Beck, Paul [Editor]; Hofele, Engelbert [Editor]; Diözese Rottenburg [Editor]
Diözesan-Archiv von Schwaben: Organ für Geschichte, Altertumskunde, Kunst und Kultur der Diözese Rottenburg und der angrenzenden Gebiete — 2.1885

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wo auch Märtyrer-Blut floß. — Jap au. Erfreulicher ist
hier das ueue Negierungsdekret, wouach die heiduischeu
Neligionsdiener anfhören, Staatsdieucr zu sein, was für
die christliche Religion von heilsamen Folgen. Denn damit ist
dem buddhistischen Heid ei: tum alles Vorrecht als
Staatsreligion genommen und volle Religionsfrei-
heit gewährt, womit den Missionen die Thore ganz geöffnet.
Jetzt sind dort ca. 60 000 Katholiken. Möge die vor 300
Jahren hauptsächlich von den Jesuiten gepflanzte, mit dem
Blute zahlloser Märtyrer getränkte christliche Saat nun durch
unsere Gebete und Opfer recht aussprossen! — Arme-
nien. Langsam, aber stetig wachsen die Missionen unter den
schismatischen (seit 1400 Jahren) Armeniern von den Haupt-
stat. Marsiwan und Suvas aus besonders durch den Ein-
fluß der Schulen ans die so lange in religiöser Unwissen-
heit versumpften Familien. — Tongking. U. Andr. Ta-
met (aus Diöz. Lyon) mit 5 Genossen von Mandarinen er-
mordet, eine Hauptstütze der Laosmission. — Ceylon. Er-
freuliches Wachstum in den 2 großen apostoli s ch e n V i-
kariaten Dschaffna (über 75000 Katholiken) und Co-
lombo (115 000 Katholiken), aber noch über 2 Millionen
Heiden; sehr günstig, wenn Geld und Missionäre. Hl. Franz
chaver., erwecke apostolische Männer und Herzen, zu dessen
Ehre jüngst dort eine neue Fran z - ch av erius - Kir ch e ein-
geweiht worden. — Griech isch-unirte Kirche im Orient.
Das griech. katholische Patriarchat hat jetzt 10 große
Diözesen in Syrien, Libanon und Palästina rc. Erster
Patriarchalsitz zu Damaskus, zweiter zu Kairo, dritter
zu Jerusalem. Hauptgewicht ans Bildung des Klerus und
Jugend. Priesterseminar zu Ain-Traz im Libanon, neben vie-
len katholischen Stadt- und Dorfschulen ist die größte das
P atriarch al-Kolleg in Beirut (Internat, über 250
Zöglinge), ebenso das Patri ar ch a l-Ko ll eg von Da-
maskus (Externat, ca. 300 Zöglinge). Da die griech.
nnirten Katholiken über den ganzen Orient zer-
streut, überall Kirchen und Schulen notwendig. Leider
viel zu wenig Mittel angesichts der erfreulichen Be-
wegung in der gr ie ch i sch - sch i sm at i sch en Kirche zur
katholischen Einheit (nach einem Jahrtausend), so im
Antilibanon jüngst Konversion von über 300. Wegen gleicher
Liturgie, Sprache rc. das griech. kath. Patriarchat
die einzige Pforte für die griechisch-schisinatischen Christen.
Daher bittet so dringend um Gaben (auch Meßstipendien
für die armen Priester) der gegenwärtige griech. Patriarch
von Antiochien, Alexandrien und vom ganzen Orient, Gregor.
Jussef. — Palästina. Jerusalem. Entdeckung
des Sanktnari u m ö „d i e S ch n l e der allerselig st e n
I ungfr a n" durch einen Priester des Patriarchats. Derselbe
durchsuchte die berühmtesten alten Pilgerberichte und fand ans
Grund derselben in Begleitung des berühmten Palästinalogen
Viktor Guerin und des Franziskaner-Bruders Lievin,
gründlicher Lokalforscher und Verfasser des vortrefflichen Ouicte
iirckicnteur cte ln terre cminte, eine kleine Moschee von
über die Krenzzüge hinansreichender Konstruktion, welche die
südliche Basis des Ecce-Homo-Bogens bildet, von
den Eingebornen noch Sitti Mari am, Hans Mariä, ge-
nannt und von den orientalischen Christen verehrt. Diese
Moschee erhebt sich nach den Angaben dieser alten Autoren
aus den Ruinen der alten „Schule der Mutter Gottes".
Treffend sagt n. a. auch unser gelehrter Palästina-
Pilger ?. Felix Fabri ans dem Dominikaner-Orden
von Ulm: „Verachte dieses Hans nicht, sondern glaube nur,
daß dieses die Schule der allersel. Jungfrau war. Denn ob-

