Kunstchronik: Wochenschrift für Kunst und Kunstgewerbe — 19.1884

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Die Radirmigen der beidsn Christian Georg Schiitz. — Kunstlitteratur.

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und daß dcshalb das „rund" inteudirte Zeughans ihm
zuzuschreiben sei, brauche ich wohl nicht zu antworten-

Beriicksichtigung verdient Lagegen die Bemerkung,
daß Blvndcl 1686 gestorben, das Zeughaus abcr erst
1695 begvunen sei. Jch verweise wieder aus Adlers
Anfsatz in der Erbkamschen Zeitschrist, iu welchem aus-
drücklich gesagt ist, daß der große Kurfürst schon in
den achtziger Jahren deu Ban des Zeughauses beab-
sichtigt habe. 1695 wnrde der Grundstein gelegt, —
womit durchaus nicht erwiesen ist, daß dcr Bau nicht
schvu zicmlich vorgeschritten, der Plan aber längst fest-
gesteklt war. Anch Eosander Vvn Gvthe feiertc eine
Grnudstcinlegung am halbfertigcn Bertiucr Schlvß.

Betreffs meiner Andcntnng übcr das Altcr Neh-
rings bekenne ich meinen Jrrtum.

Die Radirungen der beiden (Lhristian GeorgHchütz.

Über die radirten Blättter dcr beidcn Frauksurter
Maler Christian Gevrg Schütz herrscht vielfach Ver-
wirrung. Der ältere, dessen sehr zahlreiche Gemälde
sich noch immer eines guten Rufes erfreuen, lebte von
1718—1791, der jüngerc, sein Ncffe, vvn 1758 biö
1828. Füßli sagt in seinem Küustlcrlexikvn, II. Tcil,
S. 1552, Vvn den Radiruugen des Ohcims: „Jm
Selbstätzen hatte er nur einen Bersuch mit vier kleinen
Landschaften gcmacht, zlvei nach C. Huhsmans, mit
denen er selbst sehr unzufrieden war, und mit zwci
anderen nach eigcner Erfinduug (1783), von dcucn das
cine cbcn auch nicht sehr gclungen ist." Die bciden
Blättchen nach Huysmans sind uach Bildern in der
ehemaligeu Sammlung des Chr. L. v. Hagedorn und
zlvar im Jahre 1749 entstanden, wic deutlich daranf
zu lesen ist. Seitdeni jedoch Rudvlf Weigel in seiucm
Knnstlagerkatalvg, Nr. 8988, die Jahreszahlen als1799
angegeben hatte, gcltcn diese Blätter als Werke des
jüngeren Schütz. Nvch im Handbuch für Kupferstich-
sammler von Heller-Andresen ist dies der Fall. Eiu
weiterer Jrrtum findet sich in dem lctztcren Werke, indem
bei dcm Blatte mit der Burg nur von cincm Fuß-
gängcr im Hohlweg gesprochcn wird, während es drei
gehende Gcstaltcn sind, indessen ein auderer Labei sitzt.
Nicht minder irrt sich Nagler, Künstlerlepikon, wenn
er in diesem Blatte (nur dies kann bei ihm gemeint
scin) eine Ansicht von Heidelberg erblickt. Jhn ver-
führte dazu die Situativn der Stadt mit der Burg
im Mittelgrunde; in Wirklichkeit ist jedvch nnr eine
oberflächliche Ähnlichkeit vorhanden, vvn Heidelberg
kann gar keinc Rede sein. Auch seine Lesung der Unter-
schrist auf dem Gegenstück dieses Blattes ist irrig, es
scheint nämlich dazustehen: 0. 6. Lostülr: Iso. Uranoo-
turti (dies in Vcrkürzuug und uudeutlich) 1783. — Ver-

wirrt sind ferner seiuc Angaben über die zwei Radi-
rnngen, welche wirklich dcr Neffe Schütz gefertigt hat.
Es siud dies zwei Gegenstücke. Anf dcm cincu fiuden
wir rechts unten im Bildc sclbst geätzt: „Loliütr: lo
Hoveri", ferner als Untcrschrift: „Rnine des Schlvsses
Ehrenfels am Rhein. Gezeichnet und geätzt von
Schütz (dem Vctter)". Auf dcm anderen steht bloß
„Rnine des Schlvsses Banzbcrg am Rhein. Gezeichuet
und geätzt Vvn Schütz dem Vetter". Diese Unter-
schristen sind mit dem Grabstichel gearbeitet.

Wilhclm Schmidt.

Aunstlitteratur.

Frimmel, Dr. Th., Zur Kritik vvn Dürers Apvka-
lppse uud seincs Wappeus mit dem Toten-
kvpfe. Wicn, Carl Gcrvld's Sohn. 1884. 43 S. 8.

Beide kleine Studien behandeln ikonographische
Fragen, und zwar im Anschluß an Thausings Dürer-
wcrk: wie der Berfasser iu dem Borwvrt sagt, war
der Druck der zweiten Auflage dieses Buches schvn zu
wcit gcdiehen, als daß eine mit Thausing stattgehabte
Unterrednng nvch cine Rücksichtnahme auf die ein-
schlägigen Abschnitte hättc bewirtcn können. Der Vcr-
fasscr nnterschcidet iu seincr Untcrsuchuug über die
Apokalypse iu erfrenlichcr Weise scharf zwischen ikvnv-
graphischer Tradition und künstlerischer Originalität:
in Bezug anf jcne hat sich Dürer an seine Vvrbilder
angeschlossen, jedoch sv daß er in noch entschiedenerer
Weise sich an dcn biblischen Tcpt hielt; in künstleri-
scher Beziehung ist er durchaus originell, „fast in jeder
Figur und Linie" (S. 19). Jm besondcrcu weist
Frimmel uach, daß als Engel „Männergcstalten schou
lange vvr Dürer und danu wieder bei seinen unmittel-
barcn Vorgängern zu fiuden seien", und widcrlcgt den
Jrrtum „als seien Kindcr oder gar Mädchcn (svll
wohl heißen: Knaben oder gar Mädchen!) als Engel
in den Apokalypsen vor Dürer herkvmmlich gewescn"
(S. 18). Diese Ausführung ist um so interessanter,
als sie einen gerade jetzt wicderholt bchandelten
Gegenstand berührt; dic Frage nach dem Zusammen-
hange der Dürerschen Apvkalypse mit ihren Vor-
gängern beziehentlich ihrer Originalität dicsen gegen-
über hat kürzlich anch deu Gegenstand eincr Preisfrage
der Berliner Akademie gebildct. Die zwcite Unter-
snchuug wendet sich zu dem „Wappen des Todes". Um
sestzustellen, ob hier der hinter der Brant stehende
Mann den Tod bedeuten könnte, nutersucht der Vcr-
fasser, wv und wie svnst Dürcr den Tod dargestcllt
habe (S. 23). Jn Bezug anf das Blatt „Der Tod
und das Weib" kommt cr zu dem Resultat, daß nicht,
wie Retberg und Thausing es thun, der Tod als „wilder
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