Brunn, Heinrich von
Geschichte der griechischen Künstler (Band 2): Die Maler. Die Architekten. Die Toreuten. Die Münzstempelschneider. Die Gemmenschneider. Die Vasenmaler — Stuttgart, 1889

Seite: 33
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II. Polygnotos und seine Zeitgenossen.

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Panaenos

wird von Strabo (VIII, p. 354 A) Vetter {döekqiiSovg) des Phidias genannt, und
es ist wohl nur einem loseren Sprachgebrauche zuzuschreiben, wenn Pausanias
(V, 11, G) und Plinius (35, 54 u. 57; 3G, 177) ihn als Bruder bezeichnen. Dass
der sonst unbekannte Maler Pleistaenetos, welcher von Plutarch (de glor. Ath.
p. 346 B) gleichfalls als Bruder des Phidias angeführt wird, wahrscheinlich mit
Panaenos identisch ist, hat schon Müller (de Phid. p. 8) bemerkt. Plinius (35, 54)
nun setzt ihn in Ol. 83, was etwa auf die mittlere Zeit seiner Thiitigkeit be-
zogen werden muss. Denn schon früher, in der kimonischen Periode, malte
er mit Polygnot (w. m. s.) und Mikon in der Poekile; später, nemlich in der
86sten Olympiade finden wir ihn als Gehülfen und Genossen des Phidias am
Zeus zu Olympia beschäftigt. Dort malt er nicht nur die Schranken des Thrones
(Paus. V, 11, 5—6,- vgl. Th. 1, S. 121); sondern besorgt überhaupt den farbigen
Schmuck des Bildes namentlich am Gewände; und ausserdem sah man bei
dem Heiligthume noch andere vortreffliche Gemälde von seiner Hand: Strabo VIII,
p. 354 A. Es war gewiss zu derselben Zeit, dass er an der Athene auf der
Burg von Elis, welche Kolotes aus Gold und Elfenbein ausführte, die innere <
Seite des Schildes mit Malereien (wohl in Schmelzfarben) zierte: Plin. 35. 54;
sowie er vielleicht auch die Wände ihres Tempels mit Malereien bedeckte. Frei-
lich erzählt Plinius (36, 177) nur von dem Bewürfe der Wand, wie ihn Panaenos
mit Milch und Safran angemacht hatte, so dass er noch zu seiner Zeit mit dem
feuchten Daumen gerieben Safrangeruch und Geschmack bewahrt hatte. Allein
es ist schwer zu glauben, dass sich Panaenos blos um den Bewurf bekümmert,
wenn es sich nicht darum gehandelt hätte, einen guten Grund für Wandgemälde
zu gewinnen. — Endlich erwähnt Plinius (35, 58) noch eines künstlerischen
Wettstreites bei den pythischen Spielen, in welchem Panaenos indessen von
Timagoras aus Ghalkis besiegt worden sei, „wie auch aus einem alten Ge-
dichte des Timagoras selbst hervorgehe, indem die Chroniken einen offenbaren
Irrthum enthielten." Worauf sich diese Angabe beziehe, wissen wir nicht, wie
wir überhaupt über solche künstlerischen Wettkämpfe nicht genauer unterrichtet
sind. Auch Timagoras ist sonst gänzlich unbekannt.

Eben so wenig ist hier über Onasias, den Genossen des Polygnot in
Plataeae, etwas hinzuzufügen.

Dionysios aus Kolophon wurde schon einige Male beiläufig erwähnt.
Nach einem Epigramme des Simonides, aus welchem sich ergiebt, dass er schon
bei Lebzeiten dieses Dichters, also vor Ol. 78, 1 thätig war, malte er den einen
Flügel einer Thür, während der andere ein Werk des Kimon oder Mikon war.
Zweimal wird er mit Polygnot zusammengestellt, von Aristoteles (Poet. 2.) und
von Aelian (v. h. IV, 3). Nach dem Letzteren ahmte er nhjv rov j.ieyed-ovq die
Kunst des Polygnot nach, sowohl in der strengen Sorgfalt, im Pathos und Ethos,
als in der Art der Gestaltung der Figuren, in der Feinheit der Gewandung u. s. w.
Der Gegensatz, dass Polygnot sygawe rd /.leydXa xal h> rolg rsAEioig siQyd^ero
tu d&\a könnte uns nun zwar veranlassen, den Unterschied zwischen beiden
Malern einzig in der materiellen Grösse finden zu wollen. Doch haben wir
schon früher gesehen, dass damit auch eine Verschiedenheit der ganzen Auf-
fassung verbunden war. Wir müssen dies namentlich aus der Aeusserung des

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