Kunstchronik: Wochenschrift für Kunst und Kunstgewerbe — N.F. 26.1915

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Das Marktbild von Ypern

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Stadtplan von Ypern aus dem Jahre 1575, von O. Braun

eines monumentarmen Riesenrechteckes nicht ent-
ging, weil die an seinen Wänden und auf seinem
Plane stehenden Baukörper, zum guten Teil aus un-
ansehnlichem Holzwerk1), in keinem ausgeglichenen
Verhältnis zu dem umschlossenen Freiraume standen,
der sie erdrücken mußte. Unter ungefährer Beibehal-
tung der für die Hauptkirche und die Tuchhalle von
älteren Anlagen angegebenen Situationen betrifft also
die Neugestaltung eine großzügige Veränderung der
Verhältnisgebung.

1) Wie es vor dem Kriege die Beispiele des gotischen
Hauses am Liller Tore und die beiden hölzernen Giebel der
Schöffenkapelle im Hofe der Tuchhalle bewiesen.

Wohl geht die Tuchhalle, die Graf Balduin von
Flandern 1200 gründete und das Jahr 1304 vollendet
sah, voran, die Hauptkirche mit dem Chor von 1221,
dem Langhaus und Querschiff von 1254 folgt nach,
aber im ganzen war die Kirche früher fertig, — der
gleiche Geist ist hier und dort am Werke, und es
empfiehlt sich aus Gründen der Übersichtlichkeit, die
Ausgestaltung der Nordwand, der die Kathedrale an-
gehört, bei der Betrachtung des ausgereiften mittel-
alterlichen Marktbildes voranzustellen.

Die Domkirche bot dort ihre südliche Langseite,
trat hinter die Fluchtlinie des östlich benachbarten
Blockes kräftig zurück und griff ihrerseits mit dem
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