Kunstchronik: Wochenschrift für Kunst und Kunstgewerbe — 19.1884

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Die Kunstausstellung schweizerischer Künstler zu Basel.

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Zeitraum vom 1. Juli bis zum 30. Juni verlegt
wurde, statt die frühere Rechnuug vom 1. Januar bis
31. Dezember beizubehalten. Die Ausgaben sür die
ersten sechs Monate dieses Jahres bclaufen sich bezüg-
lich des italienischen Kunstpatrimoniums als fixe Summe
auf 1 815 821 Lire, 68 Cent., als Nachkredit auf
179 250 Lire, zufammen mithin für ein Semester auf
1 995 071 Lire 68 Cent.

Die Gehälter des Personals rc. stellen sich in diesem
Voranschlage auf 344 907 Lire, 38 Cent.; die Er-
haltung der Museen rc. auf 158136 Lire, 5 Cenb; auf
die Ausgrabungen und Erhaltung öffentlicher Denk-
mciler 404549 L., 68; auf den Mailänder Dom 61400;
auf die Erwerbungen rc. durch die Eintrittstaxe
1K1159 L., 75; auf die Gehalter bei dcr Kunst-
akademie rc. 272469L., 13;auf StipendiensürKünstlerrc.
152941 L., 67. Die übrigen 230 000 circa finden ihre
Berwendung bei den Konservatorien rc.

Von den 179 250 Lire der Extraausgaben kommen
wieder 28500 Lire auf die Restaurirung des Dogen-
palastes in Venedig; 3000 Lire auf die Kunstakademie
in Rom; 7500 auf die römischen Ausgrabungen —
für welche jedoch noch ein ganz bedeutender Extrakredit
von mehr als einer Million sür die Vollendung der
Ausgrabungen auf dem Forum Romanum erforderlich
sein wird; 8000 Lire auf das Tibermuseum in
Rom; 10 000 Lire aus die Kunstgewerbeschule in
Neapel, 15000 auf die Kunstakademie in Neapel;
100 000 auf die Jsolirung des Pantheons in Nom;
und schließlich 7250 Lire auf die Restaurirung des
monumentalen Palastes der Universität in Genua.

Die Aunstausstcllung schweizerischer Aünstler
zu Basel.

Basel, das in Kunstangelegenheiten von jeher
allen andern schweizer Städten vorangegangen ist, hät
die Jnitiative ergriffen, um auf das Kunstleben in
der Schweiz fördernd einzuwirken, indem es eine für
hiesige Verhältnisse recht reichhaltige Kunstausstellung
eröffnete.

Die direkte Veranlassung dazu war folgende. Eine
Anzahl schweizer Künstler, an der Spitze Frank
Buchser, richteten das Ansuchen an den Staat, jähr-
lich 150 000 Frs. sür Kunstzwecke auszusetzen; sie
wurden abschlägig beschieden, worauf die Stadt Basel,
welche ohnehin etwas neidisch auf Zürich war, das
durch die Landesausstellung so sehr in den Vorder-
grund getreten ist, gern die Gelegenheit ergriff, um
ihrerseits eine lokale, aber reichhaltige Ausstellung ins
Leben zu rusen. Basel besitzt eine ansehnliche Künstler-
kolonie, unter der vor allem Böcklin — zwar derzeit
in Rom —, Stückelberg und Brünner hervorragen.

Ersterer hat sich ganz besonders um das Gelingen des
„Schweizer Salon" in Basel bemüht, und man muß be-
kennen, für die geringe Künstlerschar, welche dieSchwciz
ausweist, und in Anbetracht der so kurz vorangegangenen
Landesausstellung, ist die Ausstellung recht lobenswerl
ausgefallen. Zum mindesten bringt sie eincAnzahl wirk-
^ licher Kunstwerke und trägt überhaupt ein vornehmeres
Gepräge als die wandernden „Schweizerischen Kunst-
ausstellungen". Diese Wanderausstellungen hatten ein
^ beinahe jahrmarktsmäßiges, ja schaubudenartiges An-
sehen. Es fand sich dort viel schlechtes Dilettantenwerk
vor und wurde oft in recht unkünstlerischer Weise dem
Publikum geboten, — z. B- verblieben die Bilder wegen
des Herumziehens meistens in Kisten und wurden in
diesen — nur die Deckel abgenommen — aufgehängt;
ferner war die Einrahmung ost eine sehr elende, daß
man meinte, alte Spiegelrahmen wären verwendet
worden. Besonders aber trug der Umstand, daß in
den kleinen Städten die Ausstellungen in Räumen
abgehalten wurden, welche für diesen Zweck wenig
geeignet waren, dazu bei, daß bedeutendere Schweizer
Künstler, ob sie nun im Jn- oder Auslande wohnten,
es meist vorzogen, die Ausstellung gar nicht zu be-
schicken und sich »ur an sremdländische Ausstellungen
hielten, weshalb das Publikum sie auch meist gar nicht
als „Schweizer" kannte.

Sehr reich ist Professor Karl Brünner aus Basel
vertreten. Seine Bildnisse sind iu der Zeichuung hvchst
exakt; vhnc irgendwie zu idealisireu, schcint Brünner doch
die Gabe zu besitzen, jeden von seiner liebenswürdigsten
Seite auszufassen. Das Männerporträt, Herrn Jm-
hos-RUsch, den Direktor des Baseler Kunstvereins dar-
stellend, macht den Eindruck des sprechend Ähnlichen.
Sehr viel Geschmack bekundet auch das Arrangement
von Kleidung, Hintergrund. Am gelungensten von
seinen Bildern dünken uns aber die Kiuderporträts,
insbesondere die beiden Brustbilder-Pendants, Knabe
und Mädchen. Aus diesen ZUgen spricht die volle
Kindlichkeit mit all ihrem Reiz und all ihrer Unschuld.
Die Kinder haben überhaupt auf der Baseler Aus-
stellung gute Vertretung gefunden. Etwas Anmutigeres
als Stückelbergs Porträts seiner eigenen beiden
Kinder, des blondlockigen, kecken Knaben mit den
frischen Augen und des sanften, lieblichen Mädchens in
dcm schlichten langen Haar, mit einem blauen Kleid-
chen angethan, läßt sich kaum denken. Ein sehr
hübsches Historienbild — das einzige bemerkenswerte
— hat C. Boßhard (MUnchen) geliefert „Die mutige
Frau vonSchleins". I. Grob (MUnchen) bringtein sehr
anmutiges Genrebild „Der Apfel". Der alte Groß-
vater überreicht dem jüngsten Enkelchen, das auf der
Mutter Arm hockt und vom Vater und den größern
Geschwistern umstanden wird, eincn Apfel. Hoflinger
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