Kunstchronik: Wochenschrift für Kunst und Kunstgewerbe — 19.1884

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Nr. 35.

1Y. Iahrgang.
Beiträge

smd cm s)rof. Dr. L. von
kntzow (wien, There-
sianumgaffe25) oder an

H2. Iuni

Inserate

ü 25 j?f. für die drei
Mal gespaltene s)etit-
zeile werden von jeder
Buch- u. Runstbandlung
angenommen

s88^.

Beiblatt zur Zeitschrift für bildende Kunst.

Lrscheint von Vktober bis Lnde Iuni jede woche am Donnerstag, von Iuli bis Lnde September alle Tage, für die Abonnenten der „Zeitschrift
für bildende Aunst^ gratis; für sich allein bezogen kostet der Iahrgang 9 Mark sowohl im Buchhandel als auch bei den deutschen

und österreichischen ssostanstalten.

Achtermann f; G. Tolombo f; L. Latenacci s. - - Bittore s)isano's Lresco im Dogenpalast. — L. ^umann. — Lord Ashburnhams
Bücherschätze. — Straßburger Münster; Lrauenkirclie zu Lßlingen; Austrastscher Aönigspalast in Metz; 2lus Innsbruck. — verkauf der
Bibliothek des Herzogs von Hamilton; Auktion Lastellani. — Neuigkeiten des Buch- und Aunsthandels. — Inserate.

Die historische Goldschmiede-Ausstellung
in Budapest.

Während der letzten Monate Largen die Gemälde-
süle des ungarischen Nationalmusenms eine Ausstellung
von älteren Arbeiten der Gold- und Silberschnnede-
kunst, wie sie in ähnlicher Fütle uns noch keine andere
Fachausstellung geboten hat. Wohl enthielten die
Ausstellungen zu Münster 1879 und Düsseldorf 1880
weit mehr kirchliches Silbergcrät: aber ein ähnliches
großartiges Gesamtbild der edlen Goldschmiedekunst ist
noch niemals gesehcn worden. Man darf es als ein
erfreuliches Zeichen begrüßen, daß der neubegründete
ungarische Staat sich bemttht, auch anf dem Gebiete
von Kunst und Wissenschaft den llbrigen Nationen es
gleich zu thnn, in friedlichem Wettstreit mit anderen
Vvlkern die idealen Güter fördert und pflegt, durch
ernst angelegte Unternehmungen die Denkmäler der
Bergangenheit zn erforschen und zu erhalten sucht.

Eine Lcistung wie die Budapester Ausstellung ist
nur zu erzielen durch das cinmütige Zusammenwirken
aller Faktoren. Und so haben sich denn auch hier
alle Kreise nnter fvrdernder Teilnahme der Regiernng,
des National- und Kunstgewerbemuseums in edlem
Wettstreit beteiligt, etwas Großes zu schaffen.

Ungarn ist ein uraltes Goldland; alle Völker-
stämme, die hier einst saßen, haben das edle Metall
gewonnen und verarbeitet: Dakcr und Römer, Deutsche
und Ungarn, alle haben Denkmäler ihrer Kunstfertig-
keit hinterlassen. Bis heute blüht die edle Kunst noch
in einzelnen Gegenden, sertigt man Schmuck nach den
Mustern der Väter. Einzelne Techniken und Kunst-

sormen sind es vorwiegend, die gewisien Gruppen
der Ausstellung einen besonderen Stempel aufdrückten,
Techniken, die man heute wohl als national-ungarische
bezeichnen kann; es ist damit nicht gesagt, daß sie in
Ungarn entstanden sind. Der Prozeß ist einfach so zu
denken, daß die Techniken des Filigrans und Filigran-
emails, früher allgemein gekannt und geübt, in Ungarn
— stcts in seiner heutigen Ausdehnnng verstanden —
sich erhallen haben, während sie anderwärts ausge-
storbcn, verdrängt sind. Den Bauernschmuck der Elb-
marschen, Norwegens, Jtaliens trugen ehedem auch
vornehme Damen; später erschien er höheren Kreisen
nicht würdig genug und mnßte andern Formen weichen.
Wir sind gewohnt, dem Filigran meist nur beim
Schmuck zu begegnen; auch in Ungarn, vor allem in
Siebcnbürgen, ist der Filigranschmuck zu Haus. Zu
den malerischen Trachten der Völker Ungarns gehört
reicher Schmuck, namentlich prächtige Gürtel mit mäch-
tigen Schlössern nnd anderem Zierat, die regelmäßig
mit Filigran, meist emaillirtem, geschmllckt sind. Von
diesen Arbeiten bot die Ausstellung ein überreiches
Material: Schmuck reihte sich da an Schmuck, durch
Jahrhunderte konnte man den Weg dieser Kunst dcnt-
lich verfolgen. Eine weitere, anderwärts unbekannte Ver-
wendung fand das Filigran speziell in Ungarn zum
Schmuck von Kirchengerat, namentlich Kelchen. Hier zieht
sich das Filigran wie ein feincs Netz über den meist im
Sechspaß gestalteten Fuß und Nodns — mit oder ohnc
Email. Namentlich die Kelche mit Filigranemail, deren
weit über hundert Stttck ausgestellt waren, gehörten zn
den interessantesten Objekten der Ausstellung. Vom Ende
des 15. Jahrhunderts bis in unsere Tage konnte man
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