Kunstchronik: Wochenschrift für Kunst und Kunstgewerbe — 19.1884

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19- Iahrgang.

Beiträge

find an j)rof.Dr. L.von
Lützow (wien, Chere-
sianumgasse25) oderan
die verlagsbandlung in
Leipzig, Gartenstr. 8,
zu richten.

15. Mai

Nr. Zs.
Inserate

ü 25 s>f. fnr die drei
Mal gespaltene ssetit-
zeile werden von jeder
Buch- u. Aunstbandlung
angenommen

s884-

Beiblatt zur Zeitschrift für bildende Kunst.

Erscheint von Vktober bis Lnde Iuni jede woche am Donnerstag, von Iuli bis Lnde September alle Tage, fnr die Abonnenten der „Zeitschrift
für bildende Aunst" gratis; für sich allein bezogen kostet der Iahrgang 9 Mark sowohl im Buchhandel als anch bei den deutschen

Inhal t: Die Aonkurrenz um die Bebauung der Museumsinsel in Berlin. — Zur Lharakteristik Lriedrich j)rellers. —Lübke's Geschichte der Archi
tektur; Lociete 6e I'^rt ancien en Del§i^ue. — R. Bcndemann s; G. Randon s. — Auffindung einer Totenstadt in Gber-Agypten. —

des deutschen archäologischen Inftituts in Rom; Aus Stuttgart; 2lus den wiener Ateliers; Reiterstatue Dufours in Genf; Der Senat der
Berliner Aunstakademie. — Zeitschriften. — Auktionskataloge. — Anfrage. — Inserate.

Dic Aonkurrenz mn die Bebauung der Museums-
insel in Berlin.

Die Beteiligung an der Preisbewerbung zur Ge-
winnung von generellen Entwürfen fiir die Bebau-
ung der Museumsinsel ist nicht so zahlreich gewese»,
wie man es nach der Bedeutung des Gegenstandes und
aus Grund der Nachfrage nach Programmen hätte
erwarten sollen. Es ^varen nur 52 Entwiirfe einge-
gegangen, und diese sind, nachdem das in Nr. 28
d. Bl. mitgeteilte Urtcil des Preisgerichts gefällt wor-
den, sämtlich im Lichthofe des Kunstgewerbemuseums
zur Ausstellung gelangt. Eine Anzahl der hervor-
ragendsten Architekten, von denen wir nur Ende und
Böckmann, Kahser und von Großheim und A. Orth
nennen wollen, haben sich aus persvnlichen und sach-
lichen Grnnden nicht an der Konkurrenz beteiligt.
Den einen behagte die Zusammensetzung des Preis-
gerichts nicht, die anderen nahmen an der Fassung
des Programms Anstoß, und daher kann das Ergeb-
nis der Konknrrenz insofern nicht befriedigen, als -es
nicht gleich demjenigen der Reichstagsgebäude-Kon-
kurrcnz eine Summe oder Quintessenz der höchsten
Leistungsfähigkeit unserer Architektur repräsentirt. Es
muß hier noch hinzugefiigt werden, daß an Stelle des
inzwischen vcrstorbenen Geh. Oberbaurats Giersberg
Oberbaurat Adler in das Preisgericht eintrat, welcher
nrsprünglich nur als Stellvertreter berufen worden
war. Von den oben genannten Architekten hat Bau-
rat Orth, der Antor des großartigcn, von der „Zeit-
schrift für bildende Kunst" im XIII. Bande veröffent-
lichten Projekts, scine doppelt aussällige Znrückhaltnng

öffentlich u. a. dadurch motivirt, daß er die Bestimm-
ung des Programms, „die ganze Anlage in einzelne
Gebäude oder Gruppen von Gebäuden zu sondern,"
sür eine fehlcrhafte hält, weil dadurch dic Möglichkeit
einer späteren Erweiterung ausgeschlossen ist. Dieselbe
könne nur durch einen „einheitlichen Projektgedanken"
offengehalten werden.

Ganz abgesehen von diesem Bedenken steht die
Zerlegung in Gruppen auch der Monumentalität der
äußeren Erscheinung hindernd im Wege. Die Mehr-
zahl der Konkurrenten hat zwei oder drei Grnppen
von Gebäuden geschaffen, deren jede für sich wohl zn
einer monumentalen Wirkung gebracht werden kann
und auch gebracht worden ist, die aber in ihrer Ge-
samtheit einen keineswegs monumentalen Eindruck
machen. Wir erhalten ein Konglomerat von Gebäuden,
die zwar äußerlich durch Galerien zur Erleichternng
desBeamtenverkehrs mit cinandcr verbunden sind, denen
es aber durchaus an einem einheitlichen Organismus
fehlt. Es ist in hohem Grade bedauerlich, daß die
Fassung des Programms eine Lösung der Frage in
monumentalem Sinne ausgeschlossen hat und daß die
Hoffnung für imnier aufzugeben ist, ans der Spitze der
Museumsinsel ein die Stadt iiberragendes Akropolis-
artiges Bauwerk errichtet zn sehen, wie es Banrat
Orth geplant hat.

Jndessen ist die ganze Frage mit dieser crsten
Konkurrenz noch lange nicht znm Abschluß gebracht.
Man wollte zunächst ja nur prüsen, ob das Pro-
gramm praktisch nnd künstlcrisch dnrchführbar ist und
nebenher brauchbares Material gewinnen, welches bei
einer desinitiven Bearbeitung zn Grnnde gelegt werden
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