Der Kunstwart: Rundschau über alle Gebiete des Schönen ; Monatshefte für Kunst, Literatur und Leben — 20,2.1907

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der Bewegung ein. Der Band wird
nicht nur den Hunderttausenden der
Besucher eine willkommene Gabe
sein: er ist auch ein „Dokument"
und sollte gleichzeitig von denen
zu Rate gezogen werden, die die
Ausstellung nicht besuchen konnten.

Freilich muß man für diese Käufer
das Fehlen farbiger Abbildun--
gen mit genauen Angaben des ver--
wendeten Materials bedauern. Die
Farben-Photographie hätte gerade
hier, scheint uns, einen sehr prak--
tischen Zweck zu erfüllen gehabt.

Ansre Bilder und Noten

Das Dünenbild des jungen kölnischen Malers Hubert Nitzen-
hofen, das diesem Heft vorgesetzt ist, ward in der Kölner Kunstausstel-
lung des vorigen Iahres wie wenige andre Bilder bewundert. Bist du
schon in den Dünen bei Mondschein umhergezogen, Leser, oder tust du
das vielleicht gerade an diesen Abenden jetzt? Weißt du, wie sich dann
alles, was Hügel ist, zu Bergen aufreckt, wie die Aussichten schier ins
Amendliche wachsen, wie die Stille rings von Lebendigem und von Totem
zu flüstern beginnt, wie sich das Einst längst vergangener Arweltsjahr-
tausende um dich auszubreiten scheint? Ritzenhofen hat von all dem
viel in sein leises Bild gebannt. Das friesische Liebespärchen, das drin
herumtappt, gehört zur Natur, wie der Sandhase, den sie, wie's scheint,
gerade beim Aufhuschen beobachten. And wie die Möwe, die nun durch
die feierliche Mondstille (was sür ein Himmel ist das!) ihr kaltes Ge-
lächter gellen oder ihr klagehaftes Geschrei tönen lassen mag.

Oscar Frenzel ist vor allem Tiermaler, und so hat sein Küsten-
bild ganz andern Lharakter. Kein Nordseestrand, sondern Sylter „An-
wuchs" auf der Wattenmeerseite dem Schleswiger Festlande gegenüber.
Ein ganz ähnliches landschaftliches Motiv, wie es Müller-Breslau zu
seinem „Lhristus in der Einsamkeit" (Kw. XVIII, (2) vollkommen anders
verwendet hat. Vorn noch etwas Geest, Ausläufer des Heidesandes, daun
der schmale Marschstreifen, bis Sand und Schlick beginnt. Gemeinde-
land, auf das die Dörfler von weither ihr Vieh treiben. Alles einfach
sachlich wiedergegeben ohne den Versuch und ohne den Wunsch, diese
Landschaft in ihrem besonderen Wesen monumental zu schildern.

Etwas der Art immerhin versucht Felix Krause, und nicht
ohne Glück. Die Ostseeinsel Hiddens-öe südlich vom Dornbusch, dort, wo
sie ganz flach ist, mit einem ihrer alten Rügenschen Fischerhäuser. Äbers
ganze Bild weg der Strand mit dem doppelten, dreifachen Silbersaume
der Brandung unter dem dichtwolkigen Himmel, der Regenböen auf Regen-
böen schickt. Wer unsre Küsten kennt, der weiß, wie sehr der Maler
dieses Leben gefühlt und wie wahrhaftig und kraftvoll einfach er es dar-
gestellt hat.

Noch eine Illustrationsbeilage: „Wie man anbaut". Ein großes

2. Augustheft (907

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