gleich Maria nicht notwendig hatte, von Menschen Unterricht
zu empfangen, so weigerte sie sich doch nicht, Schülerin ^
Menschen zu werden, gerade wie sie sich auch dem Gesetze H'j
Reinigung unterwarf." Auch berichtet ex, daß an diesC'
Sanktuarium ein unvollkommener Ablaß geknüpft war. — C'i>j
Professor ans Österreich entdeckte jüngst die Spuren einH
sehr alten Kirche an der Stelle der Negiernngs-Gefängußll'
vermutlich die Reste der Kirche St. Peter in Banden-ff)
Gaza. Don Gatt schreibt: Die Unterhandlungen der schist
malischen Griechen mit dem hl. Stuhle werden nicht erfolglo-
sem; denn sie sind ohne Wissen und Willen schismatisch geworden
und haben Rom nicht vergessen. Arabische Zeitungen bestcl
ten, daß sich in Deutschland eine Gesellschaft gebildet, um KHst
lonien in Syrien zu gründen. Auch soll Palästina eins
besondere Verwaltungsprovinz werden (mit einem 2.OK
in Jerusalem und Mustareff in Gaza), was für die katholD
scheu Missionsanstalten vorteilhaft wäre.

Vas allehrwürdiM Franziskanrrinnrn - RlvM
Naufdeurrn und die Seligsprechung der EHO
würdigen Kreszentia.
(Fortsetzung.)
Das Kloster zur Zeit der Ehrwürdigen Kre^
zentia. Besuche und Briefe. Originalbries-
Bisher hatte das Kloster mehr das verborgene LestG
Jesu zu Nazareth geführt. Da führte der Geist Gottes
Jahre 1703 eine arme aber Hochbegnadigte Jungfrau AuM
H össin ans Kanfbenren in seine gottgeweihten MaM'G'
Diese mit dem Klosternamen Kreszentia zog bald wie G'
himmlischer Magnet unzählige heilsbegierige Seelen ans glNO
Schwaben, Bayern und andern deutschen Ländern an. dich,
fangö wurde die Tochter eines arme,: Kanfbenrer Webei-
wegen ihrer außerordentlichen Vorgänge mißtrauisch und stress
beurteilt und behandelt. Nach und nach wurden aber, cw
wohl sie es durchaus nicht suchte, ihre übernatürlichen Gab«-'»
und hohen Tugenden in nnd außer dem Kloster immer w«?'
anerkannt nnd bewundert.
Nach den Zeugen im Kaiwnisationsprozesse I kamen zc^st,
reiche Verehrer ans nah nnd fern, ebenso Briefe ans wellst
Ferne. Die meisten wollten sich und ihre Anliegen ihn)'
frommen Gebete empfehlen nnd sie in ihren Gewissensangst
legenheiten befragen. „Es würde", heißt es dort, „sehr schst'.st
sein, alle Besucher namentlich ansznzählen." Hoch- nnd höchst
gestellte Personen geistlichen nnd weltlichen Standes reiffst
oft weit her, um Kreszentia zu sehen nnd sich mit ihr y
nnterreden wie Erzbischof Leopold ans Salzburg, Fürst W
jetan Collorath ans Mähren, die Herzogin von Savoyen Hst '
Fürstin v. Lichtenstein, Dvmpropst v. Roth aus Angslnnst
nachher Fürstbischof und Kardinal von Konstanz n. v. '
Besonders verehrt wurde die heiligmäßige Jungfrau
bayerischen Fürstenhanse. Hochinteressant ist der Besuch stst
beiden Prinzen, des Kardinals Theodor nnd des Knrfürsst.
Klemens August, Erzbischof von Köln. Letzterer besuchte Ist
einer Reise durch Schwaben „die in: Ruse der H^E.
keil lebende und mit der Gabe der WeissaguHHchstst
vorzngte" Maria Kreszentia?) Dieselbe weissagte den: FürPst,'
daß er in keinen: seiner vielen Schlösser sterben werde, -stst,
selbe starb wirklich ans einer Reise nach München in ^

*) 8ummr>.r. !7ro. 23. T. 473 1.
st Meriug. Klemens August S. 75.
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