Kunstchronik: Wochenschrift für Kunst und Kunstgewerbe — 19.1884

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tz27 Nekrologe. — Todesfälle. — Kunsthistorisches. — Personaluachrichten. — Kunstvereine. tz28

— mit der Hadrianischen Briicke und der Engelsburg

— zn geben.

Als besonders wichtig wurde von den Autoren
der von Taddeo di Bartolo im Jahre 1413—1414
im Saale des Rathauses von Siena gemalte große
perspektivische Plan der Stadt Rom bezeichnet.

Die Studien Stephensons und Erculei's erstrecken
sich auf die Zeit von Cola di Rienzi bis zu der Sixtus' V.,
von welchem Zeitpunkte an ein grvßer Teil Roms banlich
umgcstaltet wurde. Eine Darstellung dieses Umbaues
befindet sich auf cinem perspektivischen Plane Roms, in
cinem besondercn Saale der vatikanischen Biblivthek.
Jm Zusammenhange mit demselben stehen eine Reihe
von Frescobildern in den Rciumlichkeiten der genannten
Biblivthek, in dem Palazzv Lateranense, in dcr Vitla
Massimo, bei den Thermen des Diokletian, in der
Villa Bvnrbon del Monte rc.

4. L.

Nekrologe.

U. Anton Zwenganer, dsr nach langem, schmerzhaftem
Leiden ain 13. Juni an den Folgen einer tltierenkrankheit in
München starb, war ebendaselbst am 11. Oktober 1810 gs-
boren. Er begann seine Kunststudien im Antikensaal der von
Cornelius geleiteten dortigen Akademie, begriff aber bald,
daß auf diesem Wege für seine Jndividualität kein Lorbeer
zu pflücken sei, und versuchte es, sich auf eigene Faust zum
Laudschaftsmalsr zu bilden und zwar legte er damals gleich
das Hauptgewicht auf die Farbe. Nachdem er seine ersten
derartigen Naturstudien im nahen Hochlande gemacht und
sie in mehreren freundlich aufgenommenen Bildern verwertet
hatte, machte er die Darstellung des Sonnenunterganges bei
wolkenlosem Himmel und in einer von Bergen abgeschlossenen
Ebene, meist mit Teichen, zu seiner Spezialität und erwarb
sich dadurch eine außsrordentliche Popularität; in Künstler-
und diesen nahestehenden Kreisen Münchens nameutlich hieß
ein solcher Sonnenuntergang kurzweg ein „Zwengauer". Die
Sonnenscheibe zeigte der Künstler wohlweislich nie, hielt
vielmehr regelmäßig einen dem Verschwinden derselben fol-
genden Augenblick fest. Er verstand es, mit nur wenigen Mit-
teln jene feierliche Ruhe der Natur meisterhaft wiederzugeben,
welche diesem poetischen Augenblicke mehr oder unmittelbar
folgt, uud in der Tarstellung der hehren Klarheit des un-
bewölkten Himmelsgewölbes in solchen Momenten hat ihn
kein anderer erreicht. Zwengauer trat im Jahre 1841 im
Münchener Kunstverein mit einem „Mittag auf der Alpe"
auf, der sofort seinen Ruf begründste. König Ludwig zählte
bald zu ssinen wärmsten Verehrern und erwarb zwei seiner
bedeutendsten Arbeiten, um sie der Neusn Pinakothek einzu-
verleiben. Der offizielle Katalog dieser Sammlung bezeichnet
sie, wie folgt: „Ebene Landschaft mit einein Weiher bsi Son-
nenuntergang und wolkenlosem Horizoute. Jm Vordergrunde
weidet ein Hirsch", und „Die Benediktenwand bei Benedikt-
bsuren im Abendlichte mit der Fernsicht auf den Staffsl-
und Riegsee". Der Notiz über das erste Bild wärs noch
beizufügen, daß den Horizont die pittoresken Formen des
Wetterstein-Massivs mit der Zugspitze abschließen. Jm städti-
schen Museum zu Leipzig sieht man sin größeres Bild „Nach
Sonnen-Untergang, Hirschs als Staffage", in der Swant-
reep'schen Galerie in Christiania die „Vier Tageszeiten"
(1858) rc. Sein erst jüngst vollendetes letztes Bild weist
einen mit seinsr Herde heimkehrenden Hirten als Staffage
auf und wurde von der Wimmerschen Kunsthandlung er-
worben. König Maximilian, der Zwengauer nicht minder
hochschützte als sein Vater, ernannte den Künstler 1853 zum
Konservator der kgl. Gemäldegalerie zu Schleißheim, in wel-
cher Stellung er bis 18119 verblieb, in welchem Jahre er zum
Konservator nn der kgl. Pinakothek in Münchsn befördert

wurde. Zwengauer war ein Mann von edelster Gesinnung
und seltener Liebenswürdigkeit. Bis zum letzten Atemzuge
seiner Kunst treu anhänglich, sah er sich mit tiefem Schmerzs
währendder letztenneunMonate seinesLebens durchkörperliches
Leiden zur Thatlosigkeit verurteilt, während er sich die ganze
Jugsndfrische seines Geistes bewahrt hatte. Die lebhafte Be-
teiligung an seiner Bestattung ließ neuerlich erkennen, wie
geschätzt und geliebt der Künskler gewesen.

