische Studien des Ca-
valiere Giorgio Vasari il giovane.

Bd. 55. Giacinto Marmi. Projekte fnr die Rcstau-
ration der Medicäischen Paläste, Villen nnd Gütrr.
Darunter5058 ein intcressantcs Jntericur eines Saales
im Palazzo Jmperiale, tvelcher fllr die Granduchessa
Vittoria hergcstcllt werden sollte. Trägt dic Jahres-
zahl 1831.

Bd. 56. Von demselben. Allerlei barockc Skizzen;
Blatt Nr. 5157 und 5158 einc schöne Trcppenanlage
mit Grotten vor einer Villa.

Nr. 5159. Projektskizzen fllr das Amphitheatcr
hintcr Palazzo Pitti in Florcnz.

Bd. 57. Von demselben allerlei Zeichnuugen.

Nr. 5282. Große perspektivische Ansicht, als
Thcaterhintergrund gedacht, von Scbastiano Serlio.

Bd. 58, Rr. 5334—5521, euthält barocke Skizzeu
alter Art von unbekannter Hand. Das Jnventar schließt
uiit der Bemcrkung, daß dic ganze Sammluug auf
600 000 Lire gcschätzt sei. Dann folgt cin Namens-
register mit Angabe der authentischen und uur zuge-
schriebencu Blätter nach einzelnen Nummern.

Von dcn vorherigen Bänden abgetrcnnt sind uoch
etwa 6—8 Mappen voll rein dekorativer Handzeich-
vungen, die nach Gegenständen geordnet sind, z. B.
Arazzi, Soffitti, Fregie, Stemmi rc. Diese Samm-
lung enthält vorziigliche Sachcn, an denen man sich
kaum satt sehen kann. Vielcs von diesen und deu
srüher genannten Zeichnungen habcn der frllherc und
jetzige Konservator, Cavaliere Carlo Pini und Sig-
vore Nerino Ferri in Photographie veröffentlicht,
anderes der ehemalige Photograph Philpot, dcssen
Restauslage jetzt, svweit der Vorrat reicht, beim Knnst-
händler Stangc, Piazza Poute Carraja, zn haben ist.
Die Namen des Kataloges sind zwar noch unsichercr
"ls die dcr Uffiziensammlnng selbst, also cin grllndlicher
Vergleich ist immer notwendig. Doch enthält die
Sammluug Philpot so viel Wichtigcs, daß cs ivohl
sich lohuen wllrde, die Originalplatten anzukanfen.

Dicse Notizen sind zwar sehr unvollständig, wer-
den aber doch zur Orientirung in dem fast unüberseh-
baren Material einiges beitragen können.

Florsnz, im Dezember 1883.

Aunstlitteratur.

Alwi» Schultz, Kunst und Knnstgeschichte. Cine
Einführung in das Studium der neucrcn Knnst-
geschichte. Zwei Bände. Leipzig, G. Freytag, und
Prag, F. Tempsky. 1884. (Band 18 und 21 des
„Wisscns der Gegcnwart".)

Dem crsten Bande, dessen Erscheinen in Nr. 6 der
„Kunstchronik" kurz angezeigt wurde, ist bald der
zwcite gcfolgt, und das ganze Werk liegt nunmehr ab-
geschlossen vor uns. Die Freude, mit der wir den
crsten begriißten, mnß sich mit vollcm diecht auch auf
den zweiten beziehen. Denn in den beiden wird jedem,
der der deutschcn Sprache mächtig ist und ctwas mehr
als Volksschulbildung gcnossen hat, in Wahrheit eine
Einführung in das Studium und das Verständnis der
neueren Knnstgeschichte geboten. Der Versasscr ver-
zichtet zwar in der Einleitung bescheiden auf den An-
spruch, etwas Originelles geschaffen zu haben. Das
Büchlein ist aber trotzdem durch nnd dnrch originell.
Es ist eigenartig in dcr Anordnung des Stoffes, wie
in vielen seiner Gedankcn und Bcvbachtungen. Dic
älteren, ähnlichen Werke von Ernst Förster, Wilhelm
Lllbke, Hermann Riegel u. a. sind damit nicht ver-
altet, abcr trefflich ergänzt. Der Stoff ist übersicht-
lich geordnet nnd grnppirt, die Darstcllnng ist cinc
angenehme und slüssige, der wissenschaftlichc Ballast ist
nicht zu groß, alles unnlltze, phrasenhaste Ästhetisiren
vermieden, die Kunst in wcitestem Umfange, also cin-
schließlich des Kunstgewerbcs, hercingezogen, und vvr
allem wird der Lescr mitten in die Arbeitsstube des
Kllnstlers selbst eingefllhrt. Es wird mit klaren, an-
schaulichen Wvrten geschildert, wie cin Kunstwerk cnt-
stcht, welch unendliche MUHe ein wahrer Kllnstlcr aus-
wenden muß, ehe er zu seinem Ziele gelangt. Überhaupt
berührt das warme Jnteresse fllr unsere Künstlcr
außerordentlich sympathisch; von manchem Borwurf,
dcr ihnen vom Publikum immer und immer wieder
gemacht wird, werden sie endgiltig entlastet. Charak-
teristisch ist in dieser Beziehung die Stelluiignahnic
des Autors zu der Historienmalerei. Es wird, so fllhrt
der Verfasser aus, heute häufig den Malern vorge-
worsen, daß die Historicnmalerei mehr und mehr zu
gunsten der Landschafts- und Gcnremalerei zurllck-
gedrängt werde. Aber schon die Wahl des Stoffes
bietet Schwierigkeiten. Die Zeiten sind längst vorüber,
wo das Piibliknm sich in einem ganz bestimmtcn
rcligiöscn und historischen Gedankenkrxis bewegte, inner-
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