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Der Cicerone: Halbmonatsschrift für die Interessen des Kunstforschers & Sammlers — 7.1915

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https://doi.org/10.11588/diglit.26376#0359

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DENKMALPFLEGE o ENTDECKUNGEN UND FUNDE » PERSONALIEN

tung freudige Anerkennung gezollt hat, wird fie
jefet um fo fchmerzlicher gänzlich vermiffen. Die
verhältnismäßig wenigen unter den bedeuten-
deren Mitgliedern des Verbandes, die fich an
beiden Ausheilungen beteiligt haben, zeigen
diesmal in der Regel nur zweitrangige Arbeiten.
Die überwiegende Mehrzahl der anderen aus-
geftellten Werke hält jene mittlere Linie ein, die
— im günftigften Fall — von gut und böfe gleich
weit entfernt ift. K. R.

WORMS Der vor Ausbruch des Krieges ins
Leben gerufene „Wormfer Bund zur Pflege der
bildenden Kunft“ hat kürzlich nach längerer
Unterbrechung feine gedeihliche Tätigkeit wieder
aufgenommen und in den Räumen der STÄDTI-
SCHEN GEMÄLDEGALERIE eine intereffante
Äusftellung veranftaltet. Mit zahlreichen Werken
vertreten find der Frankfurter Künftler Wil-
helm Lefebre und der Münchner Edmund
Steppes — erfterer hauptfächlich Figurenmaler,
letzterer vorwiegend Landfchafter. — Steppes,
als Vertreter einer rein deutfchen Kunftrich-
tung, im Anfdiluß an Lugo, Haider und Thoma,
brauchte lange, bis er die verdiente Anerkennung
fand. Seine Stilweife charakterifieren von den
ausgeftellten Arbeiten am beften: die zart in den
Tönen gehaltene „Vorfrühlingslandfchaft“ und die
frifchen Hochgebirgsanfichten „Vor dem Gipfel“
und „In den Gatterwänden“. — Lefebre, der
viele Jahre in Paris arbeitete, ift in Deutfchland
noch wenig bekannt. Er überrafcht durch die
Kühnheit feiner Farbenkompofitionen und die
fabelhafte Sicherheit feines Striches ebenfo wie
durch die unerfchöpfliche Fülle feiner Motive.
Neben den großfigurigen Gemälden „Das Lied“,
„Captif“ und „Echo“ und den feinen kleinen
Ölbildern „Selbftporträt in der Sonne“, „Wä-
fcherinnen an der Seine“, „Im Zirkus“ u. a. ver-
dienen vor allem feine zahlreichen Monotgpen,
Radierungen, Schabkunftblätter und Zeichnungen
Beachtung. Die Kräh feines Talentes fichert ihm
eine große Zukunft. G.

DENKMALPFLEGE

BRÜSSEL Der Beigeordnete der Stadt Köln,
Karl Rehorft, wurde in die Belgifche Zivilver-
waltung als Sachverftändiger für Städtebau und
Hochbauwefen berufen. Er foll die Arbeiten
zum Wiederaufbau zerftörter Bauwerke und Ort-
fchaften überwachen und Schlechtes fernhalten.

□ DD

ENTDECKUNGEN ♦ FUNDE

CYRENE Nach den Meldungen italienifcher
Blätter find hier in leister Zeit wichtige Funde
gemacht worden. Unter anderem wurde eine
große, fehr fchöneZeusftatue ausgegraben, die
dem im vorigen Jahre ausgegrabenen Alexander-
ftandbilde ebenbürtig fein foll.

PERSONALIEN

JÄRO SPRINGER "f- Profeffor Dr. Jaro
Springer, der Kuftos des Kgl. Kupferftichkabi-
nettes.ift alsHauptmann beidemSturme aufNowo
Georgiewsk.faft 59 Jahre alt, gefallen. In ihm ver-
liert die Zunft einen ihrer eigenartigften Charak-
tere. Der Sohn Anton Springers, der mit einer
hiftorifchen Arbeit den Doktortitel erwarb, ift auch
als Kunfthiftoriker in Leiftung und Urteil immer
ein Verfechter der hiftorifchen Methode gewefen,
in feinen Büchern, die fich meift mit der älteren
deutfchen und niederländifchen Graphik befdiäf-
tigten und pch erft in jüngerer Zeit dem fran-
zöfifchen Farbftich zu wandten, wie in feinen
fcharfen, nie fachlich kühlen, aber immer vor-
nehmen Rezenponen. Dabei war er durchaus
kein einfeitiger Fachmenfch. Er, der den Bild-
niffen Sebaftian Brandts eine Abhandlung ge-
widmet hat, behielt Zeit feines Lebens Fühlung
mit der deutfchen Literatur und konnte fich über
wenig Dinge fo erbofen. wie darüber, daß nach
feiner Meinung die jungen Kunfthiftoriker nicht
mehr genug Goethe und überhaupt nicht genug
von dem läfen, was nicht zum Fach gehöre.
Springer hat nicht übermäßig viel gefchrieben
und fein Hauptwerk, die große Monographie
über Herkules Seghers, ift unvollendet geblieben.
Aber die beiden erfchienenen Bände mit den
Abbildungen und dem kritifchen Verzeichnis
fprechen ebenfo wie alle feine Werke von feinem
reichen Wiffen. Am verfchwenderifchften teilte
er fein Wiffen und feine Erfahrung im perfön-
lichen Verkehr aus. Lange Jahre faß er am
Kuftodentifdie des Kabinetts und alle Befucher,
Forfcher, Sammler, Laien und nicht zum wenig-
ften auch die Verleger ftellten immer neue Än-
fprüche an feine Hilfsbereitfchaft, die auch immer
im reichften Maße erfüllt wurden, nicht etwa
mit Liebenswürdigkeit und Ermutigung, fondern
mit Knurren und einer im erften Augenblick oft
erfchreckenden Rauhheit, zu der die funkeln-
den Brillengläfer und der drohende, immer etwas
gefträubte Schnurrbart die befte Maske bildeten.
Hinter diefer rauhen Äußenfeite verbarg pch ein
faft zarter, empfindlicher Menfch, der aber in
prinzipiellen Dingen unerbittlich und ohne Rück-

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