Kunstchronik: Wochenschrift für Kunst und Kunstgewerbe — 19.1884

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Nr. §2.

19. ^ahrgang.
Beitrage

sindcm prof.Dr. L. von
tützow (lvien, There-
sicinurngasse25) oder an

keipzig, Gartenstr. 8,
zu richten.

H. Lcptcinber

Inscrcitc

L 25 j?f. für die drei
Mal gespaltene ssetit-
zeile werden von jeder
vuch- u. Runsthandlung
angenommen

s88ss.

Beiblatt zur Zeitschrift für bildende Kunst.

Lrscheint von Vktober bis Lnde Iuni jede woche am Donnerstag, von Iuli bis Lnde September alle Tage, für die Abonnenten der „Zeitschrift
für bildende Aunst" gratis; für sich allein bezogen kostet der Icchrgang 9 Mark sowcchl im Buchl^andel als auch bei den deutschen

und österreichischen ssostanstalten.

Intzalt: Die akademische Aunstausstellung in Berlin. — Die Ausstellung von Aunstwerken aus Z)rivatbesitz in Dresden. — Burcksiardts „Lice-
rone"; Aunstschmiedearbeiten. — L. A. v. Nordheim -f; Albert Berg -f. — Iahresbericht der akademischen hochschule für die bildende
Aunst in Berlin. — Aonkurrenz aus Anlaß der internationalen Tdelmetall-Ausstellung zu Nürnberg. — F. Schaper; B. Toberentz. —
Museumsbau in Vlympia; Berg-Aarmelkapelle der Aathedrale von Metz; Lammlung Saburow. — Zeitschriften. — Inserate.

Kunstchronik Nr. 43 erschcint am 18. Scptembcr.

Die akadeiinsche Nunstansstellung in Berlin.

Über den von dcr königl. Akademie dcr Kiinstc
veranstalteten Ausstellnngen leuchtet schon seit Jahrcn
kcin giinstiger Stern mchr. cigcntlich seit jener Zeit.
als die Ausstellnngeu ans dem vielgeschmähten Gebände
der Kunstakademie auswandertcn nnd das provisorische
Heim am Cantianplatz anssuchten. Man dachtc da-
mals an ein Provisorinm von fiinf vder scchs Jahrcn.
Jetzt sind neun Jahre verflosscn, nnd wicdernm hat
dic Ausstellnng ihre Znflucht zn der iiber dem Wasser
auf Pfählen erbauten Bretterbnde nchmcn müssen, in
welchcr der Aufenthalt dcn ausgestelltcn Kunstwerken
wie den besnchenden Menschcn gleich nachtcilig ist.
Nm wenigstens fiir die letzteren cinen Teil der Unnn-
nchmlichkeiten zn vcrringern, hatte man die Ervffnung
um cine Wochc srüher als gewöhnlich (anf den
24. Angnst) nnd dcn Schluß anf den 19. Oktober
anberaumt. An naßkalten Herbsttagen ist der Aus-
enthalt in der Baracke nnerträglich. Nntcr solchcn
Nmständen kann man die EntrUstnng dcr Künstlcr iibcr
die traurigen Attsstellungsverhältnisse in Berlin leicht
begreifen und bis zn einem gewissen Grade auch teilen.
Das Polytechniknm in Charlottenburg hat sich sowohl
wegen seiner weiten Entfernung von der Stadt als
auch seiner für einen andercn Zweck bercchnctcn Ve-
leuchtungsverhältnisse wcgen als uiigeeignet erwiesen.
Der angebotene Glaspalast der Hygieneausstellnng
hätte erst durch Einbauten bcnntzbar gemacht werden
müssen. Man sckeute wohl die Kosten, zumal diese

Einbauten anch nur provisorisch hätten sein können,
da der Palast nicht bloß für Kunst-, sondern auch sür
gewcrbliche AuSstellnngcn allerlci Art benutzt werden
svll. Es blieb also nur die Wahl zwischen dcm alten
Akadcmiegcbäude und dem Holzbau. Wohl ans räum-
lichen Gründen entschied man sich sür den letzteren.
Dcnn daß die Bcleuchtiing auch in diesem eine mangel-
hafte ist, läßt sich nicht in Abrede stellen, obwohl bei
dem Bau gcrade darauf die sorgsältigsten stiiicksichten
genomnien worden sind. Jn dicscm Jahre kann man
ganz besonders erkennen, welchcn schädlichcn Einfluß
das grelle, breit und ungemildert einfallende Licht auf
die Gemälde, — von den plastischen Kunstwerken gar
nicht zn reden — übt. 'Es ist nämlich, wie zu er-
warten war, cine Anzahl von Bildern Münchener
Künstler von der internativnalen Ausstellung des
vorigen Jahres nach Berlin gekommen. Da wir diese
Gcmalde uuter der, wie wir noch einmal hervorheben
wollen, ganz vortrefflichen Beleuchtnng des Münchener
Glaspalastes und zwar bei der gleichen Tages- nnd
Jahrcszeit gcschcn haben, können wir kvnstatiren,
daß das Berlincr Licht nicht nnr ihre Wirkung erheb-
lich sckädigt, sondern anch die Physiognomie einzelner
— wir ncnncn nur „Die Rettnng der Edeliveiß-
pflückerin" von Matthias Schmid und „Die Über-
gabe von Warschan an dcn grvßen Knrsürsten" von
W. Räubcr — geradezu fälscht.

Man hätte in Berlin von den Münchenern lernen
können, wie man das Licht einfängt oder ablenkt,
verstärkt oder mvderirt, und viellcicht wäre schon durch
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