Kunstchronik: Wochenschrift für Kunst und Kunstgewerbe — 19.1884

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Nr. 39.

sy. Iahrgang.
Beiträge

smd an j?rof. Dr. L. von
kützow (wien, There-
sianumgasse25) oderan
die verlagshandlung in
kcipzig, Gartenstr. 8,
zu richten.

2^. Iuli

Inseratc

ä 25 j?f. für die drei
Mal gespaltene ssetit-
zeile werden von jeder
Buch- u. Kunsthandlung
angenonimen

s88^.

Beiblatt zur Zeitschrift für bildende Kunst.

Lrscheint von Gktober bis Lnde Iuni jede woche am Donnerstag, von Iuli bis Lnde September alle Tage, für die Abonnenten der „Aeitschrift
für bildende Runst" gratis; für sich allein bezogen kostet der Iahrgang 9 Mark sowohl im Buchhandel als auch bei den deutschen

und österreichischen ssostanstalten.

Inhalt: Das Nationaldenkmal für viktor Lmanuel in Nom. — b'. I^enormant, ^lonnaies et lVleäallles. — George Gsterwald f; Talvi -f;

Lharles Tissot s. — Ausgrabungen in s)ompeji. — Münchener Runstverein. — Totenfeier für Ludwig Nichter in Dresden; Apostel-
statuen für die Rirche von San j)aolo fuori le mura; Aapelle für das Grab j)ius' IX. — verkauf der Sammlung Lountaine. — Inserate:

Kunstchronik Nr. 40 erschcint am 7. Auisust.

Das Nationaldenkmal für Viktor Lmanuel
in Rom.

4. L. Nach der zweiten Prcisbewerbung fiir den
besten Entwurf zu dem großen Ncitivnaldenkmal Viktor
Emanuels auf dein Kapitol in Rom wurdcn von der
kvnigl. Koinmission drei Künstler preisgekrvnt und be-
auftragt, ihre Entwürfe zu einer engeren Konkurrenz
in plastischer Form einzureichen. Diesc drei Künstler
waren der Architekt Graf Sacconi ans Fermo, der
Architekt Manfredi ans Piacenza und dcr deutsche
Architekt Bruno Schmitz aus Düsseldorf. Keiner dcr-
selbcn hat das dreißigste Jahr überschrittcn.

Die unter dem Vorsitze des Ministerpräsidenten
Depretis aus 18 Mitgliedern — zu zwei Drittel
Künstlern — bestehende Kommission hat sich jetzt sür
das Projckt des Architekten Sacconi entschieden, wel-
ches somit zur Ausführung gelangen wird. Das Geld
(in Sumnia 9 Millionen Lire) liegt dazu in der Staats-
kasse, teils vom Parlament bewilligt, teils zusammcn-
getragen durch freiwillige Beiträge, bereit.

Der Entwurf Sacconi's, dessen Wahl einstimmig
von der vffentlichcn Meinung in Rom gebilligt wird,
veranschaulicht eine große offene korinthiset»- Säulen-
halle mit zwei Seitenflügeln, welche den Gipfel der
Nordseite des Kapitols in der Weise krönen soll, daß
das Gebäude sich niit dem Nücken der Länge nach
an die Nordflanke der Aracoelikirche anlehnt und niit
der Front auf die Axe des Corso hinüberschaut. Die
Halle ist innerlich niit geschichtlichen Reliefs geschmückt,

auf der Attika thronen große Gruppen mit Triumph-
wagen rc. Die Attika ist durch ebenso viele Statuen
berllhmter Münner gegliedert, als Säulen vorhanden
sind. Vor der Halle erhebt sich in vierfacher Lebens-
grvße die Neiterstatue des Königs. Zu dem Btouu-
ment sührt vom Corso, resp. vvn der Piazza Venezia,
eiu sehr edel gehalteneS Systcm von rechteckigen Ram-
pen mit Treppen hinauf. Am unteren Eingange zu
zu den Rampen besinden sich rechts und links Spring-
brunnen. Der Entwurf ist schön und Roms würdig.
Man zweiselt aber darau, daß die vorhandenen neun
Millionen zur Ausführung hinreichen.

Dem Architekten Manfredi, über dessen Entwurf,
was Geschmack anbetrifft, die Ansichten sehr geteilt sind,
hat die Kommisfion eine Ermunterungsprämie von
10 000 Lire zngefprochen. Daß sie nicht ein gleiches
that bezüglich des Schmitzschen Entwurses, ist eine
Ungerechtigkeit; denn so tüchtig auch der technische Teil
des Mansredi'schen Entwurfes ist, so kann sich der-
selbe mit der großartigen Einfachheit des Entwurfes
von Schmitz durchaus nicht messen. Entweder mußte
die Kommission keinem der beiden nicht zur Ausführung
kommenden Entwürfe eine Prämie geben, oder allen
beiden, nachdem man dieselben unter Hundertcn zur
engeren Wahl zwischen den Werken von drei Künstlern
zugelassen hatte. — Über die Reitcrstatue hat dic Kom-
missiou nicht schlüssig werden können. Sie hat des-
halb für diese eine neue, letzte Preisbewerbung aus-
geschrieben.

Die Statue soll aus Bronze sein und von den
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