0. v. 4. Der Bildhauer Zean Esprit Marccllin, ein
Schüler Ruds's, ist am 23. Juni in Paris, 63 Jahre alt,
gestorben. Von seinen Werken ist die „Bakchantin auf dem
Rücken eines von Amor geleiteten Panthers" das bekannteste
(Luxembourg). Außerdem schuf er die Statuen: „vouesur"
(1860) und „Druit-ck'uuiou" (1867), die Gruppen „Driomplis
äs Es.1s.tve", „Leda und Jupiter" und „Lsissr äs psix",
sowie die Büsten von Rude (1879) und Mirabeau (1880).
Als Dekorationsbildhauer war er bei den Arbeiten am neuen
Louvre und der Restaurirung der Sorbonnekirche beteiligt.
Seinem Stil nach gehörts er jener Richtung der Klassizisten
au, die dem Realismus zuneigen; in der Formengebung
versiel er oft in zu glatte Detaillirung, in den Hang zum
Weichen, Gezierten, der seinsn Schöpfungen Kraft und Cha-
rakter raubte.

4. L. Todesfälle. Am 28. Mai starb in Rom nach kur-
zem Kranksnlager der schweizer Maler Zürcher. Derselbe
lebte viele Jahre in der ewigen Stadt. — Jn Bologna
starb am 2. Juni der Geschichtsmaler Luigi Busi, Professor
an der dortigen Akademie der schönen Künste. Als sein bestes
Gemülde gilt .,Der Tod Tasso's". Jn den letzten Jahren
beschäftigte sich der Künstler, wslcher in Bologna wohl den
ersten Platz unter den zeitgenössischsn Malern einnahm, nur
mit der Genremalerei.

Auiisthistorische5.

— Aus Trier schrsibt man der „Köln. Ztg.": Jn Neu-
magen haben die Ausgrabungen der letzten vierzehn Tage
glünzende Ergebnisse gehabt. Massenhaft sind Skulpturen
und Gesimsstücke aus den Fundamenten der mittelalterlichen
Burg hervorgezogeu worden; und was das Erfreulichste ist:
von einem Teil der aufgefundsnen Skulpturen ergiebt sich
der Tr. Ztg. zufolge, daß sie zu einem und demselben Denk-
mal gehörten und unmittelbar an einander pasfen: andere
bringen Vervollständigung zu schon im Museum befindlichen
Reliefstücken. Es ist die begründets Hoffnnng vorhanden,
daß wir das eine oder andere dieser Grabdenkmäler, von
denen einige in ihrer Größe und ihrem Umfang der Jgeler
Säule nicht wesentlich nachgestanden haben, größtenteils
werden zusammensetzen können.

personalnachrichten.

X.— Bruno Meper giebt zum 1. Oktober d. I. seine
Professur der Kunstgeschichts am Karlsruher Polytechnikum
auf und siedelt dsmnächst wieder nach Berlin über.

6. v 4. Dcr Malcr Ernest Hsbert, bisher Professor
an der Leoie üss bssux-srts wurde von der ^.vsäsinis äss
1>ssux-srts für die nüchsten fünf Jahre zum Direktor der 4.os-
äswis trsugsiss in Rom erwählt.

Aunstvereine.

41. 4. Dic historische Kommission dcr Provinz Sachscn
hielt am 21. und 22. Mai in Halle a. S. ihre zehnte Jah-
ressitzung ab. Einen der wichtigsten Beratungsgegenstände
bildete das neu eröffnete Provinzialmuseum, das mit
seinem Jnhalt sich zwar zumeist auf die vorgeschichtliche Zeit
bezieht, jedoch auch nicht unbedeutende Kunstaltertümer aus dem
Mittelalter und derRenaissance enthält; als Schätze vonhervor-
ragender Bedeutung dürften die bsiden Zimmereinrichtungen
zu bezeichnen sein, welche aus dem vor kurzem abgebrochenen
Thalamtshaus der Halle'schen Salzsieder, der sogenannten
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