Die Form: Zeitschrift für gestaltende Arbeit — 2.1927

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• ,• i i mprlcwürdiee Forderung werden, als wenn die Form des Raumes kei-

Schiffs unbedingt m die aus Y> « nhau r Möglichkeit, diese Frage durch Erfahrun-

Hotels oder Palästen bekannten Formen zu -^o1 ^ ^

bringen sind. Und darin allein liegt das andere Argument anlangt, so
Problem: Mit der Anwendung moderner ^ ^ ^ ^ Jahren ein{ge Gel_
Einzelformen ist es nicht getan. Das & Inzwischen ist die
Wesentliche liegt dann, daß man bis Mengchheit in die neue Formenwelt, die ge-
setzt grundsätzlich darauf verzichtet hat ^ ^ ^ ^ Verkehrswesens
die Formen des Inneren natürlich und ^ gQ hineingewachsen, das Ge-
organisch aus der Bestimmung des Schif- ^ neue gchönheitj das Bedürfnis

fes zu entwickeln. Also diejenige i'or- -vi., „nj PWak-

i \ f nach möglichst ausgeprägten und charak

derung, die heule vor allen anderen Aut- • . ,, n ,kp

, 8' . „ . i . c . tervollen neuen Formen ist, wie z. J3. die

gaben, die die Zeit stellt, als eine selbst- . „ „ „„„ rolloc uPWPict

o Entwicklung des Kraitwagenbaues beweist,

Verständlichkeit gut, scheint gerade aut die- i n r -„u+ „'„„.colipn ist

* ' . , . , ^, so stark geworden, daß nicht emzuselien ist,
sem Gebielc noch nicht einmal in den Ge-

sichtskreis derer getreten zu sein, die der-

vom Ingenieur bestimmt wird, als ein un
natürlicher Anachronismus in unserer Zei
stehen.

warum gerade auf einem Schiffe die neue

Form nicht verstanden und geschätzt wer-
artige Aufgaben zu stellen haben. So er- , , „,
. , ° , , , • i , o t den sollte. Und der Berufung aut den ge-

lebte man das seltsame Schausmel, da'.) die . .... T. . , . ,

, . o i r> i t schmackhehen Konservatismus des inter-

gewaltigsten öchontuneen modernen Jna:c- .

., „ , t t, • , , nationalen neisepubhkums darf man viel-

meureeistes überall da. wo die rorm mein , . , n tt- • j> t • t .

leicht den Hinweis aut die nicht geringere

Sensationslust eben dieser Kreise entgegen-
stellen. Wer weiß, ob nicht eines Tages
etwa die Japaner, die ja für kommende
Die Motive dieses merkwürdigen Konserva- Dmge außerordcnllich femc Organe be-
tismus sind uns wohlbekannt: Man glaubt, silzeil) &uf deQ Gedanken kommen, die
durch die Vortäuschung fester Wohnräume Form ihrcr passagierdampfer aus den na-
dle mit einer Seereise nun einmal verbun- türlichen Gegebenheiten des Schiffs in echt
denen Unbehaglichkeiten vermindern oder modernen Geist zu entwickeln und mit
ganz aufheben zu können, und fürchtet, bei allem Raffinement bis in jede Einzelheit
dem internationalen Publikum, das die hincin durchZuführen? Wenn das ge-
Dampfer benützt, mit irgendwelchen unge- schiebt, dann werden, so fürchten wir, sehr
wohnten Formen anzustoßen. Was den bald die ganzen anderen Schif fseinrichtun-
ersteren scheinbar sehr einleuchtenden Ge- gen als veraltet angesehen werden, und es
Sichtspunkt anbelangt, so ist es sehr die wird zum guten Ton gehören, auf einem
Frage, ob der Aufenthalt in einem aus der dieser wirklich modernen Schiffe zu
JNatur des Schiffes entwickelten Baum fahren.

weniger behaglich ist, wenn anders dieser Freilich ist die Aufgabe, die hier zu stellen

Kaum, wie selbstverständlich gefordert wer- wäre, keineswegs leicht und nicht auf den

den muß, ebenso wie die jetzigen Bäume ersten Anhieb zu lösen. Die phantasievoll-

der ersten und zweiten Klasse, mit allen er- sten Köpfe, die stärksten Talente unter

denkhehen Bequemlichkeiten und mit Ge- unseren Architekten müssen einmal in den

schmack und Phantasie ausgestattet ist. Es Stand gesetzt werden, die Aufgabe an der

ist noch sehr die Frage, oh nicht im Gegen- Hand von Modellen in Zusammenarbeit mit

teil die unvermeidlichen Bewegungen eines den Schiffsingenieuren durchzudenken.

Schiffes in einem Baume, der so aussieht, Das Ergebnis würde, daran zweifeln wir

g befinde man sich in einem festgebauten nicht, die aufgewandte Mühe reichlich

ause, weit unangenehmer empfunden lohnen. \y Riezler

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