Kunstchronik: Wochenschrift für Kunst und Kunstgewerbe — 19.1884

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Kunstlitteratur.

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Hufen des Pserdes bis zum Kopfe des Königs acht
Meter Höhe haben. Dieselbe wird aus einem Posta-
mente von zwvlf Meter Höhe, von dem Niveau der
Plattform aus, zur Aufstellung gelangen. Die Be-
werber müssen ihre Modelle mindestens in der halben
Grvße einliefern. Am 28. Februar 1885 nachmittags
um 5 Uhr wird die Preiskonkurrenz geschlossen. Die
Ablieferung der auszustellenden Modelle beginnt bei
der „Königlichen Kommission für das Nationaldenk-
mal" in Rom am 31. Januar 1885. Dem Urheber
des besten Modelles wird die Ausführung übertragen.
Die Kommission behielt sich vor, mehreren Modellen
unter den nächstfolgenden bezüglich des künstlerischen
Wertes Geldpreise im Betrage von je 3000 Lire zu-
zuerkennen.

Aunstlitteratur.

Dkomraisn sdlVlsäaillss, xarlkran^ois Usnorniank,
äs l'Institul. karis, (^uantin. 8^. 328 S.
mit 151 Abbildungen in heliotypischem Druck.
Es ist die letzte Arbeit des durch vielseitige For-
schungen, insbesondere auch auf numismatischem Ge-
biete bekannten französischen Archciologen, welche in dem
vorstehend angezeigten Buche vorliegt. Auf seinem
langwierigen Krankenlager, von dem er sich nicht mehr
erheben sollte, hatte er es für die „UibliotlwHus äs
I'sussiAnsrnsut ckss bsaux-arts" verfaßt, — jenes Von
der Administration der schönen Künste patronifirte
litterarische Unternehmen, das sich die Verbreitung
ästhetischer und kunsthistorischer Kenntnisse in den
weiteren Kreisen des gebildeten Publikums zur Auf-
gabe setzt, und wovon auch in diesen Blättern schon
berichtet wurde (Jahrgg. XVII, Nr. 32 der Kunst-
chronik). — Es konnte nicht die Absicht des Verfasiers
sein, um dem vorgezeichneten Zweck zu entsprechen, eine
aussührliche Darstellung der Münzkunde vom national-
ökonomischen, rechtlichen, historischen,technischenundkünst-
lerischen Standpunkte zu geben, wie er ste für das Alter-
tum zum Teil in seinem leider unvollendet gebliebenen
Werke: „Us. Uonnais äans 1'L.ntiguitö" durchgeführt hat.
Es trat hier vielmehr der künstlerische Gesichtspunkt
in den Vordergrund, und in dieser Hinsicht ist die Lenor-
mantsche Arbeit unsres Wisiens der erste Bersuch, die ge-
samte Numismatik und die darin zur Geltung kommen-
den künstlerischenMomente zu übersichtlicher Darstellung
zu bringen. Die Ubrigen mitbestimmenden Faktoren
durften nur insoweit in die Betrachtung einbezogen
werden, als es entweder das Erfordernis eines orga-
nischen Zusammenhangs der Darstellung rnit sich
brachte, oder als sie sich auf die Entwicklung nach
künstlerischer Seite hin von entscheidendem Einfluß
erwiesen.

Diesen Hauptgesichtspunkt festgehalten, ergab sich
naturgemäß die Gliederung des Stoffes in zwei Haupt-
abschnitte, von denen der erste das Altertum, der
zweite die Renaissance, bis auf die Gegenwart zu
behandeln hatte. Es ist nicht die geschichtliche Ent-
wickelung allein, welche diese Einteilung rechtfertigt,
indem sie zwei große Perioden der Blüte, die —
wenn auch in verschiedenen Produktionen — einer
Wllrdigung von künstlerischcm Standpunkte aus gleich
wert erscheinen, durch einen weiten Zwischenraum fast
vollständiger Barbarei trennt, wie sie die langen
Jahrhunderte der künstlerisch trostlosen mittelalterlichen
Numismatik darbieten. Zwischen den beiden Perioden
besteht noch ein zweiter wesentlicher Ilnterschied, der
eine verschiedcne Behandlung derselben bedingt. Das
Altertum kannte nur die für Werttausch und Zirkulation
bestimmte Münze; die modernen „Medaillen" waren
ihm etwas ganz Ilnbekanntes. Jn den stets wieder
aufs neue durchgebildeten Typen der laufenden Geld-
münzen schufen die antiken Münzgraveure und Präger
die so überaus reiche Folge von Meisterwerken in ihrer
Art, auf denen sie die religiösen Repräsentationen, das
Andenken an nationale Feste und Ereignisie, die ge-
feierten Schöpfungen der bildenden Künste verewigtcn.
Die Medaille dagegen gehört der italienischen Re-
naissance an, als selbständiges Kunstwerk oder als Er-
innerungszeichen für sich bestehend und unabhängig
von den MUnzen des täglichen Verkehrs ihren eigenen
Zwecken dienend. Hiernach sondert sich denn auch die
Betrachtung des antiken und modernen Münz- und
Medaillenwesens in der Art, daß wir es bei jenem —
ganz verschwindende Ausnahmen abgercchnct — bloß
mit Münzen, — bei diesem dagegen in erster Linie
mit Medaillen zu thun haben, denn seine Münzen
in engerem Sinne haben mittelmäßigen Kunstwert
und bieten deshalb für uns viel geringeres Jnteresie
als die antiken.

Der erste, der Antike gewidmete Hauptteil unseres
Buches zersällt in zwölf Kapitel. Jm ersten behan-
delt der Verfasier den Ursprung des Münzwesens und
seine Verbreitung bei den Völkern der alten Welt in
übersichtlicher Skizze; das zweite beschäftigt sich mit
den für die Mllnzprägung angewendeten Metallen und
Legirungen; das dritte giebt eine Übersicht des bei
jener üblichen technischen Verfahrens im allgemeinen,
sowie der Herstellung von Spezialitäten, wie der uunrini
insnsi und ssrrali, der Brakteaten und Skyphaten
(sog. Regenbogenschüsielchen); das vierte bespricht die
einzigen gegossenen Münzen des Altertums, — das
römische ass gravs, und die nächsten beiden Kapitel be-
handeln dieOrganisation undEinrichtung der griechischen
und römischen Münzstätten und stellen die ziemlich spär-
lichen Nachrichten zusammen, die über die griechischen —
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