Der Kunstwart: Rundschau über alle Gebiete des Schönen ; Monatshefte für Kunst, Literatur und Leben — 20,2.1907

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lenden dritten Lebensjahrzehnt der
Zeitschrift stehen, richtet der Ver--
treter des sehr Irdischen, des Ge-
schäftlichen, mit andern Worten:
richtet der Verlag des Kunstwarts
an alle seine Freunde die Bitte um
Amterstützung bei der weiteren Ver-
breitung des Blattes. Die persön-
liche Weiterempfehlung der Leser
ist's gewesen, was den Abnehmer-
kreis des Kunstwarts verzwanzig-
und vervierzigfacht und damit die
Mittel zu seiner und zu seiner Ge-
danken Entwicklung geboten hat.

Nun der große Schritt über die
Kunstgebiete hinaus gewagt werden
soll, brauchen wir die Hilfe der
Getreuen erst recht. Alle privaten
Empfehlungen unterstützen wir mit
Vergnügen, indem wir unter Adres-
sen, die uns auf der heut bei-
liegenden Postkarte aufgegeben wer-
den, Probehefte unberechnet ver-
senden.

Zur Bestellung von Einband-
decken für das jetzt abgelaufene Halb-
jahr liegen gleichfalls Bestellkarten
bei. Georg D. W. Callweh

Attsre Bilder und NoLen

An die Spitze dieses Heftes gehört, als Huldiguug für den Heim-
gegangenen, Ioachims Bildnis. Wir bringen's in einem Steindruck
nach der großen Lithographie von Willy von Beckerath.

Hans von Volkmanns kraft- und stimmungsreiches Gewitter-
bild läute den von der Reise Heimkehrenden gleichsam den Sommer aus.

Der Zweiplattendruck nach Walter Georgi lasse den Großstädter
noch einmal zurückdenken an die „alten Nester", die an seinem Wege
lagen — ich weiß nicht, aus welcher Stadt diese Ansicht genommen ist,
sie könnte aus Bamberg, sie könnte auch anderswoher sein, wo der Fluß
in malerischem Scherztanz mit den Bildern ehrbarer alter Buden spielt.

Die Benno Elkan gewidmete Beilage schließlich erläutere den
kleinen Rundfchaubeitrag über Medaillen. Mit dem nächsten Hefte nehmen
unsre Illustrationsbeilagen wieder die Beiträge über „Geschmack im All-
tag" auf.

Unsere Notenbeilage bringt zunächst ein Stück altgriechischer Musik,
den Hymnus „An die Muse" von Dionysios, der frühesten im
2. Iahrhunderl n. Chr. lebte. Dieser späthellenische Gesang aus der Ver-
fallszeit der antiken Kunst gibt uns mit seiner fortreißend quellenden
Melodik einen sehr vorteilhaften Begriff von der Musik der Alten. Unsere
Bearbeitung hat an der Originalweise nicht das mindeste verändert und
bloß eine Klavierbegleitung hinzugefügt. Rnd nun sehe man zu, wie
natürlich und verständlich uns das Lied durch diese harmonischen Be-
ziehungen wird, so daß man gar nicht begreifen kann, wie sogar neueste
Musikgeschichten, z. B. die doch von einem klassischen Philologen ge-
schriebene Spiros, den Hymnus an die Muse als ungenießbares Zeug
abtun. Ich meine, daß jede Altistin dieses in wahrer Parsifal-Weihe aus-
klingende Stück mit Vergnügen auf ihr Konzertprogramm setzen wird. —
Lin großzügiges Lürmerlied nach Fouque von einem der Öffentlichkeit
bisher nicht bekannten jüngeren Komponisten, Robert Conta (aus
Wien), möge diesen seltsam begabten neuen Mann in der Musikwelt
einführen, die von ihm bald mehr und größeres zu hören bekommen wird.
Zuletzt unsern Lesern die Nachricht, daß unsere Vorarbeiten nun soweit

2. Septemberheft (907

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