Beck, Paul [Editor]; Hofele, Engelbert [Editor]; Diözese Rottenburg [Editor]
Diözesan-Archiv von Schwaben: Organ für Geschichte, Altertumskunde, Kunst und Kultur der Diözese Rottenburg und der angrenzenden Gebiete — 2.1885

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„Item die graßweid und die weiden haben sie vnns stetts
genumen, als vnns die Gehalten (Dienstboten) sagen."
„Item sie haben die vnnssere zu zeitten in die eyssen
(Gefängniß) gefurt vnnd die ploßen meßer vber vnnßere schaffer
außgezogen, bey vnnßer man wern."
„Item die Erbrigen Herrn des Ratts haben wir schrifft-
lich gebetten, das sie vnns nit mer wollen beschedigen, solches
haben sie nit wollen thon.".
„Item sie vermeinen, wir sollen vnnßer maver hocher
machen, das mag nit gesein, vrsach der grundt der Mawr ist
nit Elntyesf."
„Item so die Mawer hocher wnrdt, so hetten wir kein
lufft, so wir lusftes halben vor offt schwahen, auch so ein
truckner sunnner ist, so mügen wir nichts jn vnnßern gartten er-
ziehen zu vnnßer Nodtdurfft."
„Item so haben wir bey all vnnßeren gultten vnnd rent-
ten ligents und fahrent kaum vnnßer Nodtdurfft vnnd machen
jerlich schuldt."
„Item fo haben wir vor 6 Zaren ein Notdnrfstigen paw
angefangen, der stett Noch vnnder dem Dach vngepaut."
„Item es hat vnns Gyn Erberger mon geben sirczig
gülden, damit Hab wir ein prewhauß angefangen, fo die gulda
verpaut sin, müßen wirst auch also vngebaut laßen von armut
wegen.".
„Item es ist vnns in langer auch in kurczer friest, auch
in gegenwerttigen tagen jn vnnßer gegenwurtigkeit auch durch
vnnßer gesindt also gedroet, ob wir vnnßer Junckfreuliche
Nattur gebraucht hetten; fo wer nit vnnder, das das Mererteil
legerhafftig worden kumernuß halben; aber der Gyn Richter ist
der lebendigen vnnd der dotten, der furet seine fchefflein auß
dem prinenden vngewitter."
„Item das ist die tro, man wol ein graben vmb das
closter machen vnnd Gyn thurn, vnnd wol sich an vnns rech-
nen, so Gyn auflauff geschech als vor mer ist gescheen, das
vnnßer gnediger Herr vnnd das Capittel zu dennen wir hoffen,
ans; der Stadt fliehen."
„Item sie woln vnnßer gesynndt veber die zinckawer
prucken weder Reitten noch fahren laßen, vnnd wollen Eyn
graben für vnnßers closters äussere Befchlißung machen, das
Nimant zu vnns kan Noch die vnnßerigen, Zn die stat zu
vnnßer Notdurfft."
„Item Noch vil mer das. zu grob wardt; es ist evol
Eyn spot, das sich ein weißer Ratt mit geistlichen Junck-
frawen also aufleynen."
„Item, was vnns fchadens gescheen ist, vmb vnnßer
closter vnnd vmb die statt, schacz wir zu dem minsten anff
achthundert gnldn, an was; wir sider uncz vnild Jerlich dar-
von aufhetten gehebt."
„Item wir befelhen vnns vnnd vnnßer closter vnnd alle
vnnßer anligen vnnßerm aller g::edigsten Herrn Bischofs zu
Bamberg, dem Wir durch besunder pullen durch den römischen
stul sin befolhen worden; sein Fürstl. Gnaden wol vnns be-
schirmmen vor vnnßern Widersachern!"
II.
Das eben erwähnte Aktenstück zeigt zugleich, wie ungünstig
die Vermögensverhältnisse des Klosters gegen Ende des 15.
Jahrhunderts waren.
Um so willkommener mußte es daher für dasselbe sein,
das; im Jahre 1492 eine Tochter des im I. 1486, 11. März
gestorbenen, ebenso als Feldherrn wie als Staatsmann aus-
gezeichneten und als Stammvater des preußischen Königs-
nunmehr deutschen Kaiserhauses ganz besonders hervorragenden,

Markgrafen Albrecht (Achilles) von Brandenburg
Dorothea, geboren 12. Dezember 1471 sich entschloß,
das Kloster der hl. Klara zu Bamberg einzutreten.
(Fortsetzung folgt.)

Das altrhrwürdigh Franziskanerinnen - KloM
Rausüeuren und die Seligsprechung der Eh*'"
würdigen Kreszentia.
Neue Folge.
Weiterer Verlauf des Ordenslebens der Ehr'^'
M. Kreszentia.
Kreszentia mied ängstlich jeden Zeitverlust, jede Zg
streuung und jedes unnütze Wort. Nur der Gehorsam "w
die Nächstenliebe bestimmten sie, mit anderen umzugehen.
her erfüllte sie, solange sie kein Amt hatte, streng den weisi^
Rat des hl. Johannes vom Kreuz: „Denke, Gott und ^
seien allein im Kloster". Dieses tiefinnerliche streng aszetisig
Gebetsleben brachte dem Kloster reichen, nicht nur geistlich^'
sondern auch zeitlichen Segen. Auf ihr Gebet kamen ^
Geldverlegenheiten von fernen und unbekannten Personen Gells
almosen; schädliche Naturereignisse, Hagelschlag, Überschwemmung
gen rc. wurden abgewendet; auch aus den Lebensmitteln
Klosters ruhte nach vieljähriger Erfahrung, besonders weg
sie den Armen Speisen reichte, unter ihren Händen g
sichtlicher, oft wunderbarer Segen. Daher wurde das Dg
trauen auf die Wirksamkeit ihres Gebetes allgemein g's
Kloster und in der Welt. So floß ihr Leben still und kg
wie ein ruhiger Bach dahin. Gleichwohl wurde sie allmählich'
ohue es nur zu ahnen, der Magnet und die Seele des gaP
zen Klosters und weit darüber hinaus. So streng Kreszeng
gegen sich selbst war, so überaus mild und zuvorkommend wg
sie gegen andere, vor allem gegen ihre Mitschwestern, lg
allen klösterlichen Übungen, besonders bei den schwersten u>st
niedrigsten Arbeiten, war sie die thätigste, die erste und letzte-
Jn den notwendigen Erholungen war sie wie das Salz in d^
Speise, gar witzig bei ihrem an originellen Gedanken reicht
Geiste. Als wahre und gesunde Tochter des hl. Vaters FraP
ziskus, nichts weniger als trübselig und kopfhängerisch, freute m
sich am meisten, wenn sie ihre Mitschwestern fröhlich im Hm'G
sah. Daher pflegten diese am Schluffe der Rekreation
sagen: „Jetzt sind wir an Leib und Seele ganz erquickt".
Je demütiger und abgetöteter eine Seele, je mehr
ein in Christo verborgenes Leben führt, desto mehr gleicht P
dem Weizenkorn im Evangelium, das, nachdem es gestorbeM
viele Frucht bringt. Ihr segensreicher Einfluß von der ariM'ß
heute noch so gelassenen und verehrten Klosterzelle aus wug
eine befruchtende Gnadenquelle für nahe und ferne, für niedell
und hohe Kreise. Unberechenbar ist die Zahl der Seeles
welche die Gnade Gottes durch dieses in der Einsamkeit doll
so apostolisch wirkende Werkzeug bekehrt oder zur christlich^
Vollkommenheit geleitet. Als Novizenmeisterin (nach
den verschieden lautenden Dokumenten 24 oder 25, nach
anderen 28 Jahre) war sie ein Spiegel aller Tugenden st^
ihre Zöglinge und Mitschwestern. Gleichwohl bekennt sie ^
tiefster Demut und kindlicher Einfalt: „Liebe Schwestern, ÜO
nicht auf meine bösen Werke und wendet eure Augen nill
auf mich, denn ich bin ein reines Nichts; erinnert euch abel'
das; Gott durch mich, dieses allergeringste Geschöpf, zu euch
redet". Mit wahrer mütterlicher Liebe und Geduld ließ P
sich zu den Unvollkommenheiten ihrer Zöglinge herab und chchst
siegte so deren Fehler. „Die große Demut der Kreszentia j
sagt offenherzig Schwester Gabriele, „hat meine Hoffart üb«D